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Salzachbrücke

Rechtzeitig drauf schaun… dass man’s hat, wenn man’s braucht!

Wasser wird in der öffentlichen Wahrnehmung vor allem dann zum Problem, wenn es im Übermaß auftritt. Und so schnell werden zahlreiche Menschen im SALZACHbrücken-Land auch nicht aus dem Gedächtnis bekommen, wie hart Hochwässer und Unwetter ihnen allein in den vergangenen fünfzehn Jahren mitgespielt haben. Nicht zuletzt so manche Fehlentwicklung der zurückliegenden Jahrzehnte hat das ihre dazu beigetragen, dass die Wassermassen intensiver Niederschläge immer öfter und immer ungehemmter ganze Landstriche fluten.

Exzessive Bodenversiegelung für Verkehrs- und Gewerbeflächen, ertragsoptimierte Bewirtschaftung von Wald und Feld und der Rückbau natürlicher oder gewachsener Feucht- und Staugebiete wirken sich jedoch nicht bloß bei Wasserüberschuss verheerend aus. Auch in niederschlagsarmen Zeiten wären wir mit intakten, temporären Wasserspeichern wie Au- und Sumpfgebieten, natürlich durchwachsenen Mischwäldern, saftigen Weiden und einer lebenstrotzenden Ackerscholle gut beraten.

 

Kostbares Nass

Im vergangenen Jahr 2015 kam es während der sommerlichen Hitzeperioden in manchen Gegenden unserer Region zu einem empfindlichen Absinken des Grundwasserspiegels. Landwirte und lokale Wasserversorger werden bei solchen ersten Anzeichen echter Engpässe zu Recht nervös; und das nicht bloß, weil es um ihre eigene Geschäftsgrundlage geht. Weitgehend unbemerkt von den meisten unter uns, nehmen sich diese Menschen einiger unserer elementarer Bedürfnisse an: Jahrein, jahraus sorgen sie dafür, dass bei uns ganz selbstverständlich köstlich klares und bekömmliches Wasser zu jeder Zeit und in jeder gewünschten Menge aus dem Wasserhahn rinnt, dass heimisches Obst, Gemüse und Fleisch auf den Tisch kommt und dass unsere Landschaft in saftigem Grün erstrahlt.

Es geht also jeden Einzelnen ganz konkret sehr viel an, wie es um unseren regionalen Wasserhaushalt bestellt ist. Nicht von ungefähr haben sich viele Gemeinden des nördlichen Flachgaus über die Wasserschiene des Wasserverbandes Salzburger Becken vorsorglich an die Wasserreserven der Voralpen angeschlossen. Woher es auch kommt, spätestens in unserem globalen Zeitalter sollte allen klar geworden sein, dass Wasser mittlerweile ein wirklich knappes und damit in Wahrheit sehr kostbares Gut ist. Da ändert auch nichts daran, dass es in unseren Breiten scheinbar noch im Überfluss sprudelt. Schließlich wird unser Wasserverbrauch nur etwa zur Hälfte aus heimischen Quellen gespeist.

 

Virtuelles Wasser

Das sogenannte „virtuelle Wasser“ ist jene Menge reinen Wassers, die für eine Einheit einer bestimmten Ware im Zuge der Produktion verbraucht, verdunstet oder verschmutzt wird. Und das kann – wenn man den an sich seriösen Berechnungen des WWF Glauben schenkt – verblüffende bis schockierende Ausmaße annehmen: Dass für die Produktion eines elektronischen Mikrochips jeweils 32 und für eine Packung Kartoffelchips 185 Liter Wasser aufgewendet werden, ist für den Laien schon erstaunlich. So richtig interessant werden die Mengen allerdings bei landwirtschaftlichen Produkten aus Ländern, die traditionell eigentlich nicht wirklich über zu viel Trinkwasser verfügen. Besonders „durstig“ sind Rind- und Schweinefleisch, Ölpflanzen und Baumwolle, was sich unschwer an der virtuellen Wasserlast nachvollziehen lässt: Ein Hamburger verbraucht 2.400 Liter Wasser, ein T-Shirt gar 4.100 Liter.

Wenn wir nun einen Satz Leiberl um je fünf Euro im Billigladen erstehen, sollten wir uns darüber bewusst sein, dass sich die Preisgestaltung der Produzenten in Bangladesch oder Afrika an der eingesetzten Menge Baumwolle und menschlicher Arbeit orientiert. Das Wasser, welches der Bevölkerung vor Ort allzu oft für den Anbau eigener Nahrungsmittel oder als Trinkwasser fehlt, wird praktisch nicht bewertet und oft sogar illegal bezogen. Die Folge sind hausgemachte Trockenlegungen ganzer Landstriche, das Verschwinden von Seen und Sümpfen und das Veröden des Landes zu unfruchtbarer Wüste. Kein Wunder, wenn ganze Völker aufbrechen, um einen Platz zum Überleben zu finden…

 

Verschwendung bewusst machen

Virtuelles Wasser gilt es also beim Konsum- und Einkaufsverhalten jeweils mitzudenken. Darüber hinaus hätten wir hierzulande aber auch in anderen Lebensbereichen reichlich Gelegenheit, uns die Kostbarkeit des Wassers wieder mehr bewusst zu machen.

Ohne jemand die Freude am erfrischenden Sprung in den heimischen Pool vermiesen zu wollen: Ist es wirklich notwendig, in manchen Siedlungen alle fünfzehn Meter für je eine Handvoll Personen 50 bis 100 Kubikmeter Trinkwasser zu „parken“; vom wöchentlichen Autowaschen und Abspritzen des Hofpflasters ganz zu schweigen.

Dabei fängt bewusster Umgang mit diesem wertvollen Gut schon im Haushalt an, wie bereits im Oktoberheft 2015 des SALZACHbrücke-Magazins ab Seite 62 ausgeführt und nachzulesen.

Mit 160 Kubikkilometern Trinkwasser hat Deutschland nach Angaben des WWF schon im Jahr 2009 gleichsam dreimal den Bodensee verbraucht; am gesamten Trinkwasserverbrauch Österreichs – zu gleichen Teilen aus Grundwasser und Quellen gedeckt – haben Haushalte mit 27 Prozent einen beinahe viermal so großen Anteil als die Landwirtschaft. Grund genug schon im Privatbereich auf sparsamen und schonenden Umgang mit unserem guten Wasser zu achten.

Grund genug hoffentlich auch für die Politik, die Qualität und den Bestand unserer Wasserreserven weiterhin und nachhaltig unter wirkungsvollen Schutz zu stellen. Wenn wir jetzt noch rechtzeitig gemeinsam auf unser wichtigstes Lebensmittel schauen, werden auch die nachfolgenden Generationen noch in den Genuss unseres guten Wassers kommen.

 

Mag. Thomas Haas

 

 
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