Das Land Salzburg liegt mit drei Todesfällen pro 100.000 Einwohner (im erwerbsfähigen Alter) deutlich unter dem österreichischen Durchschnittswert von 3,6. Dennoch starben in Salzburg 14 Personen im vergangenen Jahr an den direkten Folgen des Konsums illegaler Drogen. Damit liegt die Zahl der suchtgiftbezogenen Todesfälle deutlich über den durchschnittlichen Zahlen der vergangenen Jahre, in der sich die Zahl der Todesfälle zwischen drei und acht bewegte. "Jeder Drogentote ist einer zuviel", betonte Sozial- und Gesundheitsreferentin Landesrätin Erika Scharer am Montag, 28. Juni, in einem Informationsgespräch, bei dem der Drogenbericht 2009 präsentiert wurde.
"Der Anstieg der Anzahl der Drogentoten in Salzburg muss ernst genommen werden", so Scharer weiter. Die Gründe für die Zunahme werden zurzeit analysiert. Eine Rolle könnten jedenfalls eine weitreichende soziale Desintegration und das Erleben fehlender Perspektiven spielen. Und es bestehe bei einem Teil der Drogenkonsumenten generell der Trend hin zum Mischen von unterschiedlichen Drogen. "Diese Entwicklung zeichnet sich bereits seit einigen Jahren ab", erläuterte Dr. Franz Schabus-Eder, Drogenkoordinator des Landes. Seit Jahren seien daher auch Mischintoxikationen Ursache für suchtgiftbezogene Todesfälle.
So hatten auch zwölf der Drogenopfer einen Cocktail aus illegalen und legalen Drogen im Blut. Auffallend sei auch, dass es sich bei den Toten überwiegend um eher ältere Menschen handelt. Mit zehn von 14 Drogentoten sind Männer deutlich in der großen Überzahl. Lediglich einer der Verstorbenen befand sich in einer Substitutionsbehandlung. "Zehn Drogentote waren dem Behandlungs- und Betreuungssystem nicht bekannt", so Dr. Schabus-Eder.
"Als Reaktion auf diese Zahlen haben wir sofort als ersten Schritt den Datenaustausch zwischen Gerichtsmedizin und Drogenkoordination des Landes verbessert", so Sozialreferentin Scharer. Mit der Exekutive soll es Gespräche, die eine schnellere Einsicht in die Gutachten ermöglichen, geben. Damit könne man in Zukunft rascher als bisher entsprechende Maßnahmen setzen. Um die Zahl der Drogentoten zu senken und den Drogenmissbrauch einzudämmen, will Landesrätin Scharer unter anderem die Errichtung der geplanten niederschwelligen Anlaufstelle vorantreiben und das Drogenkonzept des Landes evaluieren und adaptieren. "Dabei hoffe ich, dass alle an einem Strang ziehen. Ziel muss es sein, den Drogenkonsum und die damit verbundenen individuellen und gesellschaftlichen Schäden drastisch zu verringern."
Ausbau der drogenpolitischen Maßnahmen wird weitergeführt
"Mit den Drogenberatungen, der Suchtprävention sowie mit der Drogenambulanz an der Christian-Doppler-Klinik haben wir in Salzburg in den vergangenen Jahren ein gut funktionierendes Netzwerk aufgebaut", betonte Sozial- und Gesundheitsreferentin Scharer. Die Präventionsangebote und die konkrete Hilfe bei Drogenproblemen werden gut angenommen und greifen. "Nichtsdestotrotz erreichen wir einen Teil der Drogenkonsumenten nicht". Gerade deshalb sei die Errichtung einer niederschwelligen Anlaufstelle wichtig. Zudem soll in der Suchtprävention noch mehr als bisher ein Schwerpunkt auf zielgruppenspezifische Maßnahmen der Sekundärprävention gelegt werden. "Mit Rückfall verhütenden und rehabilitierende Maßnahmen soll ein erneutes Auftreten abhängiger Verhaltensweisen verhindert werden", so Dr. Franz Schabus-Eder zu einer weiteren Richtung der Entwicklung des Drogenkonzepts.
