Üppig angelegt - mageres Ergebnis
„hot bikes – geile shows – mega party – coole shops“ diese Ankündigungen der Veranstalter waren grundsätzlich nicht übertrieben. Geboten wurde von allem etwas – mal mehr, mal weniger –, allein das Publikum strömte nicht in den erhofften Massen nach Bürmoos. Der Veranstalter spricht von Erfolg, die Aussteller und Wirte beklagen teils enorme Verluste. Unter anderem wurde der vergleichsweise hohe Eintrittspreis für die niedrigen Besucherzahlen verantwortlich gemacht.
Gästezahlen weit unter den erhofften 5000
Freitag Nachmittag tröpfelten die ersten Biker ins Festgelände, besser besucht war abends dann der Auftritt der KISS-Forever Band. 1500 Gäste wurden seitens des Veranstalters als Spitzenwert für den Samstag genannt. Der Festplatz füllte sich immerhin zur Hälfte, als Samstag abend unter anderem The Devil Ducks und abschließend Stahlzeit den „Festivalbezirk“ rockten. Die Rockabulls spielten Sonntag Vormittag – bei herrlichstem Badewetter – vor einem leeren Platz.
Sternfahrt als Biker-Highlight
Am meisten Beachtung fand über das Festgelände hinaus die als „Sternfahrt“ angekündigte Flachgau-Parade. Entgegen anders lautenden Angaben („mehr als 200 Biker“) starteten Samstag um 10:40 Uhr Vormittag gezählte 77 Motorräder in Bürmoos (>> zum SB Video!). Im Beiwagen eines ausstellenden Autohauses mit dabei war der Bürmooser Bürgermeister Peter Eder mit Söhnchen Max. Laut Veranstalter sprach die Polizei von insgesamt 128 Bikes, die an der Parade teilgenommen haben. In Seekirchen fand eine gemeinsame Anti-Atom-Aktion der Teilnehmer statt.
Hell´s Angels "inoffiziell" stark vertreten
Als Motorrad-Club am Bike and Rock Event offiziell teilgenommen hat nach Angaben des Veranstalters nur das Harley Davidson Chapter Salzburg, welches auch für Organisation und Betreuung der Sternfahrt verantwortlich zeichnete.
Die Hell´s Angels aus Oberösterreich – Salzburg ist ziemlich das einzige Bundesland ohne eigenen Club – waren zwar als einzige mit einem Nicht-Gastrostand am Festplatz vor der Bühne vertreten. Laut Veranstalter waren sie aber ausdrücklich nicht offiziell als Club, sondern rein privat zum Festival gekommen. Ein Mitglied der Angels meinte, der Veranstalter wollte damit wohl das freundschaftliche Verhältnis zu seinem Club herausstreichen.
Angesichts der für ein Mega-Event angelegten Infrastruktur war es schade, dass nicht auch andere Klubs für eine Teilnahme gewonnen werden konnten. Auch „klingende“ Namen oder besonders herausragende Bikes vermisste man etwas bei einem Fest dieser (potentiellen) Größenordnung.
Für manche ein zu ruhiger Event
Für die umliegenden Einsatzorganisationen lief der Event sehr ruhig ab. Die Polizei schätzte die nach außen teilweise so rau anmutende Klientel als sehr friedfertig und umgänglich ein, welcher Eindruck sich in persönlichen Gesprächen bewahrheitete.
„Für das erste Mal: Ein Erfolg!“, konstatierte Reinhold Übelhör, Pressesprecher des Veranstalters. Die zahlreichen Aussteller und Mieter von Gastro-Ständen sahen das freilich ein wenig anders.
Kaum Umsatz für die Aussteller
Ein Aussteller für Motorradbekleidung war mit drei Personen extra aus Berlin angereist – Umsatz in den drei Tagen nicht einmal € 100,-. Seinen Angaben zufolge zahle man in Berlin für ein größeres Event € 20,- für vier Tage, beim Harley-Treffen am Faaker See sei der Eintritt überhaupt gratis – die € 49,- für drei Tage hier in Bürmoos habe er nicht verstanden.
Auch die anderen Aussteller außerhalb des Festplatzes fuhren samt und sonders ein dickes Minus ein. Ebenso erging es allen Betreibern von Getränke- und Imbiss-Ständen, die nicht im unmittelbaren Einzugsbereich der Bühne angesiedelt waren.
Große Verluste für Gastronomen
Eine Fischgroßhandelsfirma mit Zweigstelle in Salzburg/Bergheim hatte extra den eigenen Betrieb in Wien für dieses Wochenende dicht gemacht und einen großen Imbissstand im Festzelt bezogen. „Uns wurden über 12.000 Besucher in Aussicht gestellt. Rückblickend beläuft sich allein der Verlust durch aufgetaute Waren beinahe auf die Höhe der Standmiete von € 4000,-.“, klagte die Chefin Sonntag Mittag über ihre größte Pleite seit langem.
Ein Erotik-Unternehmen aus Salzburg hat ein eigenes „Table-Dance-Zelt“ mit angeschlossenem Casino-Raum errichtet – der Zustrom dürfte sich auch hier in Grenzen gehalten haben. Die Bull-Riding Maschine (>>zum SB-Video!) im großen Festzelt – ein Eye-Catcher zu Beginn der Veranstaltung – wurde am zweiten Tag schon außer Betrieb genommen. Auch der eine oder andere Standler brach vorzeitig seine Zelte ab. So bot das menschenleere Festgelände Sonntag Vormittag einen leicht morbiden Anblick.
Erstes und letztes Mal?
Ob der Veranstalter Horst Myckan vom nahen Restaurant Bugatti, Chef der extra für diesen Event ins Leben gerufenen Veranstaltungsagentur DarkAngels, eine Neuauflage dieser Veranstaltung in Angriff nehmen wird, müsse in den kommenden Wochen gründlich zu überlegen sein, so Marketing-Chef und Pressesprecher von DarkAngels Reinhold Übelhör.
Bericht und Bilder: Thomas Haas
Bike and Rock Bürmoos - Bull-Riding am 15 7 2011 - SB-Video: Th Haas
http://www.youtube.com/watch?v=eENvCStUtHc
Bike and Rock Bürmoos - Start zur Sternfahrt am 16 7 2011 - SB-Video: Th Haas
http://www.youtube.com/watch?v=uf-x2eW2Y-E