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Salzachbrücke

Zweiräder – bunt gemischt

Die milderen Temperaturen locken nicht nur vielfarbige Frühlingsblumen aus der Erde, sondern auch Zweiräder aller Art aus ihren Winterquartieren. So manches lebensrettende Zubehör und so manches unkonventionelle Zweirad finden ihren Weg auf unsere Straßen – und in diesen Artikel.

Elisabeth Strassert

Das Rad, das nachwächst
Das „mitwachsende“ Rad kennt jeder – es ist an verschiedenen Stellen justierbar, vor allem an Sattel und Lenker, und passt sich so dem wachsenden Sprössling an. Ein Fahrrad aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz hat vor einiger Zeit ein Forscherteam vorgestellt – jetzt kann man es kaufen.
Ziel des Projektes war, den „Carbon Footprint“, also den Kohlendioxid-Fußabdruck, drastisch zu reduzieren, indem soweit wie irgend möglich Metallteile durch Holz ersetzt wurden.
Der Rahmen und die auswechselbare Gabel des „Wood eBike“ bestehen aus Eschenlamellen, die vom regionalen Erzeuger stammen, in Form verklebt und auf einer CNC-Fräsmaschine bearbeitet wurden. Durch diese Bauweise lassen sich E-Antrieb sowie Kabel und Steuerung optimal in den Rahmen integrieren; die Herstellung verbraucht achtmal weniger Energie als die eines Alu-Rahmens. Außerdem haben die Tüftler der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde einen Riemenantrieb von Continental verbaut. Vorteile: Ein Nachspannen entfällt, ebenso das Schmieren. Dank einer speziellen Zahnform lässt sich der Riemen außerdem ohne Mess- und Spannverfahren einfach aufschieben oder abziehen.
Wind- und wetterfest, in Größe und Ausstattung individuell konfigurierbar und 21 Kilo schwer, ist das Rad inzwischen als Serienprodukt erhältlich beim Berliner Vertrieb aceteam.

Ein Ferrari für die Kids
Natürlich ist es im typischen Farbton leuchtend rot lackiert, seitlich am Rahmen prangt „Scuderia Ferrari“ und es hat einen auffälligen roten Wimpel. Für schlappe 235 Euro zu haben, soll das Kinderfahrrad des Herstellers Komda die Träume der Fünf- bis Achtjährigen erfüllen. So besonders für sich werben muss das im Online-Shop der Motorsport-Marke erhältliche Radl natürlich nicht, denn der anzusprechenden Käuferschicht reicht es bestimmt, dass es rot ist und der Schriftzug draufsteht.
Dennoch darf geschmunzelt werden, wenn das Fahrrad „höchste Leichtigkeit“ verspricht, „die besten zurzeit erhältlichen Bestandteile“ besitzt und natürlich ein „ziemlich einmaliges Design“. Der aufmerksame Leser fragt sich freilich: „Come si dice questo in italiano?“ ...denn auf Italienisch klingt es bestimmt grandios.

„Motobot“ soll fahren wie Valentino Rossi
Hält man sich nicht mit der unwesentlichen Frage nach dem „Warum?“ auf, so ist der autonome, motorradfahrende Humanoidroboter von Yamaha höchst faszinierend. Er greift sogar nach den Sternen – soll er dereinst doch die Rennfahrerlegende Valentino Rossi an Fahrkönnen übertreffen.
Am Motorrad vom Typ YZF-R1 selbst hat der Hersteller keinerlei Änderungen vorgenommen und das Ziel für 2017 ist bereits gesteckt – dass der Roboter die Supersportmaschine auf der Rennstrecke mit über 200 km/h sicher beherrscht.
Dabei ist der Fahrroboter so konstruiert, dass er lenken, Gas geben, bremsen und mit den Füßen schalten kann. Gas gibt er mit einem Servomotor in seiner rechten Faust, Kupplung und Bremse betätigt er mit Hilfe von Klauen an beiden Händen. Unterstützung erhält Motobot von einem Ingenieur, der die Bilder aus der Helmkamera beobachtet und bei der Steuerung hilft. Nur, weil er es kann, fährt Motobot aber nicht durch die Gegend: Der Motorradhersteller erklärt, die in dem Projekt verwendete Technik und das gewonnene Know-how in die Weiterentwicklung von Fahrsicherheits- und Fahrerunterstützungs-Systemen einfließen lassen zu wollen.
Freilich will das Unternehmen diese weiterentwickelte Technik dann auch an den Mann bringen – und hat dafür ein Werbevideo gedreht, in dem die Supersportmaschine, vom Roboter gesteuert, über ein verlassenes Flugfeld braust. Unterlegt ist der zweiminütige Clip mit einer blechernen, naiv-kindlich anmutenden Stimme: Motobot erzählt, was er schon kann und noch lernen will.

