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Salzachbrücke

Ein wertvoller Rohstoff und seine dunkle Seite

Sylvia Nachtmann

Die Verunsicherung rund um Aluminium ist groß. Die Vorteile liegen auf dem Tisch: Der Werkstoff wird im Bauwesen, im Maschinen- und im Automobilbau, in der Unterhaltungselektronik und im Verkehrswesen sowie in der Klimatechnik, Luft- und Raumfahrt, aber auch als Verpackungsmaterial in unseren Haushalten eingesetzt. Und in sehr versteckter Form auch in Lebensmitteln und Kosmetikartikeln.
Leicht, rostfrei und über hohe Wärme- und Strom-Leitfähigkeit verfügend, ist Aluminium außerdem das am häufigsten vorkommende Metall der Erdkruste.
Das wichtigste Ausgangsmaterial für die Aluminiumproduktion ist Bauxit. Der Abbau erfolgt in großen Minen, das Erz wird unter enormen Kosten, extremem Energieaufwand und unter hohen Umweltrisiken chemisch herausgelöst.

ALUMINIUM UNBEDINGT RECYCLEN
Das Recyclen von Aluminium ist lukrativ, Schrotthändler liebäugeln mit Alt-Alu. Mit der Wiederverwertung unserer Getränkedosen, Tierfutterschalen, Alu-Tuben, Alufolien und Grillschalen tun wir der Umwelt Gutes und ersparen bis zu 95 Prozent an Energie und Ressourcen im Vergleich zur Alu-Neuproduktion, ganz ohne Qualitätsunterschied – Aluminium lässt sich quasi endlos wiedergewinnen.
Wie erkennt man Aluminium? Der einfache „Knicktest“ zeigt es uns: Zerknüllen wir zum Beispiel den Deckel eines Joghurtbechers und er bleibt zerknüllt, handelt es sich um Aluminium. Springt eine ganz ähnlich aussehende Folie in ihre vorherige Form zurück, ist es Kunststoff.

DER UNTERSCHÄTZTE GIFTSTOFF?
Das Leichtmetall braucht zu seiner Primärherstellung Unmengen von Rohstoffen und Energie und hat beim Erzabbau schon mehrfach zu dramatischen Umweltkatastrophen geführt (vor einigen Jahren quasi vor unserer Haustüre, in Ungarn). Manche Studien sagen Aluminium hohe Toxizität mit Auswirkungen auf unsere Gesundheit nach, gelegentlich wird es als der am meisten unterschätzte Giftstoff tituliert.

SCHULD AN ZIVILISATIONSKRANKHEITEN?
Aluminium befindet sich in unserer Nahrung, teils als natürliche Anreicherung in Pflanzen, aber auch durch das Beimischen von Lebensmittelzusatzstoffen, die unter einer Liste von E-Nummern gekennzeichnet sind. Einige dieser Alu-Zusatzstoffe sind inzwischen in der EU verboten, für manche wurden Höchstgrenzen festgelegt. Von der Brotbackmischung bis zum Käse und besonders in Fertiggerichten ist Aluminium als Festigungs-, Trenn- und Backtriebmittel im Einsatz.

GRENZWERTE BESONDERS VON KINDERN ÜBERSCHRITTEN
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat als Grenzwert einen Wochenwert angegeben. Geht man davon aus, dass sich Aluminium im Körper anreichert und dass Kinder im Verhältnis zu ihrem Körpergewicht mehr zu sich nehmen, überschreiten vor allem Ein- bis Zweijährige den wöchentlichen Toleranz­wert.
Erhalten Säuglinge und Kleinkinder Fertignahrung, wird der wöchentlich empfohlene Höchstwert um bis zu 220 Prozent überschritten. Neue Verordnungen zu Aluminiumgrenzwerten bei Lebensmitteln für Säuglinge und Kleinkinder sind in Ausarbeitung.

ALLERGIEN, ALZHEIMER, BRUSTKREBS
Aluminium in Nahrungsmitteln, Aluminium in Lebensmittel-Verpackungen, Aluminium in Medikamenten gegen Sodbrennen, Aluminium in Impfstoffen und als Allergieauslöser – wie kann es sich auf den Körper auswirken? Demenzerkrankungen und Brustkrebs werden angeführt. In der Komplementärmedizin ist man sich sicher, dass Aluminium zu schwerwiegenden Erkrankungen beitragen kann. Autismus ist im Gespräch, auch Hyperaktivität sowie unspezifische Symptome wie Anämie (Blutarmut), Muskelschmerzen, Osteoporose oder Entzündungen von Nieren und Leber.
Was vor etlichen Jahren von „schrulligen“ Kneippianern schon als Gefahr erkannt wurde, ist heute Allgemeinwissen: Alu in Deos wirkt über die Haut und wird für Brusttumore verantwortlich gemacht – Hersteller reagieren endlich mit größerer Auswahl Alu-freier Deos.

ALUMINIUM REDUZIEREN, INNERLICH UND ÄUßERLICH
Wir Verbraucher sind aufgefordert, das Kleingedruckte auf Produktverpackungen zu lesen. Bei der Entschlüsselung von E-Nummern helfen diverse Apps. Schwierig ist es bei Kosmetika, die für ihre Aluminium-Beimischungen Phantasienamen anführen.
Für den Gebrauch in der Küche gibt das Gesundheitsministerium folgende Tipps:
• Alugefäße und Alufolie nicht mit stark säurehaltigen Lebensmitteln wie Tomatensauce, Rhabarberkompott, Apfelmus etc. in Berührung bringen;
• Nur Trinkflaschen aus Aluminium verwenden, deren Innenbeschichtung nicht beschädigt ist;
• Auf aluminiumfreie Deodorants umsteigen;
• Bei der Einnahme von Medikamenten gegen Sodbrennen und Magenbeschwerden Arzt oder Apotheker nach aluminiumfreien Alternativen fragen. Das ist besonders für Schwangere ­inte­ressant: Kinder, deren Mütter in der Schwangerschaft Medikamente gegen Sodbrennen eingenommen haben, leiden häufiger unter Allergien.

WAS SCHÜTZT VOR ALU-ANREICHERUNG IM KÖRPER?
Aluminiumsalze werden über die Nieren ausgeschieden. Dennoch wird die Substanz angereichert. Obst, Gemüse und bestimmte Algen unterstützen die Eliminierung von Leichtmetallen aus unserem Organismus und Calcium, Magnesium, Eisen, Zink und Vitamin C in Form von Nahrungsergänzungsmitteln können die Aufnahme von Aluminium offenbar sogar blockieren. Alternativ gilt Silizium als natürliches Gegenmittel zu Aluminium, auch Apfelessig, Folsäure, Selen und ­Vitamin E sollen eine Alu-Ausleitung unterstützen.
 
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