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Salzachbrücke

Hormone und Ernährung

Unsere Nahrung wirkt selbstverständlich auch auf unser Hormongefüge, im Guten wie im Schlechten. Zum Guten gehören gesunde Fette, die sich in Avocados, Oliven, Eidotter, Lachs und Kokosöl finden – solche essentiellen Fette regen den Körper zur effektiven Produktion von Hormonen an (vor allem Sexualhormonen) und verleihen auch dem Stoffwechsel einen Kick.

Wichtig sind Omega-3-Fettsäuren in Fisch, Flohsamen, Chiasamen und Walnüssen. Hingegen sollten Omega-6-Fettsäuren reduziert werden: Sonnenblumenöl, Erdnussöl, Soja- und Distelöl.

Fermentierte und probiotische Lebensmittel unterstützen die Darmtätigkeit, vor allem bei der Verstoffwechselung und Verwertung von Hormonen, was zur Balance beiträgt: Kombucha, Kefir, Sauerkraut.

Blattgemüse, Vollkornprodukte und Mandeln unterstützen die „Schlafhormone“, die durch Kräutertees und -produkte noch gesteigert werden können, etwa Baldrian. Denn: Bloß keinen Schlafmangel aufkommen lassen! Er drosselt appetitzügelnde Hormone und schürt das Verlangen nach Kohlenhydraten, Salzigem und Süßem – und macht uns dick und träge.

 

Phytohormone als sanfte Methode

Heilpflanzen mit hohem Phytohormongehalt können als Kräutertees oder Nahrungsergänzungsmittel eingenommen werden – bekannt sind Mönchspfeffer, Schafgarbe, Frauenmantel, Nachtkerze, Passionsblume. Sie können sich bei PMS (prämenstruellem Syndrom), Menstruations- und Wechselbeschwerden lindernd auswirken – vorausgesetzt, die Beschwerden sind nicht zu stark ausgeprägt bzw. der Hormonstatus ist nicht zu sehr aus dem Lot (siehe dazu den Bericht in dieser Ausgabe „Hormone bestimmen unser Leben“).

Vorbeugend ausgleichend und unterstützend bieten sich Phytohormone als sanfte Methode an, unsere Hormone „in die Reihe“ zu kriegen. Hormonähnliche Isoflavone, etwa aus Rotklee, werden in den Wechseljahren empfohlen.

Luststeigernde Lebensmittel

Wer schon mal in einem arabischen Kochbuch stöbern konnte (z.B. auf Englisch), dem sind sicher gewisse Hinweise bei einzelnen Zutaten aufgefallen, wenn sie als Aphrodisiakum gelten, also anregend auf das Lustempfinden in der Sexualität. Doch es müssen nicht Stierbeutel, Tigerhoden, verriebenes Horn eines Nashorns oder Kamelmilch sein – manche schwören auf Austern, Ingwer und Sushi, Fisch und Ei; Frauen sollen durch Artischocken, Bohnenkraut und Brunnenkresse, Dill und Chili angeregt und erregt werden – ausprobieren schadet nicht. Auch Erdbeeren und Fenchel, juchu!

Und noch etwas: Kaffee-Vieltrinker haben häufiger Sex, so sagt man. Knoblauch soll (mit olfaktorischem Vorbehalt) ebenfalls die Lüste heben, und Petersilie bringt Pep ins Bett ...

 

BPA, der Östrogen-Imitator

Jedoch können hormonartig wirkende Stoffe ernsthafte Folgen für die Gesundheit haben, ob aus Lebensmitteln, Hausstaub oder Atemluft.

Derartige Substanzen, genannt sei hier das Bisphenol A (BPA), befinden sich in Plastik – vom Babyschnuller übers Babyfläschchen bis zu Wasserflaschen, in Konservendosen und in Thermopapier (Kopierpapier, Kassenbons). Schon in geringen Mengen können sie in den Hormonhaushalt eingreifen – hier soll einer der Gründe für allgemein verringerte Spermienzahlen liegen, auch Verhaltensstörungen sollen darauf zurückgehen (BUND.net). Im Rahmen des Chemikaliengesetztes REACH von 2007 als „besonders besorgniserregend“ eingestuft, gilt BPA als krebserregend und/oder erbgutverändernd.

 

Glas- statt Plastikflaschen

Nicht umsonst greifen immer mehr Konsumenten zu Glas- statt Plastikflaschen.

Auch Konservendosen mit Obst, Gemüse, Fleisch etc. enthalten BPA und befinden sich, trotz besseren Wissens, hierzulande im Handel. Hingegen bietet Japan seit 20 Jahren BPA-freie Konservendosen an – also, wo ein Wille, geht es auch ohne diese Chemikalie!

Oder doch nicht? Werden Trinkwasserleitungen mit Epoxidharz ausgekleidet, haben wir wieder BPA, das sich im Wasser lösen kann ... Wie sieht es in unseren Zahnfüllungen aus? Wer weiß, auch hier könnte BPA drin sein. Ein Trost, wenn auch nur ein kleiner: Seit 2011 darf in Deutschland nur noch BPA-freies Plastik für Babyflaschen verwendet werden.

Wenn Männer weiblich wirkende Brüste entwickeln, ist oft nicht Fettleibigkeit die Ursache – es könnte Drogenmissbrauch dahinterstehen, Marihuana, Heroin oder auch Alkohol – allesamt den Hormonspiegel beeinflussende Substanzen. Oder künstliche weibliche Hormone in Haar- und Hautpflegeprodukten oder BPA, der Östrogen-Imitator, aus Plastik- und Mikrowellengeschirr ...

Wer sich mit Ernährung ein wenig beschäftigt, kommt immer wieder zum Punkt: Natürliche Lebensmittel, frisch verarbeitet, variantenreich und vielseitig, in allen Farben (sekundäre Pflanzenstoffe), wohlschmeckend und regelmäßig mit Genuss verzehrt – so bleiben wir fit und gesund. Am besten, wir beginnen bei den Ernährungsgewohnheiten unserer Kinder!

Sylvia Nachtmann

 
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