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Bevölkerungswachstum deutlich geringer als in den Vorjahren

Im Land Salzburg lebten am 1. Jänner 2010 exakt 529.861 Menschen. Das sind um 644 Personen oder 0,12 Prozent mehr als im Vorjahr, womit das Bevölkerungswachstum deutlich geringer war als im Durchschnitt der vergangenen Jahre. Seit 1. Jänner 2002 (das Jahr 2002 bildet mit dem Beginn einer im zentralen Melderegister verankerten Bevölkerungsstandermittlung durch die Bundesanstalt Statistik Österreich quasi eine Zäsur in der regionalen Bevölkerungsstatistik.) stieg die Einwohnerzahl um 12.811 Personen oder 2,5 Prozent, das entspricht einer jährlichen Zunahme von 0,31 Prozent.

Wie hat sich die Bevölkerung des Landes Salzburg und seiner Regionen in den vergangenen Jahren entwickelt, was ist für die kommenden Jahre zu erwarten? Was hat sich bei den Geburten, den Gestorbenen, den Wanderungen "getan"? Wie viele Menschen wurden eingebürgert? Wie viele Ausländer leben im Land? Diese und ähnliche Fragen beantwortet der Bericht "Bevölkerung Land Salzburg, Stand und Entwicklung 2010", der vom Landesstatistischen Dienst unter der Leitung von Hofrat Mag. Josef Raos noch kurz vor dem Jahresende vorgelegt wurde.

"Die Bevölkerungsentwicklung bestimmt maßgeblich das politische Handeln, denn die Politik braucht auf allen Ebenen, also im Bund, im Land ebenso wie in den Gemeinden, die entsprechenden Informationen und Planungsgrundlagen", sagte Landeshauptfrau Mag. Gabi Burgstaller am Montag, 27. Dezember, zur jüngsten Publikation der Landesstatistik.

Daten als Basis für die richtigen Weichenstellungen

Burgstaller wies im Besonderen auf die Veränderungen in der Altersstruktur der Salzburger Bevölkerung hin. "Möglichst detailliertes Wissen über die Entwicklung der vergangenen Jahre, vor allem aber der statistisch gut fundierte Blick in die Zukunft, sind immens wichtig, um die richtigen Weichenstellungen im Sozial- und Gesundheitsbereich, aber auch in der Bildungspolitik zu treffen."

Auch die "Wanderungsbilanz", also der Zu- und Abwanderung nach und von Salzburg, ist ein wesentlicher Faktor für die weitere Entwicklung des Bundeslands. "Salzburg war und ist ein Einwanderungsland. Wir hätten uns nicht so dynamisch entwickelt, wenn es die Zuzüge der vergangenen Jahre nicht gegeben hätte", hielt die Landeshauptfrau fest. "Wir werden auch künftig Zuwanderung brauchen, um unseren Lebensstandard zu halten und die Versorgung zu gewährleisten. Es ist allerdings wichtig, die Zuwanderung stärker als bisher an den Bedürfnissen der Gesellschaft auszurichten und in der Folge durch begleitende Maßnahmen eine rasche Integration zu ermöglichen", ergänzte die Landeshauptfrau. "Der aktuelle Bericht der Landesstatistik bereitet die nüchternen statistischen Zahlen gefällig auf und erschließt damit allen Interessierten einen wichtigen ´Datenschatz´", so Burgstaller.

Mehr Menschen von Salzburg weg- als nach Salzburg zugezogen

Ausschlaggebend für die im Vergleich zu früheren Jahren geringe Zunahme der Einwohnerzahl Salzburgs in den vergangenen Jahren war – differenziert nach den verschiedenen Komponenten der Bevölkerungsentwicklung – vor allem der Wanderungssaldo, der im Jahr 2009 zum ersten Mal seit 2002 wieder negativ war. Es sind also mehr Leute aus Salzburg weg- als nach Salzburg zugezogen. Nur durch die positive Geburtenbilanz konnte ein Bevölkerungsrückgang vermieden werden, wobei allerdings die Geburtenbilanz aufgrund der im Vergleich zu früher geringeren Geburtenzahlen einen historischen Tiefststand erreicht hat. Dies hat mit zum deutlich unterdurchschnittlichen Bevölkerungswachstum beigetragen.

