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Salzachbrücke

Non scholae, sed vitae discimus*

Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir. Ach ja? Aber was suchen in unseren Schulen Unterrichtsfächer, die „nix bringen“? Musische Fächer? Kunsterziehung, Musik? Oder gar alte Sprachen?

Sylvia Nachtmann

Latein – so eine Schinderei für die Jugend, diese Qual, eine tote Sprache zu lernen, völlig unnütz, Latein gehört verschrottet! Bringt nix!
Dennoch boomt der Lateinunterricht in Deutschland. In Österreich ist Latein nach Englisch die beliebteste Fremdsprache. Also muss doch etwas dran sein, am Latein-Büffeln. Andrea Wirnsberger von der Schülerhilfe Oberndorf sieht es pragmatisch: „Man braucht Latein für gewisse Studienrichtungen und es ist eine gute Grundlage für den Erwerb von Fremdsprachen.“

Denkschule und Trainingsprogramm
Befürworter haben eine lange Liste von Pro-Argumenten bereit, die darüber noch hinausgehen.
Sich durch den grammatikalischen Aufbau von Latein zu beißen, verlangt Ausdauer, Disziplin, Lernbereitschaft. Beim Übersetzen alter Texte wird ein komplexer Prozess des Fixierens, Prüfens und Korrigierens der eigenen Hypothesen durchlaufen – geistiges Trainingsprogramm, Denkschule im weitesten Sinn.
Latein mit seiner Klarheit und Logik verlangt Genauigkeit und lässt den Schüler Denknüsse knacken, was nicht nur sprachlichen, sondern auch naturwissenschaftlichen Fächern zum Vorteil gereicht.
Man beginnt Systeme zu durchschauen und entwickelt einen analytischen Blick für Sprache generell, das kommt auch der eigenen Muttersprache zugute. Ja, Latein-Aficionados kommen gerne ins Schwärmen.

„Jede Minute Lateinunterricht ist wertvoll“
Prof. Dr. Karlheinz Töchterle, Altphilologe, Uni-Professor und ehemaliger Unterrichtsminister, brach neulich bei einem Vortrag in Salzburg eine Lanze für den Unterricht von alten Sprachen: „Es ist nachgewiesen, dass jede Minute Lateinunterricht wertvoll ist.“ Deshalb wurde in Tirol ein wissenschaftlich begleiteter Versuch gestartet, in dem Latein an Hauptschulen gebracht wurde.
Laut Töchterle müsse man mit Latein nicht so weit kommen, dass man Cäsar oder Cicero oder Vergil übersetzen kann. Obwohl alte Texte manch aktuelle Weisheit vermitteln, etwa Cicero über die Pflichten eines Spitzenpolitikers oder Sallust über Reichtum und Tüchtigkeit.
Um Latein macht sich Töchterle keine Sorgen. Allein in Wien studieren zur Zeit 400 Lehramtsanwärter Latein. In Graz, Innsbruck und Salzburg kommen jeweils rund 200 hinzu.

Alte Kulturen und Sprachen bilden Brücken
Für Altgriechisch sieht es nicht so gut aus. Doch auch hier will man verstärkt „Werbung“ machen. Wie schrieb anno Schnee meine Lateinlehrerin so treffend über die „Großartigkeit der griechischen Kultur, die ja schon für die Römer richtungsweisend war“, und sie nannte die „Vielfalt, Kraft und Genialität des griechischen Weltbildes“, das nicht nur Mythologie und Philosophie, sondern auch Kunst und Denkweisen bis in unsere Tage prägt.
Alte Kulturen und Sprachen bilden Brücken innerhalb des „alten Kontinents Europa“ und eröffnen Zusammenhänge zwischen Mythos und Christentum, Geschichte und Politik, Literatur und Theater und Fremdwortschatz – bis heute.

Lernen als spannende Entdeckungsreise
Unter guter Anleitung „mitreißender“ Lehrer kann Lernen zu einer Entdeckungsreise und Bildung zum faszinierenden Erlebnis werden! So lassen sich Latein und auch die „Orchideenblüte“ Altgriechisch, unabhängig von der notwendigen Lernherausforderung, als persönlicher Gewinn und weniger als Zeitverschwendung betrachten.
 
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