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Salzachbrücke

Das Märchen von der sauren Leber

von Mag. Thomas Haas

Es war einmal ein erfolgreicher Mensch. So einer von der Sorte: „Der hat’s geschafft!“ Und tatsächlich konnte das äußere Erscheinungsbild dieses Menschen schillernder nicht sein: Beruflich trittsicher am letzten Grat zum Gipfel; Vorzeige-Familie in der dritten Ehe mit Freundin und zwei hochbegabten Kids der Generation Ecstasy; mondäner Schwarzbau im Grünland mit Badeteich – man hat schließlich Freunde; in Beiräten und Vorständen ebenso häufig vertreten wie auf den Gästelisten der Seitenblicke-Gesellschaft.
All das hatte sich der Mensch hart erarbeitet, schon im Studium zwischen Burenwurst und Heurigem wichtige Kontakte geknüpft; am Ellbogensteig nach oben jede Menge Verpflichtungen bei abendlichen Überstunden, Kegel- und Kartenrunden sowie feuchtfröhlichen Exzessen im Nachtleben. Die Flasche Mineralwasser neben Smartphone und Tablet am Nachttisch sollte bis zum Morgen für einen erträglichen Blutalkoholspiegel sorgen. Der latenten Müdigkeit war er mit üppigem Konsum von Kaffee, Cola und Energydrinks zu Leibe gerückt.
Wenig Bewegung und viele fleischlastige Geschäftsessen, hastig eingeworfenes Fastfood sowie Naschereien zwischendurch verabschiedeten schon beizeiten die Taille auf Nimmerwiedersehen. Die Pillen, Tropfen und Schmerzmittel gegen Migräne und andere Leiden wurden immer mehr – morgens ohne eine Kanne Kaffee kaum zu ertragen, hätte er nicht davor auch mit ein paar kräftigen Filterlosen sein Inneres ordentlich durchgeputzt! Seinen Reflux hatte der Mensch ja schon lange im Säureblocker-Griff. Der Druck aus der Chefetage, die Missgunst verdrängter Kollegen, die Untreue der Ehefrau und die Ansprüche seiner Freundinnen setzten ihm gehörig zu. Doch jahrelange Schlafstörungen, Gelenksbeschwerden und Muskelkrämpfe konnten dem Menschen nichts anhaben. Er sah sich immer mehr in der Rolle des trotzigen Ritters im Kampf gegen den Aufstand im eigenen Körper, den er ebenso gnadenlos gewinnen würde, wie gegen alle anderen Widerstände, die ihm schon bisher den Weg zum Erfolg verstellen wollten.
Und wirklich: Nichts schien den Menschen aufhalten zu können. Der große Durchbruch an die Spitze stand bevor, und dann würde er auch mehr Zeit und Muße haben, seinen geschundenen Körper zu verwöhnen. Der aber hatte über die Jahrzehnte aufgerüstet – und das alles andere als heimlich: Regelmäßiges Sodbrennen war vielleicht nicht mehr als eine diplomatische Note. Mit den ausgewachsenen Magengeschwüren aber schlug der Körper eine ziemlich deutliche Tonart an. Als der Mensch seine Antibiotika aber schließlich sogar mit Whiskey hinunterspülte, wurde es seiner Leber und den anderen Innereien endgültig zu viel.
„Jetzt gibt es Saures!“, beschlossen sie und schafften in konzertierter Aktion jahrelang gesammelten Gries auskristallisierter Säuren zur Niere. Dort wurde er gepresst, mit molekularem Superverbinder untrennbar zu einem immer größeren Brocken verschweißt und am Ausgang zum Harnleiter in einer Nische der Nierenrinde abgelegt. So verfuhr die organische Racheschwadron im Bauche des Menschen unermüdlich weiter, Brocken für Brocken, die wiederum miteinander verbunden wurden. Dabei achtete man peinlichst darauf, den Ausgang zum Harnleiter bis zuletzt offen zu halten. Durch den emsigen Abbau der zahlreichen Säure- und Schlackenlager, ließen sogar manche Beschwerden des Menschen vorübergehend nach.
Solcherart hoffnungsfroh und zufrieden ließ sich der Mensch am Tag vor seiner großen Ernennung mit ungefähr zwei Litern Champagner und reichlich Kaviar in den Eingeweiden ins Bett fallen. Sofort hatte sich ein bleischwerer Schlaf seiner bemächtigt. Mit der frischen Munition aus Alkohol, Kohlensäure und Eiweiß wurde inzwischen der Schlussstein gemauert, der den Durchgang zur Harnröhre verschloss. Das unförmige Gebilde mit scharfen Kanten und Spitzen in alle Richtungen lag nun lauernd vor dem Nierenausgang, bereit, sich beim nächsten Druck auf die Harnröhre in die empfindlichen Gewebewände zu verkeilen und kein Nervenende zu verschonen.
Der Mensch träumte derweilen von seiner eigenen Krönungsmesse; doch als er sich bei der Kommunion nach hinten neigte um den Kelch zu leeren, wurde er einer riesigen Dornenkrone gewahr: Aus Sägeblättern gewunden und mit Nadeln, Glasscherben, Messern und Rasierklingen gespickt, raste sie aus großer Höhe mit unbeschreiblicher Wucht auf sein unbehaartes Haupt herab. In diesem Moment erwachte der Mensch eines aufkommenden Wasserdranges wegen mit einem gellenden Schmerzensschrei…

Übersäuerung – Pro & Contra
Falsche Ernährung, übermäßiger Konsum von Genussmitteln, Alkohol oder Medikamenten, Umweltgifte, Elektrosmog und negativer Stress, zu wenig Schlaf und Bewegung, Krankheiten und Übergewicht – all dies trägt zur Übersäuerung des Körpers bei und ist die Ursache vieler Krankheitsbilder.
Mit Gemüse und Rohkost, Kräutern, dunklen Blattsalaten, Trockenfrüchten, reinem Wasser, Butter und kalt gepressten Ölen kann man die Basenbildung im Körper gezielt fördern. Bewegung an der frischen Luft und reichlich Schlaf helfen wiederum dem Körper beim Säureabbau.
 
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