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Salzachbrücke

Lissabon - Stadt der sieben Hügel an der Tejo-Bucht

Meine Frau wollte mich überraschen und hat mir das Ziel unseres Kurzurlaubes nicht verraten. Dass wir im April anlässlich meines Geburtstages eine kurze Urlaubsreise in der Frühling unternehmen, habe ich schon gewusst. Allerdings hatte ich auf Mallorca getippt und schon selbstbewußt gelächelt, als das Flugzeug in Salzburg tatsächlich nach Palma de Mallorca abhob. Aber dort war nichts mit Koffer abholen, es war nur ein Zwischenstopp. So stand ich plötzlich vor dem nächsten Gate mit der Leuchtschrift am Bildschirm: Lissabon, Abflug 13.20 Uhr. Dabei hatte ich mich schon so auf Mallorca gefreut. Wohnen in einer Finca am Land, ein Auto mieten und die Küste erforschen, Wandern in den Bergen an der Nordküste, Paella in Artà genießen, in den Kneipen von Sóller versumpfen...
was soll ich jetzt fünf Tage in Lissabon, einer Großstadt mit einer halben Million Einwohner, 87 km2 groß?

Das Hotel im Stadtzentrum direkt neben dem Parque Eduardo VII war wirklich okay, das geräumige und saubere Zimmer bot einen herrlichen Ausblick über das Häusermeer bis zur Tejo-Mündung.
Lissabon liegt an einer Bucht am nördlichen Ufer der Flussmündung des Tejos im äußersten Südwesten Europas an der Atlantikküste. Der sich kurz vor seiner Mündung zu einem großen See ausbreitende Tejo verengt sich auf den letzten Kilometern bis zum Atlantik wieder. Dort zieht sich die Stadt am Ufer entlang. Ins Hinterland steigt sie stufenförmig an mehreren Hügeln empor, die höchste Erhebung im Stadtgebiet erreicht 226 Meter.
Die Stadt liegt auf einer in ost-westlicher Richtung verlaufenden tektonischen Verwerfung, der sogenannten Gloria-Blattverschiebung. Zwei weitere tektonische Besonderheiten, die Gorringe-Bank und die Marquês-de-Pombal-Verwerfung, liegen auf Höhe der portugiesischen Südküste. Immer wieder auftretende Erdbeben sind die Folge. Seit 2004 sind am Meeresboden Beobachtungspunkte angelegt, um künftige Erdbeben besser voraussagen zu können.
Doch darum machen wir uns in den folgenden Tagen keine Sorgen und beginnen noch am Abend des Ankunftstages, die nähere Umgebung zu erkunden.
Am nächsten Morgen erstehen wir eine Lisboa-Card, mit ihr können wir für unseren Aufenthalt alle öffentlichen Verkehrsmittel benutzen und haben freien bzw. begünstigten Zutritt zu zahlreichen Sehenswürdigkeiten und Museen. Meine Frau hatte sich natürlich im Vorhinein schon mit Stadtplan und Infos eingedeckt und führt uns zielsicher zu einem der Highlights der Stadt, der Baixa (sprich: Baischa), wo sich in einem regelmäßig angelegtem Rechteckmuster zahlreiche Geschäfte und Lokale befinden.

Über den berühmten Elevator – einem der Wahrzeichen der Stadt – erreicht man das Bairro Alto (Oberstadt). Dort geht es besonders nach Einbruch der Dunkelheit wirklich rund.
Mit den rustikalen Wägen der städtischen Tramway erkunden nicht nur wir die Stadt. Besonders die Linie 28, die durch die Hügeln der Innenstadt fährt, ist immer rammelvoll mit Touristen. Kein Wunder, führt sie auch wirklich zu den schönsten Aussichtspunkten und Sehenswürdigkeiten der Innenstadt.
Nach einer kompletten Runde mit dieser Bahn steigen wir im Stadtteil Alfama aus. Dies ist einer der ältesten und verwinkeltsten Teile der Stadt mit besonders vielen und auch sehr ausgezeichneten Restaurants. Knapp unterhalb des Castelo de São Jorge genießen wir den Tagesausklang im Restô do Chapitô, dem Lokal mit dem wahrscheinlich schönsten Blick auf Lissabon und Tejo bei Sonnenuntergang, bei herrlichem Essen und fantastischem Wein.
Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln samt U-Bahn und Zugsverbindung zu den nahegelegenen Ausflugszielen kommen wir rasch zurecht. So nutzen wir die mit unserer Lisboa-Card kostenlose Zugverbindung nach Sintra, das ca. 30 km entfernt liegt. Der Palácio Nacional da Pena gilt als das Neuschwanstein Portugals. Das sehr bunt gestaltete Schloß in eigenwilligem Baustil – seit 1995 Weltkulturerbe der UNESCO – beeindruckt besonders durch seine völlig intakte Innenausstattung. Jeder Raum ist in einem anderen Stil gehalten und mit unglaublichem Prunk und Aufwand ausgestattet.
Wir besuchen auch noch den Palácio Nacional de Sintra, der ebenfalls durch seine Innenausstattung beeindruckt.
Der Zug führt uns zurück – wir machen noch einen Halt im Badeort Cascais, der erwartungsgemäß voll dem Tourismus zum Opfer gefallen ist. Dennoch genießen wir in einem netten Terrassencafé ein gutes Abendessen, bevor uns der Zug wieder am Bahnhof Rossio im Zentrum Lissabons absetzt.

Der nächste Tag führt uns mit der U-Bahn zum Bahnhof Oriente, wo wir das Expo-Gelände mit dem Oceanário de Lisboa besuchen. Durch seine Lage hat Portugal eine lange Verbindung mit dem Meer. Nirgends ist dies offensichtlicher als im 1988 eröffneten  Aquarium, wo in einem 5.000 Kubikmeter großen Zentralbecken  hunderte Meerestiere aus der ganzen Welt leben, unter ihnen Haie, Rochen, Chimäre und Knochenfische. Die vier Nebenbecken sind jeweils unterschiedlich gestaltet – vom Korallenmeer bis zur Tiefsee findet der Besucher alles, was die Unterwasserwelt bietet.
Zurück in der Oberstadt sitzen wir bei einem Espresso im wohl ältesten und berühmtesten Café Lissabons, dem „A Brasileira“.  Am 19. November 1905 von Adriano Telles gegründet, war es immer ein beliebter Treffpunkt von Intellektuellen. Dort verkehrten unter anderem der portugiesische Dichter Fernando Pessoa und der Schriftsteller Aquilino Ribeiro. Seit 1988 steht vor dem Café eine Bronzestatue Pessoas, die für ein Erinnerungsfoto gerne als Sitzgelegenheit missbraucht wird.
Unser Baedeker-Reiseführer von Lissabon hat 240 Seiten, wie soll man das alles in nur fünf Tagen erkunden? Meine anfänglichen Bedenken, sich in einer Großstadt festzulaufen, sind gänzlich verflogen und wir diskutieren beim inzwischen zweiten Bier über die Ausflüge der restlichen zwei Tage.
Bei Deus – da brauchen wir ja noch mindestens drei Wochen hier...
 
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