Von Weitem zunächst unerklärlich bewegen sich die aufgeblähten "Drachen" in einem engen Radius kreuz und quer. Erreicht man schließlich die Kuppe des Haunsberges klärt sich das neuartige Phänomen schnell auf. Zwei Skifahrer lassen sich vom eisigen Ostwind auf einer nahezu ebenen Fläche von etwa 200 mal 400 Metern durch den Schnee ziehen. Mit geschickten Manövern steuern sie die Lenkdrachen - Kites - mit einer knapp ein Meter langen Stange über je vier Schnüre so, dass sie den recht konstant pfeifenden Wind für jede gewünschte Fahrtrichtung ausnützen können.
Zwei Stunden kann man sich solcherart auf einem recht überschaubaren Fleckchen Erde austoben. Durch den schrägen Winkel zur Zugrichtung, den die Stellung auf zwei Skiern bedingt, ist neben der Armarbeit auch ordentlich Kraft und Kondition in den Beinen gefordert.
Bis zu fünf Meter hoch könne man sogar abheben während der teils sehr rasanten Fahrt, verraten die Beiden anschließend dem verblüfften Laien. Bei der aktuell knappen Schneelage sei dies aber zu gefährlich. Man wisse ja nie, ob man auch wieder gut aufsetzt. Deshalb hob man diesen Sonntag Nachmittag am Haunsberg bei Sprüngen, oder vielmehr Flügen, bloß einen knappen Meter vom Boden ab.
Die Verbindung der Schneelandschaft zur Tagesneige mit den eleganten Schwüngen im Schnee und den wehenden Drachen im eisigen Wind hatte trotz Kälte und Krafteinsatz etwas Meditatives - zumindest für den Beobachter...
Thomas Haas