Der Konsum von illegalen Drogen ist in Salzburg weitgehend stabil. Dieses Bild zeichnet den Drogenbericht des Landes, der heute, Montag, 25. Juli, bei einem Informationsgespräch von Sozial- und Gesundheitsreferentin Landesrätin Mag. Cornelia Schmidjell präsentiert wurde. Allerdings ist eine gewisse Trendumkehr zu beobachten: Während der Konsum von Cannabis, Kokain oder Opiaten im Vergleich zu den Vorjahren relativ unverändert bleibt, nimmt der Konsum von sogenannten Life-Style-Drogen wie aufputschenden Amphetaminen zu, auch in Form eines gefährlichen Mischkonsumes.
Im Jahr 2010 starben in Salzburg 15 Menschen an einer Überdosis, 80 Prozent davon auf Grund einer gefährlichen Mischintoxikation. 2009 waren in Salzburg 13 Drogentote zu beklagen. "Diese Tendenz ist sehr bedauerlich", betonte Schmidjell, "auch wenn Salzburg hier bei der Anzahl an Drogenopfern im österreichweiten Durchschnitt liegt, ist jeder Drogentote einer zuviel." "Daher dürfen wir nicht nachlassen und müssen in Salzburg weiterhin auf eine verantwortungsvolle Drogenpolitik setzen. Und es gilt die breite Palette an Einrichtungen der Suchtprävention und Drogenhilfe in Salzburg mit ihren Leistungsangeboten zu optimieren", so Schmidjell weiter.
Vor allem bedürfe es einer Ausdifferenzierung des bestehenden Systems und verstärkter begleitender Therapieformen, wie einer Tagesstrukturierung und Wohnbetreuung. Dadurch könnte der Erfolg der Behandlungen verbessert werden. "Zur Umsetzung könnten dabei verstärkt auch bereits bestehende Strukturen in der psychosozialen Versorgung genutzt werden", sagte Schmidjell. Ergänzend zur stationären Langzeittherapie, die großteils in anderen Bundesländern stattfindet, wäre es wirksamer, auf "qualifizierte Entzugsbehandlung" im eigenen Bundesland zu setzen, das heißt kürzere, dafür wiederholte Behandlungen, schlägt Schmidjell vor.
"Die zunehmende Bedeutung von so genannten "Life-Style-Drogen" wie Amphetaminen spiegelt die gesellschaftliche Entwicklung wider, nach der Menschen immer mehr und rascher Leistung erbringen und funktionieren müssen", betonte Dr. Franz Schabus-Eder vom Sozialmedizinischen Dienst des Landes. "Der Leistungsaspekt gilt aber nicht nur in der Arbeitswelt, sondern er wirkt sich auch auf das Freizeitverhalten aus und begünstigt unter anderem den Konsum dieser Art von Drogen."
Ein Ziel müsse es daher sein, in der Suchtprävention neben bereits bestehenden Programmen zur Stärkung der Lebenskompetenzen von Kindern und Jugendlichen (Beispiel "eigenständig werden" von Akzente) den Fokus auf Aufklärung über die Gefahren von Substanzen und einen kritischen Umgang mit psychoaktiv wirksamen Substanzen zu legen.
Gerade auch die Tendenz Jugendlicher und junger Erwachsener hin zum sorglosen Umgang mit so genannten "legal highs" (z.B. Kräutermischungen) bereitet Landesrätin Schmidjell große Sorgen, da schwerste gesundheitliche Schäden damit verbunden sein können, die bis zum Tod führen können. "Daher kann man nur ausdrücklich vor dem Konsum dieser Substanzen warnen", so Landesrätin Mag. Cornelia Schmidjell und Salzburgs Drogenkoordinator Dr. Franz Schabus-Eder unisono.
Ergebnisse Drogenbericht 2010
Seit 2002 präsentiert das Land Salzburg den jährlichen Drogenbericht, der auf einem umfassenden Datenmaterial basiert. "Der Drogenbericht des Landes spiegelt, trotz eines vorhandenen Graubereiches, ein weitaus realistischeres Bild als punktuelle Darstellungen, da sich dadurch Rückschlüsse auf Entwicklungen im Drogenbereich gewinnen lassen, wie zum Beispiel Veränderungen der Drogenpräferenzen, der Konsummuster oder der Konsumentengruppen", betonte Dr. Franz Schabus-Eder.
Anzeigen nach dem Suchtmittelgesetz: Cannabis an 1. Stelle
Insgesamt hat es im Jahr 2010 nach Erhebung des Bundesministeriums für Inneres in Salzburg 1.130 Anzeigen nach dem Suchtmittelgesetz gegeben. "Damit ist die Zahl der Gesamtanzeigen im Vergleich zum Vorjahr mit einer Steigerung um 1,9 Prozent im Wesentlichen gleichgeblieben", so Salzburgs Drogenkoordinator. Wie auch in den Jahren zuvor gab es die meisten Anzeigen aufgrund des Konsums von Cannabis (60 Prozent), jeweils etwa zehn Prozent der Gesamtanzeigen betrafen Amphetamine, Kokain und suchtgifthältige Medikamente. Anzeigen wegen Opiaten machten einen Anteil von drei Prozent aus.
