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Salzachbrücke

Tanzen Sie sich jung

Heute schon ein Tänzchen gewagt? Oder, mal ehrlich, wann haben Sie das letzte Mal getanzt? Ist schon ’ne Weile her, nicht wahr?! Herbert (73) ging es ähnlich, bis ihm seine Physiotherapeutin riet, doch einen Tanzkurs zu besuchen, weil Tanzen für den Bewegungsapparat sehr gut sei. Zuerst hat er abgelehnt, obwohl seine Gelenke die letzten Monate steifer geworden waren. Dann war er doch neugierig, weil sie ihm das Tanzen so angepriesen hat.

Bewegung ist Leben
Dass Bewegung während des gesamten Lebens wichtig ist und deren Bedeutung mit dem Älterwerden nicht endet, sondern die Wichtigkeit mit zunehmendem Alter im Gegenteil besonders betont werden muss, wurde schon vielfach belegt. Bewegung ist dabei einer der zentralen Faktoren, die uns dabei helfen, möglichst lange fit zu bleiben und ein qualitätsvolles Leben zu genießen. Der Rat aber zu mehr Bewegung an sich, vor allem, wenn sie ärztlich empfohlen wird, fällt nicht unbedingt immer auf fruchtbaren Boden. Der fehlende Spaßfaktor mag dabei auch eine Rolle spielen. Allerdings, wenn es wo zwickt und zwackt, motiviert das nicht gerade sich mehr zu bewegen – im Gegenteil. Ein Teufelskreislauf. Das ist uns mit zunehmenden Jahren wohl allen vertraut.
Die anderen Eckpfeiler, um dem Alter ein Stück weit Paroli zu bieten, sind eben neben körperlicher Ertüchtigung, geistige und soziale Aktivitäten. Eine ausgewogene Ernährung ist natürlich auch hilfreich. D.h., diese Mischung tut uns gut und lässt uns besser alt werden.
Tanzen nimmt aber unter den vielen verschiedenen Bewegungsmöglichkeiten eine Sonderposition ein, wie im Deutschen Zentrum für Neurodegenerativen Erkrankungen in Magdeburg untersucht wurde.

Bewegung bringt das Gehirn auf Trab
Bewegung hat grundsätzlich einerseits den Effekt, Alterungsprozesse etwas zu verlangsamen, andererseits ihnen entgegenzuwirken. Die Bewegungsformen, die hier am meisten greifen, sind nach dieser Studie eben Tanzen und Ausdauertraining wie etwa (Nordic) Walking, Schwimmen, etc. Diese beiden Bewegungsformen scheinen just jene Gehirnareale anzuregen und deren Leistung zu verbessern, die im Alter – insbesondere bei einer Demenz – abnehmen.
Es handelt sich dabei um Bereiche, die beim Lernen (Speichern, Erinnern, Abrufen) eine wichtige Rolle spielen und ebenso Bereiche, die den Orientierungs- und Gleichgewichtssinn betreffen. Denkt man an die Demenz vom Alzheimertyp, sind das jene Areale, die früh getroffen sind.

Bewegung ist gut. Tanzen ist besser.
Das Tanzen schneidet allerdings im Vergleich mit dem Ausdauertraining in diesen Bereichen besser ab. D.h., Bewegung ist gut, Tanzen als Bewegungsvariante ist noch besser. Allerdings gibt es auch andere Bewegungsvarianten, die bislang aber noch nicht miteinander verglichen wurden.
Aufgrund dieser vielversprechenden Ergebnisse, was das Tanzen betrifft, wird an speziellen Trainingsprogrammen gearbeitet, die bestenfalls einen Art Anti-Aging-Effekt haben sollen. Was zeichnet das Tanzen nun aber genau aus? Bei herkömmlichen Sportarten geht es womöglich eher um variationsärmere Bewegungsabläufe, denn Tanzen fordert dagegen in mehrerlei Hinsicht heraus und stellt ganz unterschiedliche Anforderungen an die Tänzer.
Tanzen umfasst eigentlich die zu Beginn genannten drei Faktoren: es bedeutet Bewegung, es bedeutet das Trainieren kognitivere Fähigkeiten, weil man sich konzentrieren muss, Schrittabfolgen merken, abrufen, Tempo, Rhythmus ändern muss, und man lernt unterschiedliche Tänze. Ebenso werden koordinative Fertigkeiten trainiert und natürlich auch die Fitness, denn beim Tanzen kann man schon gehörig ins Schwitzen kommen.
Und letztlich ist man beim Tanzen unmittelbar im sozialen Kontakt, man spornt sich gegenseitig an, lernt gemeinsam, muss sich abstimmen, damit man z.B. einen Tango hinbekommt, macht Fehler, lacht. Letztlich hat man Spaß und Freude.
Also Tanzen scheint einer der Bewegungsvarianten zu sein, die sehr viele Ansätze vereint und wohl auch zu den charmantesten und kommunikativsten Formen, sich zu bewegen, gehört.
Diese Effekte kann Herbert auch feststellen, weil er seit dem Frühjahr in einen Tanzkurs in einem Seniorenclub geht. Er ist beweglicher geworden und hat ein besseres Gleichgewichtsgefühl bekommen bzw. seine Balance ist besser geworden. Aber noch viel wichtiger ist Herbert, dass er Magda kennen gelernt hat. Von diesen positiven Nebeneffekten hatte ihm die Physiotherapeutin gar nichts gesagt. Jetzt ist er natürlich angespornt. Tanzen spricht also auch stark die emotionale und psychische Ebene an.

Tanzen macht stark
Auf der körperlichen Ebene stärkt das Tanzen das Herz-, Kreislauf- und Lungensystem. Gelenke und Muskeln werden gelockert und zugleich gestärkt. Und es wirkt wiederum präventiv bei Abnutzungserscheinungen, auch Osteoporose, schützt vor Stürzen. Tanzen ist sozusagen wie ein Ganzkörpertraining, welches den Geist und die Seele miteinbezieht. Und selbst ein Rollator muss kein Hindernis sein, denn es gibt bereits Tanzkurse für Senioren mit Rollator.
Machen Sie‘s also wie Herbert. Seien Sie mutig. Wagen Sie ein Tänzchen, fordern Sie auf. Denn bewegen müssen wir uns selber und sobald so schöne Nebeneffekte möglich sind, spricht eigentlich nichts dagegen.
 
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