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Salzachbrücke

Energiemanagement mit System

Wenn uns die Natur in Form eines Blitzschlages oder die Technik mal ein Schnippchen schlagen und wir eine Stunde Stromausfall zu erdulden haben, kommt eine leise Ahnung auf: Welch arme Würstchen wären wir ohne Strom! Und wehe, die Heizung ginge ein, mitten im Winter. Oder es tröpfelte nur kaltes Wasser aus den Rohren ... oder, oder ...

KOMFORT AUF KNOPFDRUCK
Wir sind ihn gewohnt, den Komfort auf Knopfdruck. Wer will darauf verzichten? Bange Frage: bleibt unser Komfort leistbar? Und wie lange noch? Welchen Beitrag können wir, jede/r Einzelne, leisten, um das allgemeine, global vorhandene Energiepotential zu schonen ohne uns selbst zu kasteien?
Wir alle sind aufgefordert, Energie einzusparen – wohl entgegen den Interessen zentralistischer Energie-Großkonzerne, die ihren Aktionären zu Gewinnsteigerungen verpflichtet sind.
Bewusstmachen und seine Gewohnheiten reflektieren, kann schon eine Menge bewirken – vor allem, wenn viele Menschen sich Gedanken machen.

FORSCHUNG UND ENTWICKLUNG
Auch Forschung und Entwicklung haben nicht geschlafen. Nicht nur aus Energie­spar-Idealismus. Schließlich steckt in auslaufenden Techniken künftig weniger Gewinn, auch wenn er noch ausgequetscht wird bis zum letzten Quäntchen (deutlich etwa in der Automobilindustrie).
Parallel zum Herkömmlichen wurde ein mittlerweile riesengroßes Angebot an alternativen oder ergänzenden Energiesystemen entwickelt, auf Fachmessen wird der Interessierte und nach Langzeit-Lösungen Suchende von Unmengen an Informationsmaterial überhäuft, das auf den ersten Blick mehr verunsichert als Klarheit schafft. Ohne fachkundige Beratung geht gar nichts.

GEWINNMAXIMIERUNG
Was gibt es nun an revolutionären Erneue­rungen? Der Grundgedanke ist nicht mehr taufrisch: Hinwendung zu erneuerbaren Energien. Die Sonne strahlt, der Wind bläst, Wasser fließt, Pflanzen wachsen unverdrossen nach ... all das kann vom Menschen genützt werden. Klingt recht simpel. Aber so einfach ist es nicht, denn auch im Bereich erneuerbarer Energien, einem grundsätzlich anständigen Lösungsgedanken, verbergen sich Gefahren für unseren Globus: Das Ausquetschen bis zum letzten Quäntchen, wie bereits erwähnt, ohne Maß aber mit Ziel – der Gewinnmaximierung – Auspowern jeden Baches, Kraftwerke überall wo Wasser sprudelt, Windräder auf jedem Hügel, Starkstromleitungen im Blickfeld von Siedlungen, weitgedehnte Mais- und Getreidefelder nicht mehr für Lebensmittel, sondern zur Energiegewinnung, Raubbau in Regenwäldern zur Anlage von Palmölplantagen – Geschäftemachen unter „grünem Mäntelchen“.

MIX AUS MEHREREN QUELLEN
Wie inzwischen hinlänglich belegt, kann uns künftig nur ein Mix aus verschiedenen Energiequellen den gewünschten Standard erhalten, bei gleichzeitigem bewusstem Einsparen.
Ein wichtiger Teil der Energiesparmöglichkeiten besteht auf dem Gebäudesektor, vorausschauend bei Neubauten oder nachträglich bei Haussanierungen.
Auch hier spielt eine menschliche Tendenz herein: Was man kennt, worüber man informiert ist, das favorisiert man. „Ideologien“ entwickeln sich, schwören die einen auf Holz, rennen andere dem Gas nach, für manche sind Solarkollektoren das Non plus Ultra, andere denken an Erdwärme, von Kernenergie reden wir nicht mehr.
Das Angebot ist vielfältig, reden wir lieber über regenerative Energiesysteme, die Komfort gewähren und mit Ressourcen möglichst verlustfrei umgehen.

