Weit mehr als 150.000 ehrenamtliche Stunden leisten die vielen Helferinnen und Helfer der Salzburger Pfadfinder jährlich in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. "Ohne dieses Engagement gäbe es den wichtigen Zusammenhalt in unserer Gesellschaft, in der jeder ein wachsames Auge auf den anderen haben sollte, nicht." Das betonte Landeshauptfrau Mag. Gabi Burgstaller Samstag, 2. Oktober, beim Herbstfest der Pfadfinder Salzburg. Bei dem Fest übergaben die Pfadfinder die von ihnen gesammelten Spenden für die Opfer der schweren Erdbeben in Haiti. Außerdem wurden die neuen Jugendleiter der Pfadfinder ernannt.
Anlässlich der Erdbeben-Katastrophe in Haiti hat die Welt-Pfadfinderbewegung zu einer Hilfsaktion, bei der jeder Pfadfinder einen Dollar spenden sollte, aufgerufen. Die Salzburger Pfadfinder beteiligten sich mit 2.000 Euro. Das Geld wurde als Soforthilfe zum Bau und Betrieb von Waisenhäusern verwendet. Als mittelfristige Aufbauhilfe führten die Pfadfindergruppen in Stadt und Land Salzburg verschiedene Aktionen durch. Der Gesamterlös von 10.000 Euro wurde beim Herbstfest an das Rote Kreuz übergeben. Damit können unter anderem zehn Häuser in Haiti errichtet werden.
Aus der Leistungsbilanz der Salzburger Pfadfinder über das abgelaufene Arbeitsjahr 2009/2010 geht hervor, dass im Durchschnitt jeder der 225 Leiter 762 Stunden mit Kindern und Jugendlichen arbeitete. Hochgerechnet ergibt das 171.450 Stunden ehrenamtliche Jugendarbeit. "Die Pfadfinder sind weltweit als Friedensstifter unterwegs und helfen dabei, unsere Welt besser, lebens- und liebenswerter zu machen. Sie helfen aus Überzeugung und zeigen mit der Hilfe für Haiti, dass es nur gemeinsam gelingen wird, Krisen zu meistern und wie wichtig es ist, füreinander da zu sein", so Landeshauptfrau Burgstaller weiter.
"Den Jugendleitern kommt bei den Pfadfindern eine besondere Aufgabe zu. Sie begleiten die jungen Menschen durch ihre Kindheit und geben ihnen Halt und wichtige Werte mit auf den Weg. Auf das, was man bei den Pfadfindern lernt, wird man ein Leben lang zurückgreifen", sagte Landeshauptfrau Burgstaller.
Die Pfadfinder sind mit 38 Millionen Mitgliedern in mehr als 200 Ländern die größte Kinder- und Jugendbewegung der Welt. Das erste experimentelle Pfadfinderlager wurde 1907 von Robert Baden-Powell, einem britischen General, auf der englischen Insel Brownsea Island durchgeführt. Baden-Powell entwickelte aus den Erfahrungen dieses Lagers die Prinzipien der Pfadfinderbewegung in seinem 1908 erschienenen Buch "Scouting for Boys", das bis heute ein wichtiges Grundlagenwerk für die Arbeit der Pfadfinder ist. In Österreich gibt es rund 85.000 Pfadfinder. Sie sind in rund 300 Gruppen, die sich auf alle neun Bundesländer verteilen, organisiert.
5.000 Pfadfinder in 20 Gruppen
In Salzburg gibt es derzeit etwa 5.000 Pfadfinder in 20 Gruppen. Die Salzburger Pfadfinder sind Mitglieder der Pfadfinder Österreichs und sind eine demokratische, parteipolitisch unabhängige Kinder- und Jugendbewegung, die Menschen aller Hautfarben und aller Religionsgemeinschaften offen steht. Sie treten für Umweltschutz ein, fördern partnerschaftliche Zusammenarbeit und erziehen zum Frieden.
Das Gesamtbudget der Pfadfinder Salzburg beträgt 780.000 Euro. 85 Prozent davon werden durch Aktionen und Beiträge der Eltern finanziert. Die restlichen 15 Prozent werden durch Subventionen abgedeckt, davon trägt das Land Salzburg 10,97 Prozent, die Stadt Salzburg 1,27 Prozent und die Gemeinden 3,44 Prozent.
Nachweislich entstand 1924 in Oberndorf, geleitet vom Volksschullehrer Hermann Rasp, die erste offizielle Gruppe des Landes. Nach dem Zweiten Weltkrieg lebte die Pfadfinderbewegung sofort wieder auf. In Salzburg in der Innenstadt, in Mülln, Maxglan, St. Andrä, Gnigl, Lehen und in Hallein wurden Gruppen gegründet oder wieder gegründet. Am 16. Oktober 1976 schlossen sich der Buben- und Mädchenverband zur PPÖ, den "Pfadfindern und Pfadfinderinnen Österreichs" zusammen. Im Oktober 1996 konnte nach neun Monaten Bauzeit das "Pfadfinderhaus" in der Fürstenallee eingeweiht werden.
Die Jugendleiterinnen und -leiter absolvieren eine vierstufige mehrjährige Ausbildung, die aus Seminaren, schriftlichen Arbeiten, aber vor allem aus Erfahrungsaustausch und Reflexion der Arbeit besteht. Die österreichischen Pfadfindergruppen und ihre ehrenamtlichen Jugendleiter und Mitarbeiter veranstalten jährlich rund 100.000 Heimabende, 10.000 Ausflüge, 9.000 Wochenend- und Pfingstlager, 600 Sommerlager mit insgesamt rund 15.000 Kindern und Jugendlichen sowie 200.000 Verpflegstage auf Sommerlagern.
Beitrag zum Tourismus
Im Pfadfinderdorf Zellhof am Grabensee im Flachgau verbrachten 2.000 Jugendliche aus ganz Europa mehr als 19.000 Nächte, 450 Jugendliche aus Österreich und Deutschland mehr als 4.000 Nächte im Lipplgut am Höllerersee im angrenzenden Oberösterreich. Im Jugend-Ausbildungszentrum "Katze" bei der Mittelstation der Festungsbahn verbrachten Jugendliche aus Österreich, Deutschland, Belgien und Holland mehr als 2.000 Nächte in der Stadt Salzburg. Insgesamt konnten die Pfadfinder mit mehr als 20.000 zusätzlichen Nächtigungen zum Tourismus in Salzburg beitragen.