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Gefahrenhinweiskarten sollen vor Naturgefahren warnen

Eine Gefahrenhinweiskarte für geogene Naturgefahren wird für den Landkreis Traunstein und das Berchtesgadener Land erstellt. Vergangenen Dienstag eröffnete Landrat Hermann Steinmaßl die Auftaktveranstaltung zu dem Projekt im Landratsamt Traunstein.

Herabfallende Steine, Felsstürze und Rutschungen sind natürliche Gefahren, mit denen sich Hauseigentümer in problematischen Regionen genauso beschäftigen müssen wie beispielsweise Städte und Gemeinden, die Baugebiete in solchen Gebieten ausweisen. Auslöser für die geogenen Naturgefahren sind häufig starke Niederschläge, Frost und Verwitterung. Das Bayerische Landesamt für Umwelt in Augsburg lässt nun Gefahrenhinweiskarten für die Landkreise Traunstein und Berchtesgadener Land erstellen, in denen die gefährdeten Regionen dargestellt werden.

Landrat Hermann Steinmaßl wies vor den anwesenden Bürgermeistern, Gemeinde- und Amtsvertretern darauf hin, dass man sich die Frage stellen müsse, welchen Gefahren man Menschen und Sachgüter aussetzen könne. Es würde im Bereich geogener Naturgefahren keinen hundertprozentigen Schutz geben. Dies wisse man gerade im Alpenbereich. „Für uns ist es wichtig, dass wir viel über die Situation wissen, und mit ihr umgehen können." Viele Menschen würden sich gerade auch beim Felssturz in Stein an der Traun immer noch die Frage stellen: „Hätten wir das vorher wissen können?“ (Anm der Red: Ursache für den Felssturz, bei dem vor gut einem Jahr Vater und Tochter einer vierköpfigen Familie im eigenen Haus zu Tode kamen, waren laut Gutachter Klüfte im Gestein, die sich über die Jahre hinweg ausdehnten, bis es schließlich zur Ablösung mehrerer Felsblöcke kam, die mit einem Gesamtgewicht von circa 1030 Tonnen das Einfamilienhaus völlig zerstörten. Mutter und Sohn konnten damals schwer verletzt geborgen werden.)

Peter Thom vom Geologischen Dienst des Bayerischen Landesamts für Umwelt (LfU) in Augsburg machte klar, dass er davon ausgehe, dass in Zukunft mit verstärkten geogenen Naturgefahren, wie Rutschungen, Erdfällen, Bergstürzen, Hangbrüchen und ähnlichen Gefahren zu rechnen sei, wobei er betonte, dass der indirekte Einfluss durch Klimaveränderungen auf die Naturgefahren bisher nicht messbar ist. Man müsse sich in den Gefahrengebieten mit aktiven Maßnahmen, wie beispielsweise dem Objektschutz beschäftigen, aber auch passive Maßnahmen überlegen, die darin bestehen könnten in solchen Regionen keine Baugebiete auszuweisen. Man müsse in einen „Risiko-Dialog“ eintreten: „Was ist ein akzeptables Restrisiko und was ist ein zu akzeptierendes Restrisiko“ sagte er. Auswirkungen aus den dargestellten Risiken in der Gefahrenhinweiskarte könnten Sperrungen, Sicherungsmaßnahmen aber auch Wertverluste bei den entsprechenden Grundstücken zur Folge haben. Gleichzeitig könnte sich bei entsprechenden Maßnahmen auch die Versicherbarkeit von Gebäuden erhöhen. „Alpine Naturgefahren lassen sich nicht vollständig vermeiden. Aber wir können sie mit Vorsorgemaßnahmen auf ein Minimum reduzieren“ sagte er.

Kartenerstellung in diesem Jahr


Simone Patula vom LfU legte die Vorgehensweise des LfU dar. Man werde den „gesamten Prozessraum“ darstellen, den beispielsweise ein Felssturz mit sich bringe. Gleichzeitig schränkte sie ein, dass die Ergebnisse und Hinweise in der zu erstellenden Gefahrenhinweiskarte keine parzellenscharfe Erhebung sei, sondern nur im Maßstab 1:10.000 erfolge. In Rosenheim und weiteren Landkreisen und Regionen im westbayerischen Alpenraum sei die Erstellung schon erfolgt, in diesem Jahr werde man die Landkreise Traunstein und Berchtesgadener Land bearbeiten und im Laufe des Jahres den Gemeinden einen entsprechenden Bericht vorstellen, in dem die Karten, die auf aufwendigen 3-D-Computersimulationen und auf Geländeaufnahmen basieren, gezeigt werden. Dieser sei von den Bürgern im Internet nachlesbar.

Vereinzelt werde man das Gelände vor Ort prüfen und betroffenen Eigentümern jederzeit Auskunft erteilen, ohne diese zuvor aktiv über die Ortstermine zu informieren. Die Gemeinden seien in ihren Planungen nicht eingeschränkt. Die Gefahrenhinweiskarten sollen den Behörden wie auch den Grundstückseigentümern aber konkrekt helfen, potentielle Gefahren aufzuzeigen und mögliche Schutzmaßnahmen zu eruieren.

Schweizer know-how brachte Dr. Bernhard Krummenacher von der Firma Geotest AG in Davos mit und schilderte die Erfahrungen der Schweiz im Umgang mit geogenen Naturgefahren. Dort arbeite man schon lange mit Gefahrenhinweiskarten und Gefahrenkarten, die nach der Ermittlung des Schadensrisikos für Menschen, Gebäude und die Infrastruktur zu konkreten Maßnahmen der Behörden führen. Wichtig sei ihm auch, die Bevölkerung für die Problematik der Naturgefahren zu sensibilisieren. Die Halbwertszeit der Erinnerungen an größere Schadensfälle dauert nach seinen Erfahrungen nur sieben Jahre: „Dann hat die Bevölkerung das vergessen.“

Landkreis Traunstein/Andreas Wittenzellner