Drogenkonsum nach wie vor männliches Phänomen
"Nach wie vor ist illegaler Drogenkonsum ein großteils männliches Phänomen", betonte Dr. Schabus-Eder. Knapp 90 Prozent der Salzburger Drogenkonsumenten sind männlich und zwischen 16 und 24 Jahre alt, und es sind kaum mehr regionale Unterschiede beim Konsumverhalten vorhanden. Allerdings ist der Anteil der jugendlichen Drogenkonsumenten in den südlichen Bezirken, wie auch schon in den vergangenen Jahren, etwas höher. Das ist das Ergebnis der 485 Begutachtungen, die von den Bezirksbehörden 2009 durchgeführt wurden. Mehr als die Hälfte der Drogenkonsumenten geht dabei einer regelmäßigen Ausbildung oder Beschäftigung nach. An erster Stelle des Konsums von illegalen Drogen liegt nach wie vor Cannabis, gefolgt von Kokain, Ecstasy, Speed und Opiaten. Der Konsum von Cannabis, Kokain und Opiaten ist über die vergangenen Jahre hinweg annähernd konstant geblieben.
"Erfreulich ist, dass der Konsum von Ecstasy rückläufig ist, das gilt vor allem für die südlichen Bezirke, in denen Ecstasy anteilsmäßig häufiger konsumiert wird als im städtischen Bereich", betonte Dr. Schabus-Eder. Andererseits nimmt jedoch der Anteil von Amphetaminen kontinuierlich zu. Dr. Schabus-Eder führt dies auf generelle gesellschaftliche Entwicklungen, wie der Erwartung nach ständiger Leistungsbereitschaft, aber auch auf die steigende Verfügbarkeit von Amphetaminen und Amphetaminderivaten zurück.
Drogenberatungsstellen gut in Anspruch genommen
Die Anzahl der Klienten und Patienten, die Drogenberatungsstellen, mit psychologischen und sozialarbeiterischen Leistungen aufsuchen, ist im Vergleich zu den Vorjahren in etwa konstant geblieben. 461 Personen haben im vergangenen Jahr die Drogenberatungsstellen des Landes um Rat und Hilfe aufgesucht. 155 Klienten wurden dabei längerfristig und 306 Klienten kurzfristig betreut. Es zeigt sich bereits über Jahre, dass längerfristig betreute Klienten deutlich älter sind als Klienten, die sich kurzfristig beraten lassen. "Auffallend ist jedoch, dass längerfristig betreute Klienten zu einem höheren Anteil bereits früher drogenspezifische Betreuungsangebote angenommen haben und sie in einem größeren Ausmaß freiwillig, das heißt auf Eigeninitiative oder auf Wunsch von Angehörigen, in Betreuung kommen", so Dr. Schabus-Eder. Hingegen ist der Anteil von Frauen bei längerfristigen Betreuungen im Gegensatz zu den früheren Jahren nur mehr unwesentlich höher als bei den kurzfristigen Beratungen (26 Prozent beziehungsweise 20 Prozent). Erwartungsgemäß weisen nach wie vor längerfristig betreute Klienten auch eine massivere Drogenproblematik auf. "Rund zwei Drittel weisen mehrfach problematische Konsummuster im Sinne eines polytoxikomanen Missbrauchs- oder abhängigen Konsumverhaltens auf", so Salzburgs Drogenkoordinator Dr. Schabus-Eder. Dabei werden Alkohol und Tranquilizer von Langzeitkonsumenten häufiger zusätzlich konsumiert.
In der Drogenambulanz wurden 2009 insgesamt 270 Patienten behandelt, in der Substitutionsstelle standen 32 Patienten in regelmäßiger und intensiver Betreuung. Im Lauf des Jahres 2009 wurden insgesamt 451 Patienten mit einer Substitutionstherapie behandelt, das ist im Vergleich zum Vorjahr (404 Patienten) eine Zunahme um zwölf Prozent. Der überwiegende Anteil der Patienten ist dabei älter als 30 Jahre. 99 Patienten wurden im vergangenen Jahr aufgrund illegalen Drogenkonsums zu einer stationären Entzugsbehandlung in der Christian-Doppler-Klinik aufgenommen. Rund ein Drittel der Patienten wies dabei ein problematisches Konsummuster an Mehrfach-Drogen auf. Zusätzlich befanden sich insgesamt 52 Patienten aus dem Land Salzburg in einer der Drogeneinrichtungen Österreichs in einer stationären mittel- bis langfristigen Entwöhnungsbehandlung.