WÄRME DURCH SONNE
Sonnenkollektoren der neuen Generation sind Hochleister aus hagelschlaggeprüftem Sicherheits-Spezialglas, sind in unterschiedlichen Modulgrößen für Auf-, In- und Flachdachmontage geeignet, vom Häuschen bis zur Industriehalle. Schnelle Wärmeübertragung bei geringen Wärmeverlusten und hohem solaren Deckungsanteil auch im Winter machen sich bezahlt. Bei entsprechendem Be- und Entlüftungssystem zur Vermeidung von Kondensation besteht auch die Möglichkeit zur Verbindung mit einem Wärmepumpenbetrieb.

WÄRMEPUMPE MIT KÄLTEUMKEHR
Wärmepumpen sind für Neubauten und teils auch für nachträgliche Modernisierung geeignet, der Raumbedarf ist gering. Moderne Wärmepumpen sind geräuscharm und servicefreundlich. Interessant ist die Integration einer Kältekreisumdrehung, die man bei Bedarf zur Klimaanlage umstellen kann, Heizung und Kühlung erfolgen vollautomatisch. Kostenlose, regenerative Energie wird dabei höchstmöglich genutzt, die Geräte sind weitgehend wartungsfrei.

FLÄCHENHEIZ- UND KÜHLSYSTEME
Ob im Fußboden oder vertikal in der Wand, sorgen Flächensysteme für Heizung oder Kühlung und für gleichmäßige Temperaturverteilung. Der hohe Strahlungsenergieanteil lässt auch bei niedrigen Temperaturen eine gemütliche Wärme empfinden.
Umweltwärme wird in höchstem Grad genutzt, dank niedriger Vorlauftemperaturen wird Energie gespart. Hohe Lebensdauer und flächenmäßige Varianten machen diese Systeme gleichermaßen tauglich für Einfamilienhäuser und Großbauten.

THERMOAKTIVE BAUTEILSYSTEME
Werden Heizungsrohre direkt in die Betondecke eingelegt, so dass die gesamte Betonmasse der Decke dadurch erwärmt wird, wirkt sie als Wärme­strahler für den Raum. Die „thermische Masse“ der Gebäudestruktur wird also aktiv in das Energiemanagement einbezogen, man spricht von thermoaktiven Bauteilsystemen. Vorteile: Energieeffizienzsteigerung, Energieeinsparung bis 40 Prozent, gleichmäßige Temperierung, unsichtbare Technik, effektive Anwendung von Niedrigenergie und hohe Ausnutzung solarer Energie.

GANZJÄHRIGER EINSATZ
Basierend auf dem Muster der regenerativen Wärmerückgewinnung arbeiten Lüftungsgeräte. Ein rotierender Wärmetauscher entzieht winters die Wärme der Abluft und überträgt sie auf die kalte Außenluft – so gelangt erwärmte Zuluft ins Innere, die Effizienz der Wärmerückgewinnung wird mit bis zu 85 Prozent im Jahr angegeben. Vorteile: Wärme oder Kühlung möglich, Feuchterückgewinnung verhindert Schimmelbildung, geringe Wartungskosten. Vorteil geschlossener Fenster: weniger Lüftungswärmeverluste, weniger Lärm, weniger Pollenstaub, keine Mücken etc.

