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Salzachbrücke

Wer mag Besenreiser?

Die eigenartige Bezeichnung „Besenreiser“ erinnert recht uncharmant an die einstigen Stallbesen, die aus Zweigen oder „Reisern“ gebunden waren. Die Besen sind weitgehend verschwunden, Besenreiser haben wir heute noch – zumindest viele von uns, hauptsächlich Frauen.
Hellrote Gefäßbäumchen, dunkelviolette Äderchen, verästelt, verzweigt oder flächig konzentriert – so sind sie ein ästhetisches Ärgernis, ein kosmetisches Problem.

VORAB: ULTRASCHALLUNTERSUCHUNG
Nur kosmetisch? Hinter Besenreisern kann sich mehr verbergen. Deshalb rät Dr. Stefan Todica, niedergelassener Facharzt für Allgemeinmedizin mit Schwerpunkt Venenerkrankungen, die an sich harmlosen Besenreiser ernst zu nehmen: „Sichtbare Besenreiser können ein Hinweis auf entstehende oder versteckte Krampfadern oder auf eine alte, bisher nicht bekannte tief liegende Venenthrombose sein. Daher ist vor einer Besenreiser-Behandlung unbedingt eine Ultraschalluntersuchung durchzuführen.“
Sind Krampfadern ausgeschlossen, kann die unspektakuläre und schmerzfreie Behandlung der Besenreiser beginnen (die paar kleinen Piekser sind leicht auszuhalten).

DER NÄCHSTE SOMMER BRINGT SIE WIEDER ZUM VORSCHEIN
Seit 15 Jahren ist Dr. Todica auf kosmetische Behandlung von Besenreisern und die operative Sanierung von Minikrampfadern spezialisiert. „Jetzt ist die beste Zeit, Besenreiser loszuwerden – in den Monaten mit ‚r’, also noch bis April“, erklärt Dr. Todica, „eventuell noch im Mai.“ Von Juni bis August bereut man dann vielleicht, die Behandlung zur rechten Zeit verpasst zu haben, denn der Sommer legt jedes Äderchen frei.
„Früher waren meine Patientinnen zwischen 17 und 40 Jahre alt, seit einiger Zeit hat sich das verlagert: Zunehmend wollen auch ältere Damen makellose und fleckenfreie Beine haben. Selbst 70-Jährige kommen jetzt in meine Praxen“, beobachtet Dr. Todica den Wandel weiblichen Selbstbewusstseins in seinen Ordinationen in Laufen, Marktl und Passau.
Erbliche Veranlagung mit Bindegewebsschwäche, mangelnde Bewegung, Übergewicht, langes Stehen oder Sitzen, Sauna, lange Sonnenbäder oder Hormonbehandlungen (Pille oder Hormonersatztherapien) können zur Entstehung der Besenreiser führen.

KLASSISCHE VERÖDUNG
Alle Wundermethoden und auch die propagierten Laserbehandlungen hielten ihre Versprechungen nicht, weiß der Venenspezialist aus Erfahrung: „Beste Ergebnisse erzielt man mit der klassischen Verödung, in der Fachsprache Sklerosierung.“ Ein „gutes Händchen“ und Fingerspitzengefühl des Behandlers sind weitere Faktoren für einen Behandlungserfolg. Schließlich müssen feinste Äderchen punktiert werden, um das bewährte Verödungsmittel treffsicher zu spritzen.
Das Verödungsmittel löst eine leichte Entzündung der Gefäßwände aus, die Äderchen zerfallen und ihre Reste werden vom Körper „entsorgt“. Die Therapie umfasst drei bis sechs Sitzungen, wobei der Abstand individuell gewählt wird, so dass sich die Verödungsreaktionen optimal addieren. Dr. Todica: „Eine einmalige Behandlung reicht nie, ein solches Angebot wäre unseriös“, Misserfolg und Frust wären vorprogrammiert.
Nach der Behandlung ist man üblicherweise arbeitsfähig, einige Tage sind Kompressionsstrümpfe zu tragen, zwei Tage nach der Verödung ist Sport wieder erlaubt, mit Sauna und Solarium sollte etwa zehn Tage gewartet werden.

ERFAHRENE SPEZIALISTEN
Als Nebenwirkungen kann es zu kleinen Blutergüssen an den Einstichstellen kommen, gelegentlich treten ein geröteter Hautbereich oder hellbraune Verfärbungen auf, die jedoch von selbst vergehen. Sehr selten treten harmlose allergische Reaktionen, kurzzeitige Sehprobleme, Migräne auf.
„Bei zu hoher Konzentration oder zu großer Menge von Verödungsmittel kommt es zu einer überschießenden Entzündungsreaktion mit Bildung von schmerzhaften Hautgeschwüren, die nach drei bis vier Monaten Abheilungsperiode Narben hinterlassen,“ erklärt Dr. Todica, „Eine solche unerwünschte Komplikation ist in den meisten Fällen zu vermeiden, wenn die Therapie von erfahrenen, spezialisierten Ärzten (Phlebologen) in Venenpraxen oder Venenkliniken durchgeführt wird.“ Der Therapieerfolg hängt auch von der Erfahrung des Arztes ab. Laut einer Studie liegt die Rückfallrate kurz nach Therapieabschluss bei fünf Prozent, wenn Venenspezialisten die Behandlung durchführten. Bei ungeübten Behandlern kommen etwa 45 Prozent der Besenreiser nach kurzer Zeit wieder zum Vorschein.

Vorbeugen gegen Besenreiser und Krampfadern
Alles was den Venen gut tut, beugt nicht nur den gefürchteten Krampfadern, sondern auch Besenreisern vor:
Bewegung zur Stärkung der Beinmuskulatur – Walking, Radfahren, Schwimmen, tägliche Gymnastik.
  • Laufen und Liegen ist besser als Sitzen und Stehen.
  • Bei langem Sitzen oder Stehen halten Stützstrümpfe oder leichte Kompressionsstrümpfe den Gefäßapparat stabil.
  • Die Beine von unten nach oben mit kaltem Wasser abduschen.
  • Beine öfters hoch lagern.
  • Bei nachgewiesener  Bindegewebs- und Venenschwäche wirken während der Sommermonate Weinlaub- und Rosskastanienextrakte in Form von Cremes, Gels oder Kapseln stärkend und gewebsentwässernd.  
  • Barfußlaufen, gesundes Schuhwerk.
  • Ballaststoffreiche Ernährung, viel Fisch (Omega-3-Fettsäuren), viel Vitamin C, viel trinken.
  • Vermeidung von Übergewicht.
  • Vermeidung zu häufiger Sonnenbäder, Sauna und Sportarten mit starker „Bauchpresse“, wie sie Bodybuilder und Gewichtheber betreiben.

Sylvia Nachtmann
 
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