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Salzachbrücke

Mehr Licht…

Mag. Thomas Haas

Nicht bloß in Australien, auch im burgenländischen Bad Tatzmannsdorf verweist man die US-Amerikaner in Sachen Brachial-Weihnachtsbeleuchtung auf die Ränge: Jeweils über eine halbe Million Lamperl bilden am fünften Kontinent eine begehbare Lichterwelt aus leuchtenden und blinkenden Wänden, Bögen und Figuren, im Osten Österreichs setzen sie das gesamte Anwesen samt Haus und Pool stimmungsvoll in Szene. Da stecken von Anfang Oktober an eine Menge Arbeitsstunden im Aufbau – von den Stromkosten gar nicht zu reden.

WENN RUDIS NASE ROT BLINKT…
Der exzessive Wettkampf um die immer noch üppigere und schrillere Weihnachtsbeleuchtung hat im SALZACHbrücken-Land gottlob noch nicht Platz gegriffen. Wenn auch da und dort im Advent Rentierschlitten und Weihnachtsmänner aus Gärten und von Dächern blinken; vorerst bloß als unterhaltsamer Blickfang inmitten eines doch zunehmenden Lichtermeeres rund um die Weihnachtszeit. Hauskanten, Balkone, Giebel und Fassaden werden immer öfter mit Lichterketten und -netzen geschmückt, als wollte man die Silhouette der Bauten auch im Finstern nachzeichnen.
Zugegeben macht es einen freundlichen Eindruck, wenn im Zentrum von Gemeinden ganze Häuserzeilen Jahr für Jahr in festlichem Glanz erstrahlen. Auch außerhalb von Ortschaften erhellen vereinzelte Girlanden und erst recht die traditionellen Lichterbäume neben den Winterabenden auch die Herzen der Vorüberziehenden. Nicht bloß das christliche Weihnachten, auch viele archaische Winterfeste trotzten der finsteren Jahreszeit mit dem hoffnungspendenden Lichterschein der Kerzen. Bleibt zu hoffen, dass diese belebende Wirkung nicht auch bei uns bald in übertrieben greller Neon- und LED-Durchflutung untergeht.

LICHTVERSCHMUTZUNG
Die Karten verschiedener Forschungseinrichtungen und Initiativen gegen Lichtverschmutzung zeichnen einhellig ein geteiltes Bild des SALZACHbrücken-Landes: Auf der österreichischen Seite wird der Nachthimmel mit Lichtemissionen ähnlich dem Randbereich von Ballungsräumen bestrahlt. Demgegenüber liegen weite Teile des bayerischen Rupertiwinkels – unter anderem dank einer konsequenten Raumordnungspolitik – in wohltuendem Dunkel. Nun stellt sich die Frage, was es denn überhaupt auf sich hat mit der Lichtverschmutzung und ob hier nicht zuviel Aufhebens um das bisschen Beleuchtung gemacht wird?
Zunächst ist davon auszugehen, dass jene Menge Lichts, die gen Himmel strahlt, keinen Nutzen entfaltet – sieht man einmal von punktuellen Warnlichtern für den Flugverkehr ab. Wenn wir Bodenflächen oder Gebäude beleuchten wollen, so kann dies am Stand der Technik ohne weiteres so erfolgen, dass höchstens ein minimaler Bruchteil des ausgestrahlten Lichtes seitlich oder nach oben entweicht. Damit lässt sich auch die Verschwendung von Energie vermeiden, da bei zielgerichteter Beleuchtung auch die Lichtstärke entsprechend verringert werden kann.
Neben dem wirtschaftlichen Aspekt schlägt freilich auch die klimawirksame Komponente des Energieverbrauchs zu Buche. Auch die Natur selbst leidet unter bis zu taghell ausgeleuchteten Nächten. Viele Tiere werden aus ihrem natürlichen Rhythmus geworfen, was zu Verhaltensstörungen und Fehlentwicklungen führen kann. Der menschliche Organismus ist ebenfalls auf eine dunkle Nacht hin angelegt. Schlafstörungen und Stresssymptome können weitreichende gesundheitliche und seelische Probleme nach sich ziehen. Schließlich gehen von blendenden Lichtquellen unmittelbare Gefahren vor allem im Straßenverkehr aus. Ganz zu schweigen von der oft tödlich irritierenden Wirkung von Skybeamern (von Discotheken gerne als Werbemittel eingesetzt) für Zugvögel oder jener von herkömmlichen Scheinwerfern für viele – auch bedrohte – Insektenarten.

STERNDERL SCHAUN?
Überschüssiges Licht von „falschen“ Straßenlaternen, Parkplatzbeleuchtungen, Werbetafeln und vielen anderen Quellen mehr strahlt diffus in alle Richtungen aus und erhellt den bodennahen Luftraum über Gebühr. Darüber bildet es eine Art Lichtsmog, der den freien Blick auf den Nachthimmel verblendet. Nun haben wir aber seit Menschengedenken unschätzbare Erkenntnisse aus Stand und Gang der Gestirne gewonnen. Viele Kulturen wären ohne dieses Wissen erst gar nicht überlebensfähig gewesen. Selbst heute ist die Arbeit der Astronomen noch lange nicht erschöpft. Die Forschung findet sich zwar da und dort noch geeignete Sichtfenster, aber der Einzelne verliert die Bedeutung des Sternenhimmels immer mehr aus dem Blickfeld. Nicht umsonst wird der Ruf nach einem Schutz des frei sichtbaren Nacht­himmels als Natur und seiner Beobachtung als Kulturerbe immer lauter.
Trotzdem werden immer noch Straßenlampen aufgestellt, die nach dem Prinzip einer Laterne mit Kerze nicht nach unten, sondern vor allem seitlich oder gar nach oben abstrahlen. Es ist daher notwendig, ein entsprechendes Bewusstsein zumindest in der Bevölkerung zu schaffen, die eine solche Energieverschwendung ja im Endeffekt bezahlt. Jeder Einzelne hat aber auch im privaten Rahmen je nach Wohnsituation mehr oder weniger großen Gestaltungsspielraum zum Eindämmen von Lichtemissionen. Beim Hoflicht und im Carport, auf Geh- und Fahrwegen oder im Pool, auf Treppen, Terrassen oder auch bloß am Balkon – überall stellt sich die Frage nach jener Menge Licht, die zu einem bestimmten Zweck dort gebraucht oder gewünscht wird, und nach der technischen Lösung, dieses Licht örtlich und zeitlich möglichst effizient bereitzustellen.

SAFETY & SECURITY
Der erste und wichtigste Grund für künstliche Beleuchtung im Außenbereich ist jener der Sicherheit – und zwar in zweifacher Hinsicht. Zum einen ist im Sinne einer sicheren Fortbewegung niemandem zuzumuten, sich in Düsternis und Zwielicht an seine Wohnstatt heranzutasten. Gerade ältere Menschen sind auf umso besser ausgeleuchtete Wege angewiesen, um nicht an kleinen Kanten oder Hindernissen zu Sturz zu kommen. Die Beleuchtung der Strecken zu Garage, Carport, Haustür oder zu Nebengebäuden ist also zumindest für jene Zeitspanne sinnvoll und vertretbar, da sie benutzt werden. Bewegungsmelder kombiniert mit entsprechend schnell aufleuchtenden Lichtquellen scheinen hier die optimale Sicherheit zu gewährleisten; stets mit Bedacht auf die Vermeidung von Streulicht, was bei entsprechend bodennaher Anbringung auch relativ leicht gelingt. Gleiches gilt übrigens für Treppen, wo mit LED-Einbauvarianten in der Seitenwand bereits eine sehr gut gebündelte Ausleuchtung zu erzielen ist.
Die andere Seite der Sicherheit richtet sich gegen ungebetene Gäste. „Im Dunkeln ist gut munkeln“, heißt es nicht umsonst. Bevor man allerdings Vorhof und Garten mit 500 Watt-Strahlern ausleuchtet wie ein amerikanisches Hochsicherheitsgefängnis, lohnt es doch, sich ein paar Gedanken über das tatsächliche Risiko und die entsprechend einzusetzenden Mittel zu machen. Immerhin leben wir im SALZACHbrücken-Land gottlob noch immer gleichsam auf einer Insel der Seligen. Wenn da oder dort ein Einbruch passiert, ist das immer noch eine Meldung wert – weil es eben doch vergleichsweise selten vorkommt. Und die bis zur Peinlichkeit bemühte Angst vor Ausländern, welchen Status und welcher Herkunft auch immer, lässt sich selbst bei noch so heftigem Schüren doch nicht statistisch begründen.
Nichtsdestotrotz erwächst in manchen Menschen aus Unsicherheit, schlechten Erfahrungen oder der eigenen körperlichen Hilflosigkeit ein verständliches Bedürfnis nach Schutz. Und in der Tat kann eine entsprechende Ausleuchtung – erst recht bei offenen Sichtachsen nach außen – potentielle Einbrecher durchaus von ihrem Vorhaben abbringen. Hier ist man mit einem ausgeklügelten System von Bewegungsmeldern, Strahlern und – soweit erforderlich – auch einer Alarmanlage gut beraten, das die entsprechenden Fachleute entwerfen und installieren.

SCHÖNHEIT JA, ABER SCHONEND
Schließlich soll hier das ästhetische Ansinnen nicht gänzlich verdammt werden, Haus und Hof schlicht der stimmungsvollen Optik wegen ins rechte Licht zu rücken. Solange dies schonend und unter Rücksichtnahme vor allem auf die unmittelbaren Nachbarn geschieht, bleibt es freilich jedem unbenommen, Licht auch bewusst als Gestaltungselement einzusetzen. Besonders stimmige Lichtkompositionen lassen sich etwa durch Kombination verschiedenartiger Leuchtquellen erzielen. Wer solches plant, holt wohl ohnehin zunächst fachlichen Rat ein. Generell gilt der Grundsatz, dass erst der Wechsel von helleren und dunkleren Bereichen die Aufmerksamkeit auf die beleuchteten Stellen lenkt. Allerdings wird allgemein empfohlen, harte Übergänge zwischen hell und dunkel zu vermeiden; und das nicht bloß der Gefahren auf Grund der Gewöhnungszeit des menschlichen Auges wegen.
Beim Kauf der Leuchtkörper sollten Sie immer auf die Verwendbarkeit im Außenbereich achten, die etwa durch die Klassifizierung „IP 44“ kenntlich gemacht wird. Hinsichtlich der Entscheidung für ein bestimmtes Leuchtmittel kann heute guten Gewissens eine Empfehlung in Richtung LED- oder Halogen-Technologie abgegeben werden. Die Produkte sind bereits sehr ausdifferenziert gestaltet und in Sachen Lichtfarbe und Installationsfreundlichkeit weitgehend auf die individuelle Gestaltung ausgerichtet; überdies haben sie sich am Markt bereits derart etabliert, dass auch der anfangs noch hohe Preis immer mehr an Schrecken verliert. Derzeit nur von untergeordneter, auf der sommerlichen Terrasse aber von umso größerer Bedeutung ist ein weiterer Vorteil von LED-Leuchten: Mangels UV-Anteil im ausgestrahlten Licht hat dieses keine anziehende Wirkung auf Insekten.
Der Energieverbrauch gerade von LED-Lampen ist mithin bereits so niedrig, dass manche Exemplare angesichts der erwarteten Lebensdauer einen Austausch des Leuchtmittels gar nicht mehr vorsehen. Ob dieser neue Wegwerftrend die Energieeinsparung im Endeffekt nicht erst wieder ad absurdum führt, sei dahingestellt. Apropos Energiesparen: Sollten Sie im Bereich Außenbeleuchtung besonders gute Lösungen gefunden oder eine ausgefallene Idee haben, wie mit weniger Energie gute Ergebnisse erzielt werden können, dann machen Sie doch mit bei unserem SALZACHbrücke-Gewinnspiel zum Energiesparen! Näheres im Beitrag „Energie ist Allgemeingut“ von Sylvia Nachtmann.
 
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