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Salzachbrücke

Es ist nie zu spät, anzufangen!

Seit Herr A. (82) einen Rollator als Gehhilfe verwendet, hat sich sein Gangbild verschlechtert und er hat Sorge zu stürzen. Sein Vorsatz ist es, seine Mobilität wieder zu verbessern. Frau B. (86) macht sich dagegen keine guten Vorsätze mehr, sagt sie, sie sei ja schon alt, das bringe nichts mehr. Frau R., gleich alt, wiederum hat sich mit diesem Jahr zum Ziel gesetzt, ihr Gewicht etwas zu reduzieren.

Alles auf Anfang
Und jedem neuen Jahr wohnt ein Zauber inne, könnte man sagen. Dieser Zauber in Bezug auf gute Vorsätze klingt bekanntlich schnell ab. Naja, dieses Jahr ist ja mittlerweile nicht mehr das Neueste, sind wir doch schon im zweiten Monat. Und gute Vorsätze schaffen es bekanntlich oft nicht einmal durch den Jänner, wenn man nicht schon von vornherein den Einstieg verpasst hat. Wie sieht’s denn mit Ihren guten Vorsätzen aus? Ah, Sie hatten noch keine Zeit, Sie anzugehen. Die Umstände waren es, die Sie noch abhielten. Sie werden noch ... Aber sind wir uns ehrlich, das kennen wir doch alle.
Oder hatten Sie sich für das neue Jahr gar nichts vorgenommen, was aber eher unwahrscheinlich ist, denn so gut wie fast jeder plant zum Jahreswechsel irgendeinen guten Vorsatz. Von eher schwammigen Vorhaben bis hin zu exakten Maßnahmen gibt es alle Variationen.
Mit spätestens Ende Jänner sind, so scheint’s, zwei Drittel der Pläne schon wieder ad acta gelegt. Also nix mit sich mehr bewegen und endlich etwas für’s Gedächtnis tun oder das Gewicht reduzieren. Weiter tun, wie bisher. Später einfach.

Vorsätze sind wichtig
Also könnte man fast meinen, es mache keinen Sinn, Vorsätze zu planen und im Alter schon gar nicht, wenn sie ohnehin nicht eingehalten werden oder zum Scheitern verurteilt sind.
Vorsätze sind dennoch sinnvoll, auch für Senioren. Sie blicken damit in die Zukunft, sie planen sie, wollen sie besser nützen. Ganz wesentlich ist, dass Senioren ihre Gegenwart, ihre Zukunft damit aktiv gestalten.
Zumeist steht ein Veränderungswunsch, manchmal auch ein Veränderungsdruck dahinter. Es braucht also einen guten Grund, damit wir in die Gänge kommen und bereit sind, gute Vorsätze zu planen und davon konkrete Ziele abzuleiten.

Fordern, nicht überfordern
Sollten Sie also etwas ändern wollen, geht es darum, sich nicht zu viel auf einmal vorzunehmen. Denn nicht zu unterschätzen sind der ganz normale Alltag und die Tagesabläufe und Rituale Älterer. Wie abnehmen, wenn man etwa im Seniorenheim lebt und die einzelnen Mahlzeiten oft ganz automatisch gereicht bekommt? Wie sein Gedächtnis auf Trab halten, wenn im Heim kein professionelles Gedächtnistraining angeboten wird? Wie neue Kontakte knüpfen, wenn man über die vielen Jahre des Alleinlebens scheu geworden ist? Es gehört also alles gut durchdacht, sonst verliert sich der gute Vorsatz schnell in einer Überforderung. Nicht zuletzt ist unsere Selbstdisziplin enorm gefordert.

Konkrete Ziele setzen
Ziele verändern sich mit den Jahren. Plant man vielleicht als junger Mensch weitreichende Lebensveränderungen, mögen es mit zunehmenden Jahren vielleicht bescheidenere Ziele sein. Ältere haben alleine schon durch ihr langes Leben mehr Erfahrung, sich Ziele zu setzen. Ebenso haben sie bestimmt mehr Wissen darüber, wie es ist zu scheitern und sich wiederum als Konsequenz erreichbare Ziele zu stecken und damit auch flexibel zu sein.
Wichtig ist es, sich den Vorsatz in machbare Schritte einzuteilen. Herr A. geht nun nach ärztlicher Beratung vorerst immer montags zur Physiotherapie. Sein wichtigstes Ziel ist es, seine Beweglichkeit zu verbessern und damit seine Autonomie zu erhalten. So wird er auch zur donnerstäglichen Sitzgymnastik im Heim gehen, d. h., je konkreter die einzelnen Maßnahmen festgelegt sind, desto besser ist es. Damit wird die Herausforderung nicht zur Überforderung, die man entweder nicht anpackt oder nur vorübergehend durchhält – schlechtes Gewissen inklusive. Dadurch ermöglicht man Erfolgserlebnisse, die wiederum anspornen weiterzumachen.
Ebenso helfen Verbündete. Sie motivieren und sie ermutigen. Man kann sich aber auch einen Mitstreiter suchen. Frau R. hat etwa ihre Nachspeise bis Juni gestrichen und geht mit einer Freundin an drei fixen Tagen in der Woche spazieren. Gemeinsam fällt es oft leichter.
Manchmal mag es auch reichen, dass man einfach daran erinnert wird, es zu tun, es anzupacken. Vielleicht mögen da ein Anruf und ein paar mitfühlende und motivierende Worte helfen. Aber seien Sie nicht zu streng mit sich, es braucht Zeit. Rund 100 Tage benötigt es, bis sich das Neue stabilisiert hat.
Zwischenzeitliche Belohnungen helfen ebenfalls, wenn man wieder eine Etappe erreicht hat. Aber selbst, wenn man einmal scheitert, ist es kein Beinbruch, wichtig ist, nicht aufzugeben und weiterzumachen.

Und jedem neuen Tag wohnt ein Zauber inne
Braucht es denn nun aber für gute Vorsätze wirklich ein neues Jahr? Mit Sicherheit nicht. Ein neues Jahr mag vielleicht den Kick dazu geben, ein Vorhaben anzugehen, verbinden wir doch mit einem neuen Jahr, den Abschluss von etwas Vergangenem und eröffnen etwas Neues, das mit Hoffnung verbunden ist. Es geht also nicht nur mit einem neuen Jahr, auch nicht nur mit dem Montagsbeginn oder Wochenbeginn. Es geht mit jedem neuen Tag und es geht um jeden neuen Tag, denn wir besser verleben.
 
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