. .
Salzachbrücke

LF, REI, BGD: Kennen Sie diese Autokennzeichen?

Vor allem, wenn Sie auf der österreichischen Seite unseres Grenzflusses Salzach wohnen, haben Sie sich in den letzten Monaten vielleicht über unbekannte deutsche Autokennzeichen gewundert. Die alten Städtekürzel LF, REI und BGD gibt’s jetzt wieder – und sie sind sehr gefragt.

Um sich die zunächst mysteriösen Regionalkürzel auf den Autokennzeichen zu erklären, hat so mancher bereits einen vermehrten Zuzug von Mitbürgern aus nord- oder ostdeutschen Gefilden vermutet. Weit gefehlt: Die Buchstaben „LF“ stehen für den alten Kreis Laufen, „BGD“ für Berchtesgaden und „REI“ für Bad Reichenhall.
Dass der Kreistag des Berchtesgadener Landes mit seiner Entscheidung für die Altkennzeichen wirklich einen Nerv getroffen hat, zeigt die große Menge der Fahrzeuge, die inzwischen mit den neuen-alten Taferln unterwegs ist. Seit 15. September 2016 können sich Autobesitzer statt des immer noch üblichen Kürzels BGL eines der drei anderen auf ihr Kennzeichen prägen lassen.
Mit einem so großen Ansturm hat die Zulassungsstelle freilich nicht gerechnet: Mitte Januar dieses Jahres waren schon 1432 Autos auf BGD zugelassen, 1357 auf LF und immerhin 627 auf REI. Tendenz steigend.

Regionaltaferl mit Emotionsgarantie
Laut Gesetzgeber dürfen die Landkreise bereits seit 2012 wieder ihre alten Regionalkürzel aktivieren. Außerdem müssen deutsche Autobesitzer seit 2015 ihr Fahrzeug bei einem Umzug in einen anderen Landkreis nicht mehr ummelden – wenn heute ein Auto mit dem Hamburger Kürzel „HH“ vor einer Berchtesgadener Haustür parkt, kann es also durchaus ein (inzwischen) Einheimischer sein.
Im Zuge dieser Änderungen regte sich auch die Frage nach den alten Regionalkürzeln – es gab sogar eine Unterschriftenliste für die Wiedereinführung. Dabei ist es schon ein wenig skurril: Kaum geht‘s um regionales Brauchtum abseits von Volksmusik, Aperschnalzen und Lederhosen, kochen die Emotionen hoch. Konkret auch im Kreistag, der im Juli 2016 schließlich für die alten Regionalkürzel gestimmt hat.
Heftig diskutiert wurde die Thematik schon im März 2013: Gar einen „allzu großen Schmarrn“ hatte eines der Gremiumsmitglieder die ganze Diskussion gefunden. Ob man es braucht, ob es eine Gaudi ist, wer eine Freude damit hat und für wen es überflüssig ist, darf jeder nun selbst entscheiden: Für 12,60 Euro mehr gibt‘s die alten Kürzel als „Wunschkennzeichen“ in der Zulassungsstelle.

Young- und Oldtimerfans freuen sich
Ob zwecks der Freud‘ oder weil es Ehrensache ist: Die Stadt Laufen bewegt ihre Bauhof-Fahrzeuge auch mit alten Regionalkürzeln: Auf „LF-SL ...“-Taferl sind diese nun zugelassen, dabei steht „SL“ für „Stadt Laufen“, nicht etwa – wie man meinen könnte – für das nahe Salzburger Land.
Wer das Ganze garantiert keinen Schmarrn findet, sind Old- und Youngtimerfans. Die freuen sich naturgemäß besonders darüber, wenn ihr Schätzchen endlich wieder mit stilechtem Altkennzeichen unterwegs sein darf, ganz so wie vor der Gebietsreform von 1973.
Kleiner Wermutstropfen ist zwar, dass das neue Design der Euro-Kennzeichen den Eindruck trübt: Den blauen Rand mit dem EU-Sternchenkreis gab‘s vor 40 Jahren nicht, auch die Schrift war eine andere. Aber dafür sind die eckigen Prüf-Plaketten für die bestandene Abgasuntersuchung auf dem vorderen Kennzeichen wieder weggefallen – sie sehen so „nackert“ aus wie damals.
Doch zeigt sich nicht nur beim ganz alten Blech im Regionalkürzel die besondere Zuneigung zum Gefährt – so hat die Redaktion bereits einen Audi mit Wunschkennzeichen „S6“ für die sportliche Variante des Audi A6 fahren gesehen und einen BMW mit dem Kennzeichen „Z3“.

Entspannt euch!
Separatistentum und Rückständigkeit wird vielfach den Befürwortern der Altkürzel vorgeworfen, Engstirnigkeit denjenigen, die dagegen sind. So mancher hat gar Sorge, dass die „Marke BGL“ nun Schaden nehmen könnte, an der seit etlichen Jahren gearbeitet wird.
Wie dem auch sei – ein Tipp für alle Angstbürger: Entspannt euch. Wer Freude hat, mit „LF“ unterwegs zu sein, kann dies jetzt zum Ausdruck bringen, wer Separatist sein will, wird diese Gesinnung auch mit „BGL“ nicht ändern. Ein Fakt zur Beruhigung: Es sind aktuell noch 96 Prozent aller Autos im Landkreis auf dieses Kürzel zugelassen.
So wird unsere schöne Region – zumindest Autotaferl-technisch – wieder ein klein wenig vielfältiger, und auch das Hamburger „Preißn“-Auto vor der Haustür in Berchtesgaden fällt bald gar nicht mehr groß auf.
 
Werbung