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Salzachbrücke

Gut bedacht

Im Lauf der Architekturgeschichte entwickelten sich unterschiedliche Dachformen. Begonnen hat’s wohl mit pultdachähnlichen Abdeckungen von Schutz- oder Wohngruben, in denen unsere frühen Vorfahren vor Schlechtwetter ein wenig Geborgenheit suchten. Auch Sattel- und Walmdächer sollen in Folge derartige Gruben überdacht haben, und als irgendwann stehende Mauern errichtet werden konnten, war der Siegeszug der heute vertrauten Dachformen nicht mehr aufzuhalten – man betrachte Rekonstruktionen von Haustypen vor etwa 2500 Jahren (Dürrnberg bei Hallein, Mattsee) oder Pfahlbauten aus der Jungsteinzeit.

ZEIT- UND LANDSCHAFTSPRÄGEND
Inzwischen sind Dächer – je nach Ländern – genormt-definierte Gebilde und soweit die ortsüblichen Gemeindevorschriften es erlauben, wäre jede Dachform technisch umsetzbar – vom Flachdach und Pultdach (etwa 20 Grad nach Süden) über das flach geneigte und geneigte Dach bis zum Steildach.
Jede Zeit hat ihre Moden. Helmut Schmalzl, Fachberater von Prefa Dach: „Die Dächer werden jetzt immer flacher, etwa Stehfalzdächer mit fünf Grad Neigung.“ Bei den Dachplatten mit 40 x 60 cm sind Neigungswinkel bis zwölf Grad üblich. „Steingrau, Anthrazit, Braun, Hellgrau und Oxydrot“, so reiht Schmalzl die aktuellen Lieblingsfarben und listet auch gleich einige weitere Vorteile auf: Aluminiumdächer sind rostfrei, sturmsicher (daher auch auf Berghütten sinnvoll). Mit 2,3 kg/m2 sind sie federleicht und für Sanierungen auf alten Dachstühlen geeignet. Und das Alu befindet sich durch einen Anteil von 90 Prozent Sekundäraluminium in einem günstigen Energiekreislauf.

HISTORISCHE ENTWICKLUNG
Eine formale Bereicherung der herkömmlichen Sparren- und Pfettendächer erfolgte durch die „Erfindung“ des Mansardendaches im 18. Jahrhundert mit seiner vielfältigen Formgebung zur Schaffung neuer Wohnräume unterm Dach – ursprünglich in Paris, dann in allen europäischen Großstädten. Über die Jahrhunderte kam es zur Ausbildung abwechslungsreicher und trotzdem harmonischer „Dachlandschaften“. Berühmte Beispiele dafür sind Altstadtdächer, aber auch moderne Szenen in neuen Formen und Materialien. Beide Extreme – alt und heutig – sind ein berühmtes „Markenzeichen“ der Stadt Graz.

REGIONALE AKZENTE
Die Dacheindeckung unterstreicht den Stil des Einzelhauses. Südländische Dachziegel in speziellen Formen und Farben der warmen Ocker-Terrakotta-Rot-Palette oder kühler Charme in hochglänzendem Blau oder Schwarz sind markante Gegensätze.
Traditionelle Dachziegel geben sich zeitlos und können zurückhaltend oder farbig akzentuierend sein.
Dachsteine sind ebenfalls Klassiker, ihr Erscheinungsbild kann fast sämtliche denkbaren Möglichkeiten ausdrücken, in breiter Farbpalette. Durch Beschichtung setzen sich auf glatten Oberflächen Schmutzpartikel kaum fest und die Optik bleibt über lange Zeit wie neu.
Apropos lange Zeit: Namhafte Hersteller moderner Deckmaterialien gewähren jahrzehntelange Garantien.

KUPFER UND ZINK
Zu den ältesten noch in Gebrauch befindlichen Dachmaterialien zählt Kupfer.
Seit einigen Jahrhunderten wird mit Kupfer eingedeckt – heute werden Kupferdächer mit Vorliebe bei Sanierungen und Restaurierungen aufgebracht. Allerdings kam das wertvolle Kupfer sowie auch Zink aus Umweltgründen ins Gespräch: es könnte ein Eintrag dieser Schwermetalle ins Grundwasser erfolgen.
Dachdecker bieten meist ein breites Spektrum an, von Blechdächern wie Kupferdächern und Dächern aus verzinkten, farb- oder aluminiumbeschichteten Blechen, Edelstahlblechen oder Rheinzinkblechen sowie Ziegeldächer aus Eternit-Betondachstein, Bramac-Dachstein und Tondachstein.

WITTERUNGSFESTE HOLZSCHINDELN
Holzdächer nehmen eine besondere Rolle ein, manche Planer schwören darauf. Holzdächer gelten als langlebig und eignen sich zur individuellen Gestaltung. So wird manche Holzüberdachung, auch im kleinen Umfang von Terrassen oder Carports, zum zierenden Blickfang.
Holzschindeln werden als unkompliziert gepriesen, soferne es sich um witterungsfeste, harz- und ölhaltige Holzarten handelt – man lasse sie von Sonne und Wetter tönen, bis sie ihre „Patina“ erhalten. In Sonderfällen kann für Imprägnierungen entschieden werden.
Wichtig bei Holzschindeln: Der Neigungswinkel muss höher als 18 Grad sein. Und eine alte Zimmermannsregel besagt: Je steiler das Dach, desto höher die Lebensdauer – wobei auch örtliche Seehöhe und Klima mitbestimmen. Und weiter heißt es, über den Daumen gepeilt: Lärchenschindeln halten so viele Jahre wie der Neigungswinkel in Graden angibt; ähnlich steht es um gespaltene Zedernschindeln. Gelbzeder und kanadische Rotzeder sind haltbarer. Ein Vorteil: Da jede Schindel befestigt wird, widerstehen sie Stürmen (eher fliegt in Extremsituationen das ganze Dach davon, gelegentlich in Nordamerika) und Schneelasten sind kein Problem (siehe inneralpine Dachdeck-Tradition).
Auf die Frage nach der Brennbarkeit von Schindeldächern und -fassaden antworten diverse bautechnische Untersuchungen beruhigend, mit guten Klassifizierungen.

PLATZ FÜR INSTALLATIONEN
Das Dach bietet Platz und Fläche für diverse Installationen, von Blitzschutzanlagen, Satellitenschüsseln und Dachantennen bis hin zu den Solaranlagen, die oft rund um Schornsteine, Dachfenster und Gauben die Sonnenenergie einfangen.   
 
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