Soziale Kompetenz wird nicht nur in zunehmendem Maße als Schlüsselqualifikation für beruflichen Erfolg gesehen. Auch für die Gestaltung von Alltagssituationen wird sozialen Fähigkeiten immer mehr Aufmerksamkeit gewidmet. Die außerschulische Jugendarbeit trägt durch ihre vielfältigen Angebote zur Förderung von Sozialkompetenzen sowie durch Einschreiten in Gewaltsituationen zu einem guten Klima in Jugendeinrichtungen bei. Jugendreferentin Landesrätin Doraja Eberle und Akzente Salzburg präsentierten am Mittwoch, 13. Oktober, im Jugendzentrum Iglu in Salzburg gemeinsam mit dem Pädagogen und Selbstverteidigungstrainer Mag. Dr. Haris Bilajbegovic bei einem Informationsgespräch eine Workshopreihe für Jugendarbeiterinnen und -arbeiter und Jugendliche zur Gewaltprävention.
"Mir ist es wichtig, das Thema Gewalt als gesamtpolitische Aufgabe zu behandeln. Präventive Arbeit für Kinder und Jugendliche steht für mich an erster Stelle. Mit Dr. Haris Bilajbegovic haben wir einen authentischen Kenner der Probleme und Herausforderungen für Jugendliche gefunden. Er wird sich künftig im Bundesland Salzburg für Worksshops für Jugendliche und Jugendzentrumsleiter zur Verfügung stellen", sagte Landesrätin Eberle. "Die Lebensgeschichte von Haris Bilajbegovic zeigt, dass gerade dessen Migrationshintergrund Jugendlichen bei den heutigen Herausforderungen und Problemen hilfreich sein kann. Sein Lebenslauf ist sehr beeindruckend."
Haris Bilajbegovic ist 32 Jahre alt und hat es vom Maurer bis zum Doktor der Pädagogik und zum Filmregisseur geschafft. Sein Wissen gibt er vielfältig und lebensnah weiter. "Wer könnte besser geeignet sein, Jugendliche in ihrer sozialen Kompetenz zu stärken?", so Landesrätin Eberle.
Kinder und Jugendliche werden in der außerschulischen Jugendarbeit so gefördert und unterstützt, dass sie Selbstvertrauen in ihre Kompetenzen sowie Selbstreflexion erwerben. Sie sollen individuelle, gesellschaftliche und wirtschaftliche Veränderungen als Herausforderung und nicht als Bedrohung empfinden. Sie sollen sich für das demokratische Zusammenleben in einer multikulturellen und heterogenen Gesellschaft und die Entwicklung der Wirtschaft verantwortlich fühlen und diese Verantwortlichkeit auch aktiv wahrnehmen.
Das Thema "Gewaltprävention" wurde auch in der von Akzente Salzburg 2008 in Auftrag gegebenen Bezirksjugendstudie abgefragt: Die höchste Zustimmung gibt es für die Aussage: "Es gibt zu viele Konflikte/Gewalt zwischen In- und Ausländer/innen", gefolgt von der Forderung nach mehr Toleranz auf beiden Seiten. "Die Studienergebnisse fließen selbstverständlich in die tägliche Arbeit mit ein, und so sind wir daran gegangen, aus den Umfragewerten Bedürfnisse von Jugendlichen abzuleiten und mit Angeboten darauf zu reagieren. Und eines der Angebote sind jetzt die Workshops zur Gewaltprävention", erklärte Landesrätin Eberle.
Weder Opfer noch Täter werden
In Bilajbegovic‘ Trainings werden Themen wie Selbsteinschätzung, Selbstbewusstsein und Selbstbehauptung genauso angesprochen wie Gewaltentstehung, Vertretung eigener Interessen, Grenzen setzen und Kompetenzen zu Konfliktlösung. "Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an den Workshops – seien es jetzt Jugendarbeiter oder Jugendliche – lernen Strategien kennen, Konfliktsituationen erfolgreich zu bewältigen und ihr Leben gewaltfrei zu gestalten, damit sie weder Opfer noch Täter werden", erläuterte Haris Bilajbegovic seine Arbeit.
In den Workshops sollen Vertrauen in die eigenen Stärken aufgebaut sowie Teamfähigkeit, Fairness und Toleranz gefördert werden. Alternative Strategien zur Problemlösung sollen überlegt und Verständnis für andere geweckt werden. "Meine Herangehensweise an diese Kurse ist sehr durch meine persönliche Entwicklung geprägt. Ich habe einen Migrationshintergrund, bin gelernter Maurer, habe in Deutschland eine Stunt- und Schauspielschule besucht und Kommunikationswissenschaften und Pädagogik studiert. Außerdem bin ich Trainer für die Selbstverteidigungsmethode Wing Tsun und selbstständiger Filmemacher. Diese Vielfalt an Erfahrungen, zusammen mit meiner pädagogischen Arbeit, fließt in die Workshops mit ein", so Dr. Bilajbegovic.
Ein Schwerpunkt von Akzente Salzburg ist die inhaltliche und fachliche Begleitung von Jugendzentren. Die Gewaltpräventionsworkshops sollen für Jugendzentrumsleiter und Jugendliche im ganzen Bundesland Salzburg angeboten werden. Mit dem neuen Angebot werden Jugendzentrumsleiter in ihrer täglichen, mitunter auch schwierigen Arbeit unterstützt. Michael Leprich, Geschäftsführer von Akzente Salzburg dazu: "Jugendzentren, -vereine oder andere Jugendeinrichtungen, die Interesse an der Durchführung eines Workshops haben, können sich bei uns melden. Wir koordinieren die Anfragen und die Termine der Workshops." Geplant ist in jedem Bezirk mindestens ein Workshop für Mädchen und Burschen und drei bis vier Workshops für Jugendzentrumsleiter. "Wenn mehr Interesse besteht, werden wir mehrere Termine in der Stadt oder den Bezirken anbieten", so Geschäftsführer Leprich.
Anmeldung und weitere Informationen bei Akzente Salzburg (Waltraud Katzlinger), Glockengasse 4c, 5020 Salzburg, Telefon: 0662/849291-46 und unter w.katzlinger@akzente.net per E-Mail.