"Aus einem langjährigen Vergleich lassen sich vor allem zwei Entwicklungen herauslesen", so Franz Schabus-Eder, "die Anzeigen wegen Ecstasy sind stark rückläufig, demgegenüber sind die Anzeigen wegen Amphetaminen angestiegen." Auch die Anzeigen wegen suchtgifthältiger Medikamente (das sind im Wesentlichen Substitutionsmittel) haben zugenommen.
Die Begutachtungsergebnisse der amtsärztlichen Untersuchungen zeigen gegenüber dem Vorjahr ebenfalls unveränderte Werte. Cannabiskonsum wird von 90 Prozent aller begutachteten Personen angegeben, gefolgt vom Konsum von Kokain (15 Prozent), Amphetaminen (14 Prozent) und von Opiaten (13 Prozent).
Der Probier- oder Gelegenheitskonsum ist weiterhin das dominierende Konsummuster. Die Konsumenten sind zu 89 Prozent männlich und zu 67 Prozent zwischen 16 und 19 Jahre alt.
Im Drogenkonsumverhalten gibt es durchaus weiterhin deutliche regionale Unterschiede. So ist der Anteil des Opiatkonsums in der Stadt Salzburg mit 24 Prozent weitaus am höchsten, in den Gebirgsregionen liegt er bei lediglich zwei Prozent. Dafür ist der Amphetaminkonsum in den Gebirgsregionen mit 21 Prozent doppelt so hoch wie in den anderen Regionen. Es ist davon auszugehen, dass der Tourismus dabei eine gewisse Rolle spielt.
Immer mehr Konsumenten nehmen Hilfsangebote in Anspruch
Die Zahl der Klient/innen und Patient/innen in Drogenhilfeeinrichtungen wie den Drogenberatungsstellen (Zell am See, St. Johann, Hallein und Stadt Salzburg), der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie II mit Drogenambulanz und Entzugsstation oder der Substitutionsstelle SUST hat sich im Vergleich zum Vorjahr um sieben Prozent erhöht. Die Zahl der Patient/innen, die von niedergelassenen Ärzten im Rahmen einer Substitutionsbehandlung betreut wurde, ist ebenfalls angestiegen: von 145 auf 197 Patient/innen.
"Es zeigt sich hier deutlich, dass immer mehr Drogenkonsument/innen die Hilfsangebote und Einrichtungen in Anspruch nehmen. Es ist also erfreulicherweise festzustellen, dass die Zahl von Personen, die im Betreuungssystem integriert sind, wieder zugenommen hat", so Landesrätin Schmidjell. Dies sei vor allem darauf zurückzuführen ist, dass die Angebote der medikamentengestützten Behandlung, besser bekannt unter der Bezeichnung Substitutionstherapie, weiterhin besser angenommen werden.
So ist auch innerhalb von fünf Jahren die Zahl der Substitutionspatient/innen um 46 Prozent angestiegen. Waren zum Stichtag 31.12.2005 noch 277 Patientinnen und Patienten in Behandlung, ist deren Zahl zum Stichtag 31.12.2010 auf 404 Patient/innen gestiegen.
Der Großteil der Substitutionspatient/innen ist über 30 Jahre und älter. "Der Trend, dass Substitutionspatienten älter werden, hält also weiterhin an", erklärte Schabus-Eder, "dies ist ein klarer Hinweis dafür, dass die medikamentengestützte Behandlung bei der Reduzierung von Erkrankungs- und Intoxikationsrisiken sehr erfolgreich ist."
Auch die Drogenberatungsstellen als primäre Anlaufstellen für Menschen mit Drogenproblemen wurden verstärkt in Anspruch genommen. Mit insgesamt 516 Klient/innen ist dieser Anteil im Vergleich zum Vorjahr um zwölf Prozent gestiegen. Diese Zunahme ist zum Großteil auf mehr Klienten in den Gebirgsregionen zurückzuführen, die im Zusammenhang mit diversionellen Maßnahmen ("Therapie statt Strafe" als Voraussetzung für den Rücktritt von der Strafverfolgung durch die Staatsanwaltschaft) zur Drogenberatung kommen.
Die Zahl der Patient/innen, die sich einer stationären Entwöhnungstherapie unterzogen, lag im Jahr 2010 mit 58 Patient/innen über dem Wert des Vorjahres mit 52 Patienten, im Verlauf der vergangenen fünf Jahre zeichnet sich eine leicht steigende Tendenz ab.
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass sich die Drogensituation im Land Salzburg im Jahr 2010 gegenüber den Vorjahren nicht gravierend verändert hat. Der vorwiegend jugendliche Neugier- bzw. Gelegenheitskonsums vor allem von Cannabis, der sich im Wesentlichen als vorübergehendes Phänomen einer relativ kurzen Lebensphase darstellt, ist seit vielen Jahren auf gleichem Niveau.
Es ist aber auch ein Trend festzustellen, dass eine breitere Palette an Substanzen konsumiert wird, die neben Cannabis auch ständig neu auftauchende Designerdrogen und so genannte "legal highs" umfassen und auch die erhöhte Bereitschaft zu einem unreflektierten und damit hochriskanten Mehrfachkonsum zu beobachten.
"In der Suchtprävention werden wir genau hier – vor allem in der Aufklärung über Substanzen und deren Wirkungen – mittel- und längerfristig unsere Schwerpunkte setzen", so Landesrätin Mag. Cornelia Schmidjell.
Salzburger Landeskorrespondenz / Titelbild-Montage: Thomas Haas