. .
Salzachbrücke

Sonne, Strand und … Gletscher – Neuseeland

Frankfurt, Flughafen. Mit Nackenkissen und Schlafmaske bestückt sitze ich im Jumbo-Jet zusammengepfercht in der „Sardinen-Klasse“, wohl wissend, dass mir 24 Stunden reine Flugzeit bevorsteht. Nachdem der Flieger enteist wurde (es ist Anfang Februar) geht’s los. Über Singapur und Melbourne erreiche ich endlich nach zwei Tagen Christchurch, die größte Stadt der Südinsel (390.000 Einwohner).
Die Architektur präsentiert sich abwechslungsreich mal englisch, mal gotisch, mal im Kolonialstil. Diese verschiedenen Bau­-stile sowie die Vielfalt der Natur verleihen der Stadt eine ganz spezielle Atmosphäre.
Nach einer erholsamen Nacht in einen sehr gastfreundlichen Bed & Breakfast, kann endlich mit der dreiwöchigen Erkundung des Landes begonnen werden. Mit dem Mietauto geht’s bei Linksverkehr und sommerlichen Temperaturen vorbei an den für Neuseeland typischen sattgrünen Landschaften mit massenhaft weidenden Schafherden Richtung Landesinnere. Der MountCook-Nationalpark mit seiner beeindruckenden Bergkulisse lädt zum Wandern, Fischen oder auch zu einem Hubschrauberrundflug ein. Neuseeland hat übrigens weltweit die höchste Hubschrauberdichte der Bevölkerung pro Kopf!
Ein Highlight für jeden Reisenden ist sicherlich eine Schiffsrundfahrt im Milford Sound.

UNESCO-Weltkulturerbe
Begleitet von Delphinen geht’s mit dem Schiff hinaus auf das bläulich schimmernde Meer der Tasmanischen See, vorbei an zahlreichen Wasserfällen und den bis zu 1.200 m hohen Steilwänden. Der Mitre Peak ragt 1.694 m mächtig aus dem Ozean empor und bietet ein dramatisches Landschaftsbild in diesem einzigartigen Fjord. Kein Wunder, dass es sogar ins UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen wurde.
Dann geht’s in die selbst ernannte „Welt-Hauptstadt des Abenteuer-Tourismus“ nach Queenstown weiter. Ob Jetboating (rasantes Fahren in einem Motorboot durch den Shotover Canyon), Rafting, Paragleiten, Bungee-Jumping, so ziemlich alle verrückten Sachen sind dort möglich. In einer der vielen Touristeninformationszentren buche ich einen Tandem-Gleitschirmflug. Vom Rande eines Berges zu laufen fällt den meisten Menschen wohl nicht leicht, aber sobald die Füße von der Erde abheben und man wie ein Adler über den Südalpen schwebt, möchte man, dass es nie zu Ende geht.
Übrigens wurde ein Teil der „Herr der Ringe“-Trilogie in den Bergen nahe Queens­town gedreht.