GESAMTLÖSUNG
Energietechnische „Erzeugungseinheiten“ zu verbinden, ist Gebot der Stunde. Universitätslehrgänge befassen sich mit dem Komplex Energiemanagement.
Solarkollektoren, Wärmepumpe und Speicherlösung werden zu einer Gesamtlösung zusammengefasst. Bei genau aufeinander abgestimmten Systemkomponenten kann eine solare Deckung von 95 Prozent erzielt werden, bei völliger Unabhängigkeit von Brennstoffen. Die Sonnenenergie wird im und unter dem Gebäude gespeichert, hohe Temperaturen gehen ins Brauchwasser, mittlere Temperaturen in einen Pufferspeicher zur Unterstützung der Heizung. Zusätzlich können thermoaktive Bauteilsysteme zur Erwärmung eines Schwimmbades genutzt werden.
Solarthermische Überschussenergie kann in einem Erdsolespeicher eingelagert und zeitversetzt für die Energiezufuhr von Wärmepumpen genutzt werden. Die Errichtung eines derartigen Langzeitspeichers erfolgt unter dem Bodenaufbau eines Gebäudes, was Speicherverluste minimiert. Den Rest besorgt eine intelligente Regelungstechnik, bei einfacher Bedienung.

ENERGIEBILANZ
Mit der Installation einer modernen Energiemanagement-Anlage ist natürlich nicht alles getan: Für die Erreichung einer guten Energiebilanz eines Hauses spielen Bausubstanz, Dämmung und Isolierung, Kälte-/Wärmebrücken, Beschaffenheit der Fenster und Türen bis hin zur Beschattung wichtige Rollen – auch Grundriss und Standort müssen bedacht werden.

WIE SIEHT ES MIT DER PRAKTISCHEN UMSETZUNG AUS?
Die SALZACHbrücke sprach mit einem Mann „an der Front“, mit Rudolf Kreuz­-eder von der Kurt Bobaz GmbH in Saaldorf-Surheim.
SALZACHbrücke: Was ist das ideale Heizsystem?
Rudolf Kreuzeder: Das optimale Heizsystem gibt es leider noch nicht. Ständig werden neue Entwicklungen vorgestellt, da ist vieles im Gange.

SB: Der nächste Winter kommt bestimmt. Kann man jetzt noch, rechtzeitig zum nächsten Winter an eine Verbesserung der Energiesituation in den Bereichen Heizung und Warmwasser herangehen?
Kreuzeder: Es ist noch nicht zu spät, man kann durchaus noch etwas erreichen.

SB: Wie schaut der Ablauf einer Sanierung aus?
Kreuzeder: Als erstes muss der Bestand erfasst werden. Was ist vorhanden, welche Möglichkeiten ergeben sich dadurch? Viele Faktoren spielen mit! Voraussetzung für die Installation einer Wärmepumpe ist eine vorhandene Fußbodenheizung.
Andere Frage: besteht ein Gasanschluss? Das ist auf dem Land oft nicht der Fall. Wie sind im konkreten Fall die Möglichkeiten mit Solarenergie? Ist die Ausrichtung des Hauses günstig, ist eine Solar-Nachrüstung fast immer möglich. Man kann die Leitungen durch einen leeren Kamin oder Lüftungsschacht ziehen, auch außen mit entsprechender Dämmung.

SB: Wie sieht es mit Ölheizungen aus?
Kreuzeder: In Neubauten werden sie nicht mehr eingebaut. Bei Sanierungen sind Ölheizungen noch aktuell, etwa 50:50 mit Gasheizungen, oft kombiniert mit Solar.

SB: Und Holz?
Kreuzeder: Die meisten Kunden, die sich für Holz entscheiden, tun das entweder für Pellets-, Hackschnitzel- oder Scheitholz-Brenner. Viele Hersteller bieten Kessel an, bei denen unterschiedliche  Holzformen verheizt werden können. Häufig wird auch hier mit Solarenergie kombiniert.

SB: Wie sieht die Zukunft aus?
Kreuzeder: Mini-Blockheizkraftwerke werden sicher ein bedeutendes Thema. Damit können durch die Kraft-Wärme-Koppe­lung gleichzeitig Wärme, warmes Wasser und Strom erzeugt werden.

Sylvia Nachtmann

 
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