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Salzachbrücke

Gesundheit mit Kräutern und Nadeln

Sylvia Nachtmann

„Echte“ chinesische Küche wäre für unseren westlichen Gaumen zu gewöhnungsbedürftig – wer möchte gallertige Substanzen löffeln, die sich als Quallen erweisen, oder Schlangensalat und gebratene Vogelnester inklusive Knusper-Vögelchen plus Vogelembryo oder Katzenbeine verzehren? Unsere hiesige „chinesische Küche“ wurde (seien wir froh!) lukullisch dem europäischen Geschmack angepasst.

Traditionen und Erfahrungen
Gaumenfreuden haben sich überall auf der Welt aus Traditionen entwickelt, ebenso wie alte Weisheiten. Die chinesische Medizin geht auf ein umfangreiches Erfahrungswissen zurück, das über Jahrtausende in den unendlichen Weiten Chinas gesammelt wurde. Schon mit Beginn des 20. Jahrhunderts und unter kommunistischer Ägide war diese alte Medizin in ihrer kaum überschaubaren Gesamtheit als rückschrittlich verpönt und zeitweise verboten. Da sich jedoch ein Verbot des verwurzelten Heilwissens und der Heilmethoden in der Praxis nicht durchsetzen ließen, wurde eine Medizin aus althergebracht und westlich konstruiert. Die Traditionelle Chinesische Medizin TCM war entstanden.
In den 1980er Jahren kamen in den USA und Europa Bücher über die alternative Medizin aus dem Reich der Mitte auf den Markt. Endlich ein Gegenprogramm zur Schulmedizin mit Chemie und Technologie! Man stürzte sich darauf, bis hin zu ideologischen bis mystizistischen Verklärungen.
Inzwischen hat sich der Ausschlag zwischen den Extremen eingependelt, vieles wurde erforscht und für gut befunden. Die TCM ist weithin vertreten, Erfolge sprechen für sie.

Alte Chinesische Medizin und Traditionelle Chinesische Medizin
Wir trafen Hermann Aichinger aus Ranshofen, der als Humanenergetiker und Masseur sich seit über 30 Jahren mit Alter Chinesischer Medizin (ACM) befasst und sie anwendet. „Bei Chinesischer Medizin denken die meisten gleich an Akupunktur. Doch in der ACM spielen Ernährung und Behandlungen mit Kräutern eine weit wichtigere Rolle“, weiß der Praktiker, „nur etwa zehn Prozent der Behandlungen erfolgen mit Nadeln.“
Was unterscheidet ACM von TCM? Die Konzentration der Kräuter kann um ein Vielfaches höher liegen als bei der TCM, allerdings nur in spezieller Präparation, wie Aichinger sie von seinem „Meister“ und in weiterführenden Ausbildungen erlernt hat. Ohne Präparation und langes Kochen und Hinzufügen anderer Kräuter wäre so manche Pflanzensubstanz in dieser Konzentration hochgiftig. In ACM-Anwendung – so Aichinger – dürfen und können sich die wertvollen Wirkungen entfalten.

Individuelle Behandlungen und richtiges Kochen
Die ACM erfordert ein aktives „Mittun“ des Patienten oder Klienten. Das heißt, er sollte sich an die für ihn persönlich passenden Ernährungsweisen halten, soll seine Kochweise auf das „Kochen nach den fünf Elementen“ umstellen, sollte sich auch mental mit den Empfehlungen beschäftigen und danach leben.
Für Aichinger ist ACM alles andere als ein Placebo. Yin und Yang, die einander gegengesetzten Kräfte aus dem Daoismus, bilden die energetische Grundlage. Prinzipien wie männlich und weiblich, hell und dunkel, Aktivität und Ruhe unterliegen einem ständigen Wandel und müssen in Ausgleich gebracht werden.
Basierend auf der Pulsdiagnose erkennt Aichinger, welche Energien im Körper des Menschen vorhanden sind, welche überschießen, wo ein Mangel besteht, wo Blockaden den Energiefluss einschränken. „Das Wichtigste ist der energetische Kreislauf“, diesen gilt es wieder herzustellen, teils durch Akupunktmassage. „Der Körper braucht ein ganzes Jahr, um alle Organe in den Kreislauf einzubinden“, denn die Jahreszeiten spielen in unserem Leben eine größere Rolle, als allgemein gedacht. Wann mit einer ACM-Behandlung begonnen wird, ist nebensächlich. Jedoch sollte sie übers Jahr durchgezogen werden.