Einzigartige Kontraste
Die Südinsel bietet die Möglichkeit, sehr bequem in kurzer Zeit gleich zwei Gletscher zu bewundern. Der Fox-Gletscher und den nur 20 km entfernten Franz-Josef-Gletscher. Letzterer wurde vom deutschen Entdecker Julius von Haast nach dem österreichischen Kaiser Franz Josef I. benannt. Das Weiß der Gletscher inmitten des subtropischen Grüns des Dschungels, bietet einzigartige Landschaftskontraste. Ein Naturkontrast, wie er wohl kein zweites Mal auf Erden zu finden ist.
Ob eine Wahlbeobachtungstour in Kaikoura oder Kajak-Paddeln neben Seehunden im karibisch anmutenden Abel-Tasman-Natio­nalpark, die Südinsel des Inselstaates lässt keinen Urlaubswunsch offen.
Nach eineinhalb Wochen auf „South-Island“ geht’s mit der Fähre auf die Nordinsel nach Wellington, der Hauptstadt Neuseelands.
Die zwischen Naturhafen und grünen Hügellandschaften eingebettete überschaubare Metropole (450.000 Einwohner) lädt mit vielen Geschäften und einer schönen Fußgängerzone zum Shopping ein.
Ein Muss für jeden Besucher ist die „Cable-Car“, eine rote Schräg-Seilbahn, die auf den 160 m hohen Kelburn Hill führt. Von dort oben hat man einen herrlichen Ausblick und ein wunderschöner botanischer Garten, der z.B. mit über 100 verschiedenen Rosenarten aufwartet, befindet sich ebenfalls dort.
Der Tongario Nationalpark ist mein nächstes Ziel. Die dortige Vulkanlandschaft nutze ich für eine außergewöhnliche Wanderung. Der „Tongario Alpine Crossing“ ist eine Ganztagswanderung vorbei an dampfenden Erdlöchern, heißen Quellen und türkisen Kraterseen.
Außerdem hat man die nicht alltägliche Möglichkeit, einen Vulkan –  den Mount Ngauruhoe (2.287 m) – zu besteigen, der zuletzt im Jahr 1975 aktiv war. Trotz geschätzter 700 Wanderer (es ist Samstag und Hauptsaison) ein unvergessliches Erlebnis, das nicht umsonst in vielen Outdoor-Magazinen unter den Top 10 der schönsten Eintagestouren weltweit geführt wird.
Nach so viel sportlicher Tätigkeit ist Ausspannen angesagt und da bietet sich Hot Water Beach auf der Coromandel-Halbinsel hervorragend an.
Dort leiht man sich am Strandcafe einen Spaten aus und buddelt sich seinen eigenen Thermalpool, vorausgesetzt es ist zwei Stunden vor bzw. nach der Ebbe. Der Pool füllt sich langsam mit dem heißen, mineralhaltigen Wasser der unterirdischen Quellen und so entspannt man in seinem eigenen „Spa-Whirlpool“. Wenn das Wasser zu heiß ist, lässt man einfach ein wenig Wasser aus dem Pazifik in den Pool und erreicht so die gewünschte Temperatur. Wer von Thermalquellen nicht genug bekommen kann, ist sicherlich in Rotorua bestens aufgehoben.
Das Kulturzentrum der Maori, den Ureinwohnern Neuseelands, wartet mit seiner umliegenden Thermalregion mit kochenden Schlammtümpeln, spuckenden Geysiren und grellen, fluoreszierenden, gefärbten Schwefelseen auf. Im Kurort besucht man am besten im Maorivillage (eine Art Freilichtmuseum) eine Vorführung des Urvolkes mit ihren typischen Bemalungen am Körper und ihren traditionellen Gewändern. Eine einzigartige Schnitz- und Kunstakademie ist dort ebenfalls zu bewundern.
Ein Höhepunkt ist es, bei einem traditionellen Hangi-Festmahl teilzunehmen. Dabei wird das Essen unter der Erde im Erdboden gekocht.

Stadt der Segel
Die letzte Station des Urlaubs ist die Großstadt Auckland. Ein Drittel der Landesbevölkerung (1,3 Millionen) lebt an der riesigen geschützten Meeresbucht, die mit zahlreichen Segelbooten am Hafen das Stadtbild prägt und ihr dadurch den Beinamen „Stadt der Segel“ einbrachte.
Die Hauptsehenswürdigkeit der Metropole ist sicherlich der 328 m hohe Sky-Tower. Entweder man hüpft um umgerechnet ca. 120 Euro per Bungeesprung vom höchsten Gebäude der südlichen Hemis-phäre oder erfreut sich mit einem sehr mulmigen Gefühl auf dem nur 3,8 cm dicken Glas-Boden der Aussichtsplattform über den 186- m-Blick nach unten.
Nach so vielen grandiosen Eindrücken und viel zu schnell vergangenen Urlaubstagen (davon über 3.000 zurückgelegten Kilometern) stehe ich vor der Sicherheitskontrolle am Auckland Airport auf den Heimflug wartend mit dem Nackenkissen in der Hand…

Christoph Pipperger

 
Werbung