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Rückkehr zum menschlichen Maß – Leopold Kohr

 "Think global(ly), act local(ly) – dieses Prinzip, dem die Philosophie von Leopold Kohr folgt, ist nicht nur angesichts der dramatischen Ereignisse in Japan heute aktueller denn je. Klimawandel, Wirtschafts- und Finanzkrise, Umweltschutz, Tourismus – viele Bereiche führen uns im Positiven wie im Negativen vor Augen, dass globales Denken notwendig und lokales Handeln unverzichtbar sind" sagte Landeshauptmann-Stellvertreter Dr. Wilfried Haslauer heute, Freitag, 18. März, bei der Präsentation der TV-Dokumentation "Small is beautiful – Rückkehr zum menschlichen Maß – Leopold Kohr", die vergangenes Jahr unter anderem in Salzburg gedreht wurde.

Der Film porträtiert Leben und Wirken des Trägers des Alternativen Nobelpreises Leopold Kohr und wird in der ORF-Sendereihe "Menschen und Mächte" ausgestrahlt. Er wird auch auf 3sat sowie auf deutschen Fernsehsendern zu sehen sein – auch eine Übersetzung ins Englische soll in Auftrag gegeben werden. Mit finanzieller Unterstützung der Salzburger Filmförderung und eines Mitproduktionsbeitrags aus dem Budget der Kulturellen Sonderprojekte im Ressort von Landeshauptmann-Stellvertreter Haslauer drehte ein Filmteam der Ran-Film unter der Regie des steirischen Filmregisseurs Alfred Ninaus eine aufwändige Fernseh-Dokumentation über das weltweite Wirken des großen Salzburgers Leopold Kohr, der 1983 für sein gesamtwissenschaftliches Werk "Rückkehr zum menschlichem Maß" unter dem Schlagwort "Small is beautiful" mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet wurde.

Bereits zu Beginn seines Wirkens fand Leopold Kohr durch die früheren Salzburger Landeshauptmänner Dr. Hans Lechner und Dr. Wilfried Haslauer sen. besonders starke Unterstützer zur Verwirklichung seiner Ideen. "Das Filmteam folgte den Spuren dieses Weltbürgers, um dieser einzigartigen Salzburger Persönlichkeit mit einem umfassenden filmischen Porträt gerecht zu werden", betonte Landeshauptmann-Stellvertreter Haslauer.

Der etwa 45-minütige Film wurde unter der Regie von Fritz Kalteis und Alfred Ninaus gedreht, das Buch verfassten Dr. Eduard Gugenberger und Fritz Kalteis, an der wissenschaftlichen Beratung wirkten Dr. Eduard Gugenberger und Prof. Alfred Winter, Leiter der Kulturellen Sonderprojekte des Landes Salzburg mit.

Der Film zeichnet auf Originalschauplätzen mit Schauspielern den Lebensweg Leopold Kohrs nach: von seinem Geburtsort, der Stille-Nacht-Gemeinde Oberndorf bei Salzburg, über das Studium in Innsbruck weiter in die Welt nach Spanien, Amerika, in die Karibik, die keltische Welt und schließlich wieder zurück nach Österreich in die Region Hohe Tauern. Anhand von historischen Archivaufnahmen, Bildern und Schriften wird die Zeit, in der Kohr lebte, lebendig: Das zerrüttete und schließlich in die faschistische Diktatur abgleitende Österreich der 1930er Jahre, die Konfrontation mit dem American Way of Life, die Karriere als Wirtschaftsprofessor, die sich auflösenden Kolonialreiche in der Karibik, das regionalistisch erwachende Keltentum im walisischen Aberystwyth. Experten erörtern Kohrs Lehren, und auch seine Gegner kommen zu Wort.

Zwischen den biografischen Blöcken und thematisch von ihnen abgeleitet wird die Welt, wie Kohr sie ersehnte, gezeigt. Denn es gibt sie, die Lebendigkeit in der Kleinheit und Überschaubarkeit: von der Schuhmanufaktur im Waldviertel über das Entwicklungslabor für Elektroautos in der Schweiz und die kulturelle Selbstfindung der Waliser bis zum Nachhaltigkeits-Vorzeigedorf Steinbach an der Steyr und dem Kulturverein Tauriska in Neukirchen am Großvenediger.

Der inhaltliche Schwerpunkt liegt auf dem, was von Leopold Kohr und seinen Ideen blieb. Der Film zeigt, dass Kohrs Vorstellungen vom menschlichen Maß heute aktueller sind denn je. Dies wird anhand von Beispielen sichtbar. Den Rahmen dabei bildet das abenteuerliche Leben Leopold Kohrs. Ein erster Anknüpfungspunkt ist Anguilla, eine kleine Karibikinsel, die Anfang 2007 durch die Bawag-Affäre in die Schlagzeilen geriet. Vom British Empire heute als Nobelabsteige und Steuerparadies missbraucht, war sie in den 1960er Jahren ein erfolgreiches Modell für einen funktionierenden Kleinstaat. Der Vater des Modells war Leopold Kohr, der damals im Alter von 58 Jahren noch zum Revolutionär wurde.

Im Rückblick werden Leopold Kohrs Kindheit und Jugend in Salzburg und in Oberndorf betrachtet. Kohr gewann hier ein nachhaltiges Gefühl für das menschliche Maß – und vermaß es auch gleich räumlich: die Entfernung von Oberndorf nach Salzburg, 22 Kilometer, war für ihn der Radius seiner Welt. Scherzhaft wird dieses räumliche Maß menschlichen Glücks heute "ein Kohr" genannt. Aufgrund seines Widerstandes gegen die Nazis wäre Kohr beinahe der Gestapo ins Netz gegangen, floh aber rechtzeitig. Kohr sah die grundsätzliche Gefahr, die von übermächtigen politischen und wirtschaftlichen Konstrukten ausgeht. 1951 erschien sein Hauptwerk "The Breakdown of Nations".

Die tatsächliche Chance zur Umsetzung seiner Ideen – eine Art Revolution der Kleinheit – bot Anguilla. Die kleine Insel in der Karibik mit ihren 6.000 Einwohnern hatte sich vom britischen Kolonialreich losgesagt und probte die Unabhängigkeit. Das Mutterland und alle Experten sahen das Experiment zum Scheitern verurteilt. Doch dank Kohrs Anleitung erblühten eine autonome und autarke Wirtschaft und Gesellschaft. Bis die britischen Truppen der Bewegung den Garaus machte. Doch die Idee einer nicht auf großen Ideologien, sondern auf regionalen Ideen aufgebauten Gesellschaft bildete die Grundlage der in den folgenden Jahren erblühenden regionalistischen Bewegungen im westlichen Europa. Das Europa der Regionen ist lebendiger denn je.

Erst spät erlangte Kohr eine größere Breitenwirkung: Fritz Schumacher (gestorben 1977) machte 1973 mit seinem Buch "Small is Beautiful" Kohrs Ideen populär. 1983 erhielt Kohr den Alternativen Nobelpreis. In Salzburg gründete Kohr zur Umsetzung seiner Ideen den Kulturverein Tauriska. Heute halten Tauriska und vor allem die Leopold-Kohr-Akademie die Ideen von Leopold Kohr hoch und setzen sie praktisch um. Die Umsetzung von Kohrs Ideen in der Gegenwart bildet einen Schwerpunkt des Films. So etwa wird als Beispiel in Österreich das Nachhaltigkeitsdorf Steinbach und der Steinbacher Weg gezeigt.

Quellen: Salzburger Landeskorrespondenz, Bilddatenbank auf www.salzburg.gv.at