Fünf-Elemente-Lehre, fünf Jahreszeiten
Der Winter ist laut chinesischer Fünf-Elemente-Lehre Wasserzeit. Nur in dieser Zeit kann die energetische Situation von Niere und Blase aufgebaut werden.
Frühjahr ist Holzzeit. Leber und Galle sind nun an der Reihe. In dieser Zeit sind wir auch empfindlich gegen Wind, der Hexenschuss und Bandscheibenvorfälle begünstigt sowie Muskeln und Sehnen belastet.
Wenn im Sommer die Zeit des Feuers ansteht, sind Kreislauf, Herz, Dünndarm und der Dreifacherwärmer, der als Meridian drei Körperzonen (oberen Bereich, Mitte und unteren Bereich) verbindet, betroffen. Der Kreislauf als „Minister des Herzens“ hält Böses vom Herzen ab und gehört jetzt aufgebaut, unter anderem mit Weißdornblütentee.
Als Element des Spätsommers wird die Erde genannt: Jetzt ist es Zeit, Magen und Milz zu stärken.
Für Aichinger ist es logisch, wenn im Herbst Asthmatiker größere Probleme verspüren: Unter dem Element Metall ist die Lunge angreifbar, aber auch der Dickdarm.

Jedem Organ entspricht eine Zeit
„Jedes Organ gehört zur gegebenen Jahreszeit aufgebaut“, allerdings kann Aichinger nur mit vorhandener Energie arbeiten. Und diese kann durch Nahrung bzw. entsprechende Kräutergaben zugeführt werden. Auch muss in jeder Jahreszeit anders gekocht und anders gewürzt werden.
Das ganze Leben ist Wandlung, jedes Element nährt ein anderes. Jedem Element ist eine eigene Geschmacksrichtung zugeordnet, ob scharf, salzig, obstsauer, bitter, süß. Ernährungszyklus und Kontrollzyklus sind als Begriffe all jenen bekannt, die schon mal in chinesische Philosophie hineingeschnuppert haben.
Die Energien dürfen jedoch nie zu stark aufgebaut werden, ein Zuviel würde den Menschen schwächen.
In der ACM wird der körperliche Abbau über den Lebenslauf so geschildert: Zwischen 40 und 50 Jahren baut die Leber ab (in diesem Abschnitt sind die meisten Alkohol-Toten). Im Jahrzehnt zwischen 50 und 60 finden die meisten Herzinfarkte statt, Darmerkrankungen sind zwischen 60 und 70 am häufigsten, danach schwächelt die Lunge und nach 80 baut die Niere, „unsere Grundfeste“, ab. „Je stabiler die Niere, desto stabiler der gesamte Körper“, auch danach richtet sich Aichinger.

Das ganze Leben ist ein Wandel
Da die ACM das ganze Leben als fortwährenden Wandel betrachtet, wird auch dem Geburtsdatum, dem „Schicksalscode“ Bedeutung beigemessen – anders als bei dem hierzulande bekannten Horoskop, aber, so Aichinger, absolut aufschlussreich, was Elemente, Kombinationselemente und Lebensphasen betrifft. Und diese können wir selbst mit einfachen Verhaltensweisen unterstützen: Saunieren nur bei abnehmendem Mond, Fasten nie vor dem Drachenmonat! Da dieser meist erst im April beginnt, ist ein Fasten zur christlichen Fastenzeit laut ACM zu früh angesetzt, da der Körper noch auf Nahrungsaufnahme programmiert ist. Aber im April vier Wochen fasten bewirkt laut ACM Wunder – wir können es ja ausprobieren!

Rezept:
ACM-Sommergetränk
Zitrone in Scheiben, 1 Prise weißer Zucker, 1 Prise Salz.
Alles mit 1 Liter heißem Wasser überbrühen, ziehen lassen, noch warm trinken!
In diesem Getränk sind alle Geschmacksrichtungen der 5-Elemente-Lehre vorhanden: Süß, Salzig, Obstsauer, Bitter und Scharf (aus der Zitronenschale). Sommerliche Kreislaufprobleme und Hitzeschweiß adé!
 
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