"Die Mitglieder des Roten Kreuzes sind lebendige Vorbilder für eine heranwachsende junge Generation, von der manche sagen, dass ihr die positiven, Identifikation stiftenden Vorbilder zunehmend abhanden kommen." Das betonte die für den Katastrophenschutz ressortzuständige Landeshauptfrau Mag. Gabi Burgstaller am Sonntag, 20. Juni, beim Festakt anlässlich 100 Jahre Rot-Kreuz-Zug Oberndorf. Die Europäische Kommission hat das Jahr 2011 zum "Europäischen Jahr der Freiwilligenarbeit" erklärt.
Vor 100 Jahren wurde in Oberndorf auf Betreiben von Alois Huber, Alois Buchner und Korpsarzt Dr. Carl Hermann gemeinsam mit zehn weiteren Mitstreitern die erste Rettungsabteilung des Roten Kreuzes in Oberndorf eingerichtet. Bereits im ersten Jahr hatte man acht Einsätze mit den beiden vorhandenen Räderbahren an den Standorten Alt- und Neuoberndorf zu verzeichnen. Der Krankentransport ins St.-Johanns-Spital erfolgte über die Lokalbahn. Erst 1949 stand ein Sanitätskraftwagen zur Verfügung. Die Rettungszüge St. Georgen (1960) und in den Folgejahren Bürmoos und Lamprechthausen ergänzten die Rettungsversorgung des nördlichen Flachgaues. 1970 übersiedelte die Ortsstelle Oberndorf mitsamt Krankenwagen in das neu erbaute Krankenhaus. 1972 wurde der Bereich Flachgau-Nord neu organisiert und die vier genannten Züge zusammengelegt. 1983 erhielt der Rot-Kreuz-Zug Oberndorf mit inzwischen zwei Rettungsfahrzeugen in der neuen Feuerwehrzeugstätte eine neue Heimstätte. Der Rettungszug Oberndorf als Teil der Rot-Kreuz-Dienststelle Lamprechtshausen umfasst derzeit 19 Aktive, davon 16 Männer und drei Frauen. Großeinsätze gab es am 10. Juni 1977 nach einem Zusammenstoß zweier Züge auf der Lokalbahn mit 35 zum Teil schwer verletzten Personen und im Sommer 2002 beim Hochwassereinsatz, währenddem ein Notlager für etwa 100 Personen in der Hauptschule Oberndorf eingerichtet wurde.
Österreich in Europa Spitze bei freiwilligem Engagement
In Österreich stellen sich etwa 40 Prozent der Bevölkerung in irgendeiner Form freiwillig in den Dienst ihrer Mitbürgerinnen und Mitbürger, so Landeshauptfrau Burgstaller weiter. "Das ist ein europäischer Spitzenwert. Das Europäische Jahr der Freiwilligenarbeit ist ein Zeichen dafür, dass man erkannt hat, dass der soziale Zusammenhalt unserer Gemeinschaft ohne Freiwilligenarbeit nicht funktionieren kann – und in Zukunft umso weniger funktionieren würde, wenn es diese Bereitschaft zum uneigennützigen Dienst an den Mitbürgern nicht gäbe."
"In schwierigen Zeiten wie diesen ist es nötig, die Gewichte wieder etwas zurechtzurücken. Der Markt kann nicht alles, das wurde eindrucksvoll bewiesen. Und auch der Staat kann nicht alles. Die Instanz, die über die Generationen immer wieder bewiesen hat, dass auf sie – in guten und besonders auch schweren Zeiten – Verlass ist, ist die Bürgergesellschaft. Das sind die kleineren und größeren Gemeinschaften in unseren Dörfern und Städten, die eigentlichen Keimzellen unseres Landes, unserer Republik und des vereinten Europa. Dort sind der gesunde Hausverstand, das Wissen, das menschliche Gespür, die Bereitschaft zur praktischen Solidarität und die Kraft zum Zupacken zu finden, die immer wieder nötig sind, um kritische Situationen zu bestehen ", betonte Landeshauptfrau Burgstaller.
Es sei daher richtig, wenn die EU im kommenden Jahr in besonderer Weise Bewusstsein dafür schaffen wolle, dass nicht nur der Staat und nicht nur der Markt in ihren ureigenen Bereichen und vor allem innerhalb entsprechender Regeln unverändert wichtig seien, sondern vor allem auch die, die das alles in erster Linie zusammenhalten. "Das Land Salzburg wird diese Bemühungen auf EU-Ebene rund um die Freiwilligenarbeit im kommenden Jahr aktiv unterstützen", so Landeshauptfrau Burgstaller.
"In der Sozialforschung spricht man von Sozialkapital. Hinter diesem Begriff steckt eine wichtige Erkenntnis: Dass die permanent nötige Arbeit am inneren Zusammenhalt unserer Gesellschaft – und das ist in erster Linie die Freiwilligenarbeit – einen großen Wert hat. Diesen Wert kann man durchaus auch in Geld messen. Nehmen wir die – neben den etwa 400 hauptberuflichen und 200 Zivildienern – etwas mehr als 2.000 freiwilligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Salzburger Roten Kreuzes, multiplizieren das mit durchschnittlich 500 Einsatzstunden pro Jahr und multiplizieren wir dann nochmals mit dem Stundenlohn eines Facharbeiters. Wir kommen auf einen hohen, zweistelligen Millionenbetrag. Aber jenseits der Zahlen wissen wir, dass den eigentlichen Wert dieser Arbeit alles Geld der Welt nicht ersetzen kann", sagte Landeshauptfrau Burgstaller.
"Ob eine Gesellschaft wirklich reich ist, entscheidet also nicht alleine das jeweilige Bruttosozialprodukt, sondern nicht zuletzt auch der Wert all jener Arbeit, die entgeltlich und vor allem auch unentgeltlich und somit freiwillig geleistet wird", erklärte Landeshauptfrau Burgstaller. Der un-schätzbare Wert, den die Mitglieder des Rot-Kreuz-Rettungszuges Oberndorf mit ihrer Tätigkeit schaffen, bestehe in erster Linie im Dienst an der Gemeinschaft. Die Freiwilligen haben auch noch einen anderen Wert geschaffen, und dieser Wert heiße "Sinn", so Landeshauptfrau Burgstaller abschließend.