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E10 – was macht ein Lebensmittel in unserem Treibstofftank?

Die Wirkung von E10 als Biokraftstoff zur Reduzierung des schädlichen CO2-Ausstoßes ist umstritten. Auch wenn umfangreiche Informationskampagnen sowohl in Deutschland als auch in Österreich liefen, wird aus der Verunsicherung Kapital geschlagen und mit einer Preiskeule gedroht. Demnach wurde der Preis für normales Benzin einfach entsprechend erhöht und damit die Kunden quasi gezwungen, E10 zu tanken. Da auch diese Maßnahme bei unseren Nachbarn keinen Erfolg zeigte, wurden die Mineralölkonzerne verpflichtet, durchschnittlich 6,25 % Biosprit zu verkaufen, andernfalls werden Bußgelder in Millionenhöhe und zwar exakt 300 bis 400 Millionen, verhängt. Und was ist die Reaktion von Shell, BP & Co? Die wollen diese Pönale auf die Kunden umwälzen.

Was ist E10 überhaupt ?
Der neuartige Biosprit, der die Übel der CO2-Belastung dämpfen sollte, ist grundsätzlich herkömmlicher Sprit, dem zehn Prozent Bioethanol beigegeben wird. Dieser wird in unseren Breitengraden vorwiegend aus Zuckerrüben und Weizen hergestellt. Und damit haben so manche Gegner bereits ein Argument dagegen gefunden. Die Inflation und Preisspirale bei Lebensmittel ist jetzt schon an der Grenze zum Erträglichen, vor allem für Menschen mit weniger Einkommen oder aus ärmlichen Verhältnissen. Wird aber Weizen und Zucker in Hinkunft nicht mehr nur für die alltägliche Ernährung angebaut und produziert, ist davon auszugehen, dass die Preise weiter steigen werden. Bekanntlich regelt Nachfrage ja das Preisgefüge. Die heimischen Konzerne, die mit diesen Naturstoffen ihr Geld verdienen, entkräften die Argumente der E10-Gegner mit der Darstellung, dass die bereits vorhandenen Anbauflächen auch den Bedarf für den Biosprit decken würden. Dieser wird mit 500.000 Tonnen Rohstoff beziffert, eine genaue Angabe über die Herkunft davon, machen die Konzerne nicht.
Schon jetzt wurde bekannt, dass die Preise für Mehl und andere Grundnahrungsmittel erheblich angehoben werden müssen, ein Zusammenhang mit Preistreiberei rund um den neuen Biosprit sei dahingestellt.

Umweltbilanz doch nicht so gut?
Gerade der Automobilfahrerklub ARBÖ ist strikt gegen die Einfuhr von E10. Anerkannte Forscher aus dem Bereich der Energiesystemtechnik hatten erst kürzlich nachgewiesen, dass die Kohlendioxid-Bilanz von E10 schlechter ausfällt, als die vom herkömmlichen Superbenzin. Dies umfasst auch schon die Produktion des Biosprites, das bereits mehr CO2 produziert, als herkömmlicher Treibstoff.
Bereits 1994 im amerikanischen Wahlkampf machte sich Al Gore für eine Pro-Ethanol Bewegung stark und warnte vor den Folgen des Klimawandels. In diesem Fahrwasser schwammen traditionelle und wichtige Lebensmittelkonzerne wie Nestle mit, bevor alle Beteiligten zurückruderten und erkennen mussten, dass der Rückgang von CO2 in keinem Verhältnis zu den Problemen am Nahrungsmittelsektor stehen.

Motoren älterer Bauart vertragen den neuen Sprit nicht
Auch wenn man sich seitens der Fahrzeughersteller bemüht, die Verunsicherung in Grenzen zu halten, muss doch festgehalten werden, dass E10 für ältere Modelle nicht geeignet ist. Die Schäden, die bereits bei einmaligem Tanken auftreten können, basieren auf der korrosiven, also zerfressenden Eigenschaft des Bioethanols und verursachen eine schnellere Durchrostung bei Ventilen und Ventilsitzringen. Gleichzeitig werden Kunststoffteile in Leitungen und Leichtmetalle porös und spröde. Auch Direkteinspritzanlagen wurden ursprünglich aus Aluminium hergestellt, das besonders anfällig ist. Neuere Motorenmodelle haben hingegen Bauteile aus Edelstahl, das für die Auswirkungen des Biosprits eher ausgerichtet ist.
Damit muss davon ausgegangen werden, dass die Wertminderung bei Gebrauchtfahrzeugen erheblich zunehmen wird, wenn diese nicht mehr auf die Verträglichkeit von E10 ausgerichtet sind. Auch wenn in letzter Zeit der Neuwagenkauf massiv gefördert wurde, muss doch festgehalten werden, dass sich nicht jeder nach kurzer Zeit sein Vehikel durch ein neues ersetzen kann. Automobilhersteller lehnen die Übernahme einer Garantieleistung vehement ab, womit das Risiko von Schäden durch E10-Betankung allein beim KFZ-Besitzer liegt. Allerdings haben einige Hersteller in weiser Voraussicht ihre Modelle, die in Europa vom Band laufen, auf die Beimengung von Bioethanol ausgerichtet, vor allem Volkswagen, die als beliebteste Marke im PKW-Sektor gilt, hat im PKW und LKW-Sortiment keinerlei Bedenken, wenn die Autofahrer E10 tanken.

Zusätzliches Körberlgeld für die Finanz?
Auch wenn uns von allen Seiten versichert wird, dass mit der Neueinführung des Biosprits eine Steuererleichterung für die Autofahrer in Verbindung steht, zeigen Fakten aus dem geplanten Budget der Finanzministerin andere Seiten auf. Denn im Budget für 2012 geht man von 4,35 Milliarden Euro Einnahmen durch die Autofahrer aus, gleich wie dieses Jahr. Durch die Einführung von E10 wird infolge der Beimischung und der geringeren Ergiebigkeit des neuen Treibstoffes der Preis um ca. 3,5 Cent pro Liter steigen. Damit steigen auch die Einnahmen aus den Steuern.
Die geplante Einführung von E10, die übrigens in keinster Weise von der EU forciert oder unterstützt wird, bleibt ein polarisierendes Thema. Allein die Tatsache, dass sie in Deutschland trotz massiver marketingtechnischer Unterstützung gescheitert ist, sollte zu denken geben. Und eines bleibt als felsenfestes Argument bestehen: Solange Menschen auf dieser Welt hungern oder sogar verhungern, sollte mit den Ressourcen von Nahrungsmitteln sehr sorgsam umgegangen werden.

Susanne Mairhofer