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Kommentar zur Politik der "Familienzerstörung"

Kommentar

Immer dreister werden die Vorschläge und Bemühungen mancher Zeitgeister, die Bindung von Kindern an Eltern und Familie schon möglichst bald nach der Geburt zu kappen. Man müsse doch die armen Kinder rechtzeitig sozialisieren und die noch ärmeren Frauen aus dem Joch der Mutterrolle befreien.



Die nämlichen Vorreiter der neuen familienlosen Gesellschaft sind dann fürbass erstaunt, wenn eben diese Kinder sich beim Lernen schwerer tun (Stichwort Pisa-Hysterie) und in der Entwicklung zum Erwachsenen unerklärlich haltlos sind (Stichwort Jugendkriminialität).



Wer aber thematisiert einen nicht abwegigen Wirkungszusammenhang, wer beziffert die Ausgaben für Kinderbetreuungsplätze, Nachmittagsbetreuung, Integrationsklassen bzw Sonderschulen, Betreuung Minderjähriger, Streetworker, Jugendgerichtsbarkeit, Jugendarbeitslosigkeit, jugendpsychiatrische Behandlungen etc etc ???



Dennoch wird als Allheilmittel der Familienpolitik der radikale Ausbau an Betreuungsplätzen propagiert, ergänzt durch möglichst frühe Verkrippung von möglichst vielen - dann eben nicht mehr gesäugten - Säuglingen. Diesem scheinbar vorherrschenden Zeitgeist hält Rupert Schwarz aus Lamprechtshausen mit seinem Leserbrief in den Salzburger Nachrichten (31.1.2012, Österreich-Teil S 24) einen "radikalen" Vorschlag entgegen:



"Radikale Idee zur Familienzerstörung

Liebe "Vordenker" in der Arbeiterkammer, der Industriellenvereinigung und der Grünen!
Welchen Sinn sehen Sie in der Zerstörung der Familien? Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum das beliebteste Kindergeldmodell 30 + 6 Monate lautet? Wir Eltern wollen doch zumindest die ersten Jahre bei unseren Kindern sein können und sie nicht schon im Kleinkind- oder gar Babyalter weggeben müssen; Kindergarten und Schule kommen früh genug!
Ich schlage "radikal" vor:
Verpflichtend mindestens 36 Betreuungsmonate der Eltern, Teilung flexibel, gesichertes Mindesteinkommen in Höhe des österreichischen Durchschnittsverdienstes (Finanzierung mit den Mitteln der wegfallenden Krabbelstuben usw.)"


Allzu selten ist eine vom Mainstream abweichende Ansicht zur Familienpolitik zu vernehmen - Grund genug, dieses Statement auch im SALZACHbrücke PORTAL wieder zu geben.


Selbstverständlich gilt der größte Respekt allen Eltern, Frauen und Männern, die sich nach reiflicher Erwägung und im Bewusstsein um ihre vielfältigen Verantwortungen so oder so entscheiden. Welches Familien- und Erziehungskonzept auch immer - aus Sicht der Eltern wird es stets das richtige sein. Anzuprangern sind aber aktuelle Bestrebungen, den Entscheidungsspielraum der Eltern aus ideologischer Überzeugung oder aus wirtschaftlichen Interessen in irgendeine Richtung einzuschränken.


Einem Vater oder einer Mutter, die ihr Kleinkind nachts beruhigend durch die Wohnung tragen, die Zahnen, Sabbern und atemloses Dauerschreien liebevoll ertragen aber eben auch Lächeln, erste Worte und das Einschlafen im eigenen Arm beglückend erleben - solchen Eltern muss erst einmal jemand nachvollziehbar erklären, warum die EU-Kommission für Kinder unter drei Jahren ein "Betreuungsziel von 33 %" empfiehlt!?



Als könne man den Menschen im Einheitsformat so gestalten, wie es den Entscheidungsträgern der Gesellschaft gerade beliebt - solche Versuche sind bislang Gott sei Dank früher oder später immer noch fehlgeschlagen. Aber viel zu viele sind daran zerbrochen. Wollen wir das wirklich wieder zulassen?




Kommentar von Thomas Haas