Überalterung der Salzburger Bevölkerung droht

Die Altersstruktur der Bevölkerung Salzburgs ist von einer zunehmenden Überalterung gekennzeichnet. Aufgrund der stark steigenden Lebenserwartung erreichen immer mehr Menschen ein immer höheres Alter. Durch die rückläufige Zahl an Frauen im Alter von 15 bis unter 45 Jahren (den so genannten Frauen im gebärfähigen Alter) und durch die stagnierende Gesamtfruchtbarkeitsrate sinkt die Zahl der Geburten. Diese Entwicklungen haben zur Folge, dass der Anteil der jungen Menschen sinkt und der Anteil der alten Menschen steigt.

So ist der Anteil der unter 20-jährigen Salzburgerinnen und Salzburger in den vergangenen 30 Jahren von 31,7 Prozent auf 21,8 Prozent gesunken, während der Anteil der 65-Jährigen und Älteren von 12,5 Prozent auf 16,4 Prozent gestiegen ist. Der Anteil der 85-Jährigen und Älteren hat sich in den vergangenen 30 Jahren mit einer Zunahme von 0,6 auf 2,0 Prozent sogar mehr als verdreifacht. Salzburg hat hier allerdings nach wie vor bessere Werte als Österreich: Am Anfang des Jahres 2010 betrug der Anteil der unter 20-Jährigen österreichweit nur mehr 20,8 Prozent. 

Zahl der Deutschen in Salzburg innerhalb seit 2008 verdoppelt

Zum Jahresbeginn 2010 lebten in Salzburg 66.481 Menschen mit ausländischer Staatsbürgerschaft; bezogen auf die Gesamtbevölkerung ergibt dies einen Anteil von 12,5 Prozent. Das ist – nach Wien und Vorarlberg – der dritthöchste Anteil im Bundesländervergleich (auf Österreichebene sind es 10,7 Prozent) und eine Folge des starken Zuzugs von außen der vergangenen Jahre. Beim Außenzuzug kam es jedoch zu Veränderungen: Während Anfang der neunziger Jahre hauptsächlich Menschen aus dem ehemaligen Jugoslawien oder aus der Türkei zu uns gekommen sind, kamen sie in den vergangenen Jahren vor allem aus den EU-Staaten und dabei insbesondere aus Deutschland. Die Ex-Jugoslawen bilden jedoch nach wie vor mit rund 27.500 Menschen die stärkste ausländische Nationalitätengruppe. An zweiter Stelle sind mit 14.500 die deutschen Mitbürger zu nennen, deren Zahl sich in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt hat.

Die verschiedenen Regionen des Landes weisen eine recht unterschiedliche Bevölkerungsdynamik auf. Die drei nördlich des Pass Lueg liegenden Bezirke Hallein, Salzburg-Umgebung und Salzburg-Stadt wuchsen in den vergangenen acht Jahren mit 4,7, 4,3 bzw. 2,7 Prozent überdurchschnittlich stark, während die südlichen Bezirke Pongau und Pinzgau mit 0,8 bzw. 0,3 Prozent nur unterdurchschnittlich zugelegt haben und der Lungau sogar 1,6 Prozent der Einwohner verloren hat. Grund dafür waren vor allem die Wanderungsströme, von denen die Bezirke in unterschiedlichem Ausmaß betroffen waren.

"Gewinner" war insbesondere die Stadt Salzburg, deren Bevölkerung in den vergangenen acht Jahren durch Wanderungen absolut und prozentuell stärker gewachsen ist als die der anderen Bezirke. Mit einem Ausländeranteil von 20,8 Prozent der Bevölkerung per 1. Jänner 2010 ist die Stadt Salzburg auch der Bezirk mit dem mit Abstand größten Ausländeranteil aller Bezirke.

