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Salzachbrücke

Sieben Helfer für jede Autopanne

Es war einmal: Die letzte Ausfahrt mit den Sommerautos bei Prachtwetter erledigt, alle gewaschen und „eingemottet“, Scheunentor zu, der Winter kann kommen. Für die persönliche Mobilität darf nun wieder der gute, alte Golf Dienst tun.
Die Freude währt kurz, am nächtlichen Heimweg auf der B20 geht‘s los: Ich bilde mir ein, komische Geräusche zu hören. Erstmal verdrängen und weiterfahren – doch leider fängt zeitgleich die Batteriekontrollleuchte an, rhythmisch zu glimmen. Na bravo!
Im Kopf gehe ich alle Fehlermöglichkeiten durch und überlege mir bereits, am nächsten Tag beim Ersatzteilhändler meines Vertrauens einen neuen Lichtmaschinenregler zu besorgen. Puh: alles halb so wild, weiterfahren.
Kurz nach der kleinen Abzweigung durch das Wäldchen Richtung Heimat beschließe ich spontan, stehenzubleiben: Das Lämpchen glimmt nach wie vor fröhlich, doch das jetzt bei langsamer Fahrt deutlich hörbare „raff-raff-raff“ lässt mich nicht mehr kalt. Am Feldweg-Straßenrand muss es sein: Motorhaube auf, reingucken.

Nummer eins: Gutes Licht
Gold wert: In meiner Handtasche habe ich immer eine Lampe mit einer Reihe sehr hell leuchtender LED dabei, die sich noch dazu magnetisch – zum Beispiel an der Motorhaube – befestigen lässt. Damit gehe ich jetzt dem Ganzen auf den Grund.
Ah, da fährt jemand langsam mit dem Auto vorbei. Hilfe in Sicht? Mitnichten. Der denkt sich vermutlich: „Alter Golf, Motorhaube offen, eine Frau leuchtet mit der Lampe drin herum, das kann ja nur eine Falle sein!“ – und gibt Gas. Vielleicht weiß er ja auch, dass ich mir normalerweise selbst helfen kann.
Ich indessen habe den völlig lose herumbaumelnden Keilriemen in der Hand und wundere mich. Offensichtlich ist, dass ein so lockerer Keilriemen gar nicht anders kann, als die Lichtmaschine nur noch sporadisch anzutreiben. So erklärt sich das rhythmische Lämpchenglimmen und auch das Geräusch, mit dem der Riemen an der nahen Zahnriemenverkleidung gerieben hat.
So weit, so gut. Eigentlich müsste die Lichtmaschine ebenfalls locker sein, ist sie aber nicht. Im Gegenteil, sie lässt sich weder nach vorn noch nach hinten bewegen, der Riemen ist so nicht spannbar.

Nummer zwei: Etwas Werkzeug
Immens froh bin ich, dass ich wegen der Einwinterungs-Aktion und einer gleichzeitig erledigten Reparatur am Sommer-BMW den ganzen Kofferraum voller Werkzeug habe. Ein paar Werkzeuge sollte man ja im älteren Alltagsauto immer mit dabei haben – etwa einen von Schlüsselweite 0 bis 22 einstellbaren Gabelschlüssel, Schraubendreher mit Wechselklinge, eine Wasserpumpenzange.
Praktisch sind auch ein Cutter, eine Handvoll Kabelbinder und Elektriker-Klebeband. Für heruntergefallene Metallteile hilft ein Teleskop-Magnetstab enorm (der mir diesmal leider fehlt). Erstmal schraube ich den Keilriemenspanner locker, doch die Lichtmaschine macht keine Anstalten, sich zu bewegen.
Plötzlich, als hätte jemand einen Schleier gelüftet, entdecke ich die fehlende Befestigungsschraube: Sie steckt zwischen Generator und Motorblock. Genial einerseits, dass sie nicht irgendwo auf der Bundesstraße verlorengegangen ist, doof andererseits, denn ich muss sie nun da herauspulen – und der Motor ist heiß, die Schraube auch. Und: mir fehlt der Stabmagnet.

Nummer drei: Eine Autoclub-Mitgliedschaft
Fast zehn Minuten und weitere drei vorbeifahrende Autos später habe ich die Schraube in der Hand und versuche die Lichtmaschine lockerzuschrauben, damit ich das Ganze spannen und wieder zusammenbauen kann.
Leider hat derselbe Mechanikerkollege, der die eine Schraube vergessen hatte festzuschrauben, die andere Schraube bombig angeknallt: Mit der kleinen Viertelzoll-Ratsche habe ich trotz Gummihammer keine Chance. Da hilft wohl nur noch ein „Gelber Engel“ vom Pannendienst.
Kleiner Scherz am Rande – nein, wegen so einer Lappalie werde ich doch kein ADAC-Mitglied. Wäre ja gelacht. Ex-Mechanikerinnen-Ehre, Sie verstehen? Just in dem Moment, als ich für den Abend aufgeben will und mich schon mit dem Gedanken anfreunde, mein treues Gefährt stehenzulassen und die paar Minuten zu Fuß heimzugehen, fährt wieder jemand vorbei.
Und bleibt stehen. Ein junger Bursche in einem alten VW Caddy Pick-up der ersten Serie, der quasi der „Lastesel-Onkel“ meines Golfs ist, fragt in breitem Bayrisch: „Isser vareckt?“ Ich muss lachen und sage spontan: „Ned wirklich, aber hast du zufällig einen 6er Inbus für die Halbzoll-Ratsche dabei?“

Nummer vier, fünf, sechs und sieben: Hilfsbereite Landjugend
„Wart gaach, da vorn wohnt mei Spezi, der hat sicher sowas. Bin in fünf Minuten wieder da!“ Hier stehe ich nun in der Dunkelheit, grinsend und etwas ungläubig, und denke mir: Ok, dann warte ich.
Und wirklich: Nur wenige Minuten später rücken sie vier Mann hoch an: Zwei auf dem Motorroller, zwei im Auto. Ich leuchte mit der Handlampe hinüber: Ein erste-Sahne-Passat 32B mit Sommer-Saisonkennzeichen guckt mir entgegen, standesgemäßer „großer Bruder“ meines Golf 2.
Das kann wohl kein Zufall sein! Genauso wenig ist es Zufall, dass man sich gleich gut versteht, Altauto-Liebe verbindet. Einer der Jungs hat selbst einen Golf, „...aber ned so schee, gell?“ neckt ihn sein Spezi, der Passat-Eigner leuchtet mir beim Schrauben und mit dem richtigen Werkzeug ist das Ganze in fünf Minuten erledigt. Ende gut, alles gut!
Leider konnte die Autorin dieser Zeilen den Jungs nur schlicht „herzlichen Dank“ sagen, weil sie außer Werkzeug nichts dabeihatte. Aber: Wenn ihr das hier lest, schaut einfach mal beim Getränkemarkt vorbei, einen Steinwurf von der Kreuzung weg, an der wir uns getroffen haben. Dort steht so ein „flüssiges Werkzeug“ bereit, das bei euch immer leer ist. In voll, versteht sich.♦
 
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