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Salzachbrücke

Diätplan für Ihr Haus

Seit bald zehn Jahren ist der Energieausweis für Gebäude und Wohnungen gesetzlich vorgeschrieben. Als zusätzliche bürokratische Hürde zunächst kaum angenommen, entwickelt er sich immer mehr zum hilfreichen Instrument im Immobilienbereich.

Mag. Thomas Haas

Wenn draußen der Winter sein eisiges Unwesen treibt, wissen wir eine wohlig warme Stube umso mehr zu schätzen. Oft freilich nicht ohne den bangen Wunsch, die Kälte möge sich in diesem Jahr doch bitteschön in Grenzen halten; hat doch der vergangene Januar mit vier Wochen Dauerfrost so manchem Haushaltsbudget ordentlich zugesetzt. Die Kosten für Heizung und Warmwasser erscheinen freilich in den meisten Fällen nicