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Salzachbrücke

Gegen Wasserkraft an der Salzach

Seit den 1960er Jahren kämpft Naturschützer für den Erhalt einer freifließenden Salzach zwischen Freilassing und der Mündung in den Inn. Die 60 Kilometer müssten verschont bleiben von Kraftwerksbauten, fordern sie. Und 2013, zum hundertsten Geburtstag von Bund Naturschutz in Bayern und Naturschutzbund Österreich, sei wieder ein entscheidendes Jahr für diesen Grenzfluss. In einem Pressegespräch und einem Spaziergang an das Salzachufer machten am Donnerstagnachmittag Vertreter beider Verbände deutlich, dass sie alles daran setzen werden, Wasserkraftwerke zu verhindern und „die Salzach endgültig zu retten“.


Unterwegs an der Salzach (von links): Dr. Hannes Augustin, Dr. Christine Margraf und Professor Hubert Weiger.


Bayerns Umweltminister Marcel Huber betont es immer wieder: Eine Wasserkraftnutzung an der Salzach komme nur dort in Frage, wo aus flussbaulichen Gründen Querbauwerke erforderlich sind. Und die braucht es zur Flusssanierung und Sohlstabilisierung nicht, sagt der Bund Naturschutz und der Oberösterreichische Landesumweltanwalt. Der hat für das Tittmoninger Becken eine sogenannte Naturflussvariante ausgearbeitet und eine solche Machbarkeitsstudie wird derzeit ebenso für das Freilassinger Becken erstellt. Sie soll im Mai vorgestellt werden.

Ein sogenannter Sohldurchbruch könnte mittelfristig Siedlungen gefährden, so die Befürchtung des Wasserbaus und ein Hauptargument für die begonnene Flusssanierung. „Die zweite Sohlschwelle auf Höhe Surheim braucht es nicht mehr“, meint dagegen Erich Prechtl aus Freilassing, „für Laufen und Oberndorf besteht momentan keine Gefahr.“ Stattdessen solle im sogenannten Freilassinger Becken eine reine Flussbettaufweitung der Salzach die Energie nehmen, den Fluss in die Breite lenken anstatt wie bisher in die Tiefe. „Die Sohle wird sich anheben und der Fluss wieder in die Auen laufen“, erwartet Dr. Christine Margraf, Artenschutzreferentin des BN. So könne sich das System ohne Querbauten dauerhaft stabilisieren. Mittelfristig allerdings müsse vom Oberlauf unbedingt wieder Geschiebe nachkommen, was bisher durch zahlreiche Staustufen auf österreichischer Seite verhindert werde. „Daran führt kein Weg vorbei“, stellt Margraf klar.

Hier bei Laufen ist die alte Uferbefestigung bereits entfernt. Es bilden sich sogenannte weiche Ufer.



„Bayerisches Tafelsilber“ nennt Hubert Weiger die ganz wenigen noch unverbauten Flussabschitte. „90 Prozent hat man bereits geopfert“. Mehrfach schon waren Stauwerke an der Salzach verhindert worden, nicht zuletzt 1978 von Franz Josef Strauß. Nun hofft der Landesvorsitzende des BN auf Ministerpräsident Horst Seehofer; dessen Entscheidung zum Donauausbau macht Weiger durchaus optimistisch.

Weiger fordert, sich endlich um Energieeinsparung zu bemühen. „Wir verschwenden maßlos Strom. Da passiert bis heute kaum etwas.“ 50 Prozent Verbrauchsverminderung wären ohne Komforteinbußen möglich, ist er überzeugt.

Jene, die früher auf eine todbringende Atomenergie gebaut hätten, wollten jetzt die letzten Flüsse für ein paar Kilowattstunden ausquetschen, kritisiert Hannes Augustin. „Scheindialog“ nennt der Sprecher der Aktionsgemeinschaft Lebensraum Salzach den kürzlich abgeschlossenen „Flussdialog“. „Die Ergebnisse sind mit größter Vorsicht zu genießen“, warnt er und zitiert Goethes Faust: „... und bin so klug als wie zuvor.“ Augustin fordert einen echten Dialog auf Augenhöhe.

„Die Salzachauen können sich mit dem Nationalpark Donauauen vergleichen“, meint Erich Prechtl. Der langjährige BN-Aktive erinnert an die erste Protestfahrt mit 150 Kanuten am 27. Juni 1964 und daran, dass das Raumordnungsverfahren zur Sanierung der unteren Salzach im Jahr 2002 gänzlich ohne eine mögliche Wasserkraftnutzung startete. „Das was kaputt ist, kommt nie wieder“, warnt er vor der Zerstörung durch ein Kraftwerksprojekt. Gerade aber eine Zerstörung des Auwaldes werfen die Kritiker der begonnenen Sanierung vor, nehme man doch damit den Verlust von bis zu 50 Hektar in Kauf.

„Es kommt was Wertvolleres nach“, verspricht Hannes Augustin, „neue Lebensräume für seltene Arten“. „Der Auwald hat sich langsam verändert, und er wird sich wieder langsam verändern“, erwartet Prechtl. An die von den Kraftwerksbefürwortern versprochene rasche Anhebung des Grundwassers glaubt er nicht und hielte diese auch nicht für sinnvoll.

Mit einer Naturfluss-Variante einen langfristigen Prozess in Gang bringen, erwartet Hubert Weiger, der sich davon ebenso einen verbesserten Hochwasserschutz verspricht; nicht zuletzt für die Unterlieger, da durch mehr Raum die Hochwasserspitzen abgemildert würden.

BN-Vorsitzender Hubert Weiger im Fernsehinterview vor der Laufener Salzachbrücke.


Eines könne man schon vor der Fertigstellung der Machbarkeitsstudie für das Freilassinger Becken sagen, betont Margraf: „Würde die in der Abwägung zu einer endgültigen Entscheidung nicht berücksichtigt, dann wäre dies ein grober Planungsfehler“. Und den würde man unverzüglich nach Brüssel melden.

Noch ein Umstand macht das von den Österreich-Bayerischen Kraftwerke AG (ÖBK) vorgestellte Konzept unwahrscheinlicher: „Eine Fallhöhe von fünf Meter und somit eine Stauwurzel bis hinauf nach Lehen kommt für uns nicht in Frage“, hatte Dr. Josef Schwaiger vom Amt der Salzburger Landeregierung kürzlich gegenüber dem ORF geäußert. Insofern könnte der Wunsch der Naturschützer beiderseits des Flusses vielleicht doch in Erfüllung gehen. „Denn zum Geburtstag darf man sich was wünschen“, meint Christine Margraf, „und zum hundertsten was ganz Besonderes.“

 


Pol. Salzachkiesel: Gust Prechtl gratuliert mit seinen polierten Salzachkieseln zum Geburtstag.


Fotos: Hannes Höfer

 

 
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