Positive Geburtenbilanz in 101 Salzburger Gemeinden

Vom 1. Jänner 2002 bis zum 1. Jänner 2010 hat in 74 Salzburger Gemeinden die Einwohnerzahl zugenommen und dabei in 54 Gemeinden stärker als im Landesschnitt von 2,5 Prozent. Zwei Gemeinden hatten 2010 exakt den gleichen Einwohnerstand wie 2002 und in den restlichen 43 Gemeinden ging die Einwohnerzahl zurück.

In den vergangenen drei Jahren war die Geburtenbilanz in 101 Gemeinden positiv, d.h. es gab mehr Geborene als Sterbefälle. In weiteren zwei war die Bilanz ausgeglichen und in 16 Gemeinden gab es mehr Gestorbene als Geborene – und somit eine negative Geburtenbilanz. Lediglich 56 der 119 Gemeinden hatten in den vergangenen drei Jahren einen positiven Wanderungssaldo, wobei in neun dieser 56 Gemeinden der Überhang der Zuzüge über die Wegzüge zumindest ein Prozent pro Jahr betrug. In drei Gemeinden war die Wanderungsbilanz ausgeglichen, d.h. dass es in diesen drei Jahren genau so viele Zuzüge wie Wegzüge gegeben hat. In den verbleibenden 60 Gemeinden war die Wanderungsbilanz passiv, d.h. der Saldo war negativ.

In 20 Jahren in Salzburg mehr Gestorbene als Geborene

Auch in Zukunft wird die Bevölkerung Salzburgs wachsen, wenn auch in deutlich geringerem Ausmaß als in früheren Jahren. Für die nächsten 20 Jahre wird eine Zunahme um fünf Prozent und für die kommenden 40 Jahre um sieben Prozent erwartet. Damit ist das prognostizierte Wachstum der kommenden 40 Jahre de facto gleich groß wie in den neunziger Jahren, somit in einem Zeitraum von zehn Jahren.

Die Zahl der Geburten wird weiter, wenn auch nur mehr geringfügig, sinken, aber die Zahl der Gestorbenen wird kräftig ansteigen, sodass sich in weniger als 20 Jahren Salzburgs Geburtenbilanz ins Negative drehen wird, d.h. dass es mehr Gestorbene als Geborene geben wird.

Durch das Nachrücken der geburtenstarken Jahrgänge früherer Jahrzehnte ins Seniorenalter, gepaart mit einer stark gestiegenen und weiter stark steigenden Lebenserwartung, wird die Zahl der alten und sehr alten Menschen kräftig ansteigen. Die Zahl der "65+" wird in den nächsten 20 Jahren um mehr als 50 Prozent und bis zum Jahr 2050 um fast 90 Prozent anwachsen. Noch dramatischer – und in diesem Fall ist das Attribut gerechtfertigt – wird die Zunahme bei den Hochbetagten, d.h. den "85+", ausfallen. Deren Zahl wird sich in den nächsten 20 Jahren nahezu verdoppeln und wird in den nächsten 40 Jahren sogar um das 2,5-Fache ansteigen und sich somit mehr als verdreifachen.

Gleichzeitig ist von einem Rückgang der jungen Menschen, d.h. der unter 20-Jährigen auszugehen, und zwar um neun Prozent in den nächsten 20 und um zwölf Prozent in den nächsten 40 Jahren. Auch die Zahl der Menschen im Erwerbsalter, d.h. der 20- bis unter 65-Jährigen, wird kleiner werden – um voraussichtlich drei Prozent in den nächsten 20 und um prognostizierte acht Prozent in den nächsten 40 Jahren.

Dies hat zur Folge, dass der Anteil der "65+" an der Gesamtbevölkerung von derzeit 16,4 Prozent auf 24,1 Prozent im Jahr 2030 und auf 28,7 Prozent im Jahr 2050 ansteigen wird. Der Anteil der "65+" an den Erwerbsfähigen, d.h. den Menschen im Erwerbsalter, wird von derzeit 27 Prozent auf 42 Prozent bis zum Jahr 2030 anwachsen. Für das Jahr 2050 ist sodann von einem Anteil von mehr als 50 Prozent auszugehen, sodass dann nur mehr zwei Erwerbsfähige auf einen nicht mehr Erwerbsfähigen (65+) entfallen werden.