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Salzachbrücke

Palmen, Vulkane und Barrancos

Das ganze Jahr über finden Touristen auf den Kanarischen Inseln angenehme Temperaturen, sogar im Jänner oder Februar kann man im Meer baden. Aber besonders für Aktivurlauber ist die Insel ein Paradies.

Christian Schickmayr
Kurzentschlossen haben wir die Semesterferien zu einem Wanderurlaub auf Gran Canaria genutzt. Sehr günstige Flüge ab München (ca. 170 Euro) und preislich attraktive Quartiere in Küstennähe machten uns die Entscheidung leicht. Die weite Entfernung der Inselgruppe im Atlantik – sie liegt auf Höhe von Südmarokko an der Grenze zu Westsahara – erfordert aber doch jeweils einen ganzen Tag für An- und Abreise. In München musste unser Flugzeug bei –4° C vor dem Start noch enteist werden. Als wir dann um 12 Uhr Mittag (mit einer Stunde Zeitverschiebung) in Las Palmas de Gran Canaria landen, hat es +24° C. Die Winterjacken können wir nun also wegpacken.

Surfen, baden und Prominieren an der Küste
Die am Ankunftstag extrem hohe Brandung – bis zu fünf Meter hohe Wellen rollen auf die Küste zu und erfreuen zahlreiche Wellenreiter – hat mit einer seltenen Kombination an Springflut, Mondstand und einem Sturmtief im Norden zu tun. Der kleine Bungalow, den wir beziehen, liegt direkt an der Felsenküste und wird regelmäßig von der Gischt eingehüllt. Die Terrasse kann somit bestenfalls zu einer Salzwasserdusche genutzt werden. So wechseln wir über zur Promenade von Isleta nördlich von Las Palmas, die an einem herrlichen Sandstrand entlangführt. Ein natürliches Riff ca. 50 Meter vor dem Strand bricht die Wellen und erlaubt somit jederzeit das Baden im Meer. Leider ist die Promenade durch Hotels, Appartementhäuser und Restaurants lückenlos und ästhetisch mehr als fragwürdig verbaut, sodass wir die Dauer unseres Aufenthalts hier nur auf den Genuss einer sehr guten Paella beschränken.  

Üppige Vegetation an steilen Bergflanken
Ab heute geht es in die Berge. Sobald man die Küstenautobahn verlässt, befindet man sich auf extrem kurvigen und schmalen Bergstraßen. Trotz der geringen Entfernungen zu den Orten im Inland ist man für 30 Kilometer locker eine Stunde unterwegs. Gegenverkehr, Linienbusse und Radfahrer zwingen immer wieder zu Schritttempo. Doch auch die Schönheit der Landschaft erlaubt kein schnelleres Fortkommen. Regelmäßig halten wir mit der Kamera bewaffnet an und begeistern uns an den steilen Bergflanken und Schluchten (Barrancos genannt), gesäumt mit Palmen, unzähligen Kakteen, blühenden Mandelbäumen, Kiefernwälder und Eukalyptusbäumen, welche vorwiegend den Straßenrand säumen. Nicht ganz ungefährlich, wie wir feststellen müssen. Das Sturmtief, welches am Vortag das Brandungsschauspiel lieferte, sorgt heute für fliegende Äste in den Bergen. Der Wind wird sogar so stark, dass wir vorübergehend Schutz in der Tiefgarage von Teror suchen und in einer Bar einkehren. Am Weg dorthin liegen Palmwedel, armdicke Äste und Glasscherben von eingedrückten Fenstern auf der Straße. Bis das Schlimmste vorbei ist, genießen wir einen Gemüseeintopf und danach herrlichen gegrillten Meerbarsch und Codfisch (Kabeljau) mit den für Gran Canaria typischen in Salzwasser gekochten Kartoffeln. Köstlich! Dazu frisch gezapftes Bier und kühlen trockenen Weißwein. Alles zu einem sehr günstigen Preis. Von mir aus könnte es noch länger stürmen...!

Wanderung am Kraterrand
Ganz in der Nähe befindet sich der jüngste und besterhaltene Vulkankrater der Insel, die Caldera de Bandama (Titelfoto) mit herrlichem Rundblick auf Las Palmas und das Inland. Die Sonne scheint wieder, der Wind hat nachgelassen und die Umrundung des Kraters ist in einer guten Stunde zu machen. Mit den zahlreichen Fotostopps und Panoramaaufnahmen wurde es dann doch wesentlich mehr, doch der Tag ist lang, die Sonne scheint hier um einiges länger als bei uns. Erst nach 19 Uhr geht sie unter, geht dafür aber später auf.
Die von Vulkanismus und Erosion geprägte Bergwelt Gran Canarias mit immerhin bis zu 1950 Meter hohen Gipfeln ist ein Paradies für Wanderer und Mountainbiker. Allerdings herrscht in den Bergen ein völlig anderes Klima wie an der nur wenige Kilometer entfernten Küste. Passatwolken hüllen gerne die Gipfel im Westen der Insel ein und kühlen bei einsetzendem Regen schnell und empfindlich ab. Das Wegenetz ist im Allgemeinen gut ausgeschildert und bietet Wanderungen in allen Längen und Schwierigkeitsgraden. Viele Ausgangspunkte sind auch mit dem öffentlichen Bus erreichbar, wobei manchmal viel Geduld erforderlich ist. Die angegebenen „ungefähren Abfahrtszeiten“ sind tatsächlich sehr flexibel. Bei unserer geplanten 16 km-Wanderung von Arteara nach Maspalomas durch den Barranco de Fagana wollten wir das Warten auf den Bus schon aufgeben, als er mit 30 Min. Verspätung dann doch noch vorfuhr.
Doch das Warten hat sich gelohnt – unser Ausgangspunkt Arteara ist eine fruchtbare Oase mit hunderten riesigen Palmen, Kakteen und dazwischen angelegten Feldern. Der Weg durch den Barranco in Richtung Küste hingegen ist trocken und wird von steilen rotbraunen Felswänden gerahmt. Beim Abstieg zum Meer durchwandern wir verschiedene Vegetationszonen, um nach rund fünf Stunden auf den berühmten Wanderdünen von Maspalomas den Sonnenuntergang zu bewundern. Ansonsten kann vor dieser Massentourismus-Siedlung im Süden der Insel nur abgeraten werden. Dutzende aneinandergereihte riesige Hotelanlagen, Shoppingzentren und Rambazamba lassen uns schleunigst wieder zu unserem Quartier im Norden flüchten.   
Die steilen Hänge an der Westküste nahe Agaete sowie die mit Kiefern bewachsenen Berge um San Bartolomé de Tirajana sind unsere Ziele für die nächsten Tage. Meist wandern wir alleine bzw. mit nur wenigen Gleichgesinnten. Bei erholsamen Abenden in guten Restaurants mit herrlichen Fischgerichten lassen wir unsere aktiven Tage ausklingen und planen unsere nächsten Aktivitäten, die uns in den hohen Norden bringen werden. Doch darüber beim nächsten Mal!
 
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