Airbag-Weste rettet Leben
Motobot wird sie nicht brauchen, dafür aber jeder menschliche Motorradfahrer, wenn es zu einem Unfall kommt: Sogenannte Airbag-Westen haben Motorrad-Bekleidungsanbieter seit einer Weile im Angebot. Für besonders intelligente und praxistaugliche Gestaltung hat jüngst die Weste von Dainese und Ducati den Ferdinand-Porsche-Preis erhalten.
„Diese innovative Entwicklung verbessert die Sicherheit auf dem Motorrad erheblich“, erklärt Matthias Müller, Vorstandsvorsitzender der Porsche AG. „Jedes installierte Airbag-System schützt Leben und Gesundheit. Das ist für jeden Motorradfahrer eine sinnvolle Investition.“
Auch der ADAC bestätigt in seinem Test, dass das System extrem schnell reagiert, leicht zu handhaben ist, mit anderer Schutzkleidung problemlos zu kombinieren ist und vor allem Rücken und Brust sehr gut schützt, also etwa die gefährlichen Lungenverletzungen verhüten hilft.
Diese Sicherheit hat freilich einen stolzen Preis, zudem müssen die Airbags wieder instandgesetzt werden, wenn sie einmal ausgelöst haben. Auch einen guten Schutz bieten andere Systeme, die rein mechanisch arbeiten und per „Reißleine“ auslösen, allerdings erst, wenn sich der Fahrer beim Sturz vom Motorrad trennt.

Pedelecs weniger gefährlich als gedacht
Nicht so spektakulär geht es bei den E-Bikes zu und dennoch haben auf diese Info viele gewartet: Die Unfallforschung der Versicherer hat eine Studie veröffentlicht, die sich mit elektrisch unterstützten Fahrrädern befasst – und ob diese öfter in Unfälle verwickelt sind als normale Fahrräder.
Freilich liegt die Vermutung nahe, dass mit bis zu 25 km/h oder bei S-Pedelecs bis zu 45 km/h mehr Gefahren drohen als bei geringerer Geschwindigkeit, trotzdem kommen die elektrisch unterstützten Fahrräder laut der Studie nicht vermehrt in kritische Verkehrssituationen.
Eine spezielle Fahrverhaltensstudie wurde über vier Wochen mit 90 teilnehmenden Zweiradfahrern im Alter von 16 bis 83 Jahren durchgeführt. Davon waren 31 Fahrradfahrer, 49 Pedelec-Fahrer und 10 S-Pedelec-Fahrer.
Dabei hat sich gezeigt, dass die Unterschiede in der Nutzung, in den gefahrenen Wegstrecken und bei den Geschwindigkeiten gering sind. Die Fahrer setzen die Motorunterstützung in erster Linie ein, um fahrradähnliche Geschwindigkeiten mit geringerem Aufwand zu erreichen.
Schließlich ergab eine Analyse von verschiedenen Unfallhergängen, dass besonders außerhalb geschlossener Ortschaften gefährliche Unfälle mit Verletzungen oder Todesfolge passieren. Jedoch: „Nicht das Pedelec ist das Problem, sondern die derzeit überwiegende Nutzergruppe“, erklärt UDV-Leiter Siegfried Brockmann.
„Viele Senioren freuen sich über neu gewonnene Mobilität, haben dann aber Schwierigkeiten mit dem Handling des Pedelecs. Hier sind die Händler in einer besonderen Verantwortung, bei der Auswahl des optimalen Geräts sachkundig zu beraten und die Pedelec-Fahrer ausführlich einzuweisen.“
Die älteren Pedelec-Fahrer könnten auch selbst für mehr Sicherheit sorgen, indem sie Fahrtrainings besuchen, beispielsweise bei den Verkehrswachten. „Außerdem sollten sie immer einen Helm tragen“, rät Brockmann.

Das Rad aus dem 3D-Drucker
Geforscht wird immer gern an Universitäten und dabei kommt oft Unkonventionelles heraus. Die TU Delft in den Niederlanden zeigt jetzt ein alltagstaugliches Fahrrad namens „Arc Bicycle“, das im 3D-Drucker entstanden ist. Die fünf jungen Köpfe hinter der Idee haben drei Monate bis zum finalen Objekt gearbeitet.
Aus rostfreiem Edelstahl besteht der 3D-gedruckte Rahmen und damit das Fahrrad nicht Zentner wiegt, sondern nur 12 Kilo, ist der Aufbau in einer netzartigen, dreidimensionalen Struktur gefertigt – das lässt sich in dieser Form nur mit der 3D-Drucktechnik herstellen, denn das Schichtbauverfahren setzt dem Design fertigungstechnisch keine Grenzen.
Auch hierbei hatte ein Roboter seine Hände im Spiel, genauer gesagt ein Schweißroboter der Spezialfirma MX3D. Der Roboter kennt das Software-Modell des Fahrradrahmens und setzt immer exakt dort einen neuen Schweißpunkt, wo die Struktur weitergeht.
Der fertige Rahmen, mit dem das Rad derzeit auf Amsterdams Kopfsteinpflastern seinem Härtetest unterzogen wird, wirkt indes überhaupt nicht wie ein industriell hergestelltes Produkt, sondern ähnelt eher einem organisch gewachsenen Spinnengebilde.
Wie die Technik des 3D-Druckens von Metallbauteilen im Detail funktioniert, können Sie übrigens im themenbezogenen Artikel in dieser Ausgabe nachlesen.

Radwege, die Strom erzeugen
Ebenfalls in den Niederlanden hat eine sonnige Idee Gestalt angenommen. Der erste Solar-Radweg der Welt ist nördlich von Amsterdam entstanden, gebaut vom Konsortium „SolaRoad“. Dabei wurden Solar-Paneele in den Boden eingelassen, um einen rund 70 Meter langen Radweg zu bedecken. Solar-Straßen haben noch einige Entwicklungsstufen zu durchlaufen, bis sie serienreif sind, dann jedoch produzieren sie garantiert 100 Prozent mehr Strom als Straßen ohne Solar-Paneele – und werden so zu einem weiteren Baustein auf dem Weg in eine kohle- und atomkraftfreie Zukunft.
 
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