. .
Salzachbrücke

Moderne Pflege an alten Obstbäumen

Anders als in der allgemeinen Baumpflege hat man in der Obstbaumpflege mit auf Ertrag gezüchteten Kulturpflanzen zu tun. Die so auf die Bäume einwirkenden Fruchtlasten erfordern es, ein höheres Augenmerk auf die Statik des Baumes zu legen. Auch wenn für den großen, alten Obstbaum sein ökologischer Nutzen an Bedeutung gewinnt, ist der Fruchtertrag immer noch ein wichtiges Pflegeziel. Auch wenn an alten Obstbäumen eine eher extensive Ertragsnutzung vorausgesetzt wird, sollten Schnitteingriffe gleichzeitig auch die Lebenserwartung des Baumes beeinflussen. Es kann aber auch passieren, dass bei einer ausgesprochen ertragsorientierten Nutzung die Baumgesundheit beeinträchtigt wird.
Welche Schnittmethode angewandt und auch wie stark eingegriffen wird, hängt ab von der Stabilität des Baumes, seiner Vitalität und seiner Nutzbarkeit. Stark verminderte Stabilität ist die Ursache für den Verlust zahlreicher alter Bäume. Wenn starke Äste abreißen oder ganze Kronenteile ausbrechen, schädigt es den Baum erheblich. Bruchgefährdet sind statisch ungünstig geformte Kronen, die stark gekrümmte und weit ausladende Äste haben. Sogenannte Schlitzäste erhöhen die Gefahr des Auseinanderbrechens auch noch.
Nachlassende Vitalität zeigt sich an verschiedenen Symptomen. Wichtigstes für den Baumpfleger ist das Verhältnis von Lang- zu Kurztrieben. Alte ungepflegte Obstbäume bilden nur noch Kurztriebe, die man auch Quirlholz nennt. Man spricht dann vom vergreisten Baum. Eine eingeschränkte Nutzbarkeit stark verdichteter oder überbauter Kronen hat hingegen keinen direkten Einfluss auf die Lebensdauer eines Baumes.
Durch die Bildung starker Konkurrenztriebe im oberen Kronenbereich wandert die Ertragszone zunehmend nach oben und nach außen und der Baum ist aufwendiger zu bewirtschaften. Dies hat auf Dauer auch eine ungünstige Statik zur Folge. Diese Kronen müssen dann stark eingekürzt werden, um die Bruchgefahr zu vermindern. Auch müssen solche Kronen im Inneren ausgelichtet werden, um die Totholz-Bildung zu vermeiden. Diese Maßnahmen nennt man Verjüngungsschnitt, dieser soll das physiologische Gleichgewicht des Baumes wiederherstellen. Bäume mit zu dichter Krone bilden nur noch kurzes Fruchtholz mit Blütenknospen, wo nur mehr kleine Früchte mit schlechter Qualität entstehen. Die so verminderte Bildung von Assimilaten schwächt den ganzen Baum und führt dazu, dass er schneller altert.
Beim Schnitt sollte auch beachtet werden, dass die Krone wieder eine Pyramidenform erhält. Eine überbaute Krone lässt die unteren Äste aushungern, was auch zur Totholz-Bildung führt. Mit diesen Schnittmaßnahmen kann man auch alte Obstbäume wieder zu einem guten Ertrag mit qualitativ hochwertigen Früchten bringen. Natürlich sollte bei diesen Maßnahmen auch auf die Düngung des Baumes nicht vergessen werden. Der Zeitpunkt dieser Arbeit ist die absolute Winterruhe, um den Baum nicht zusätzlich zu schwächen.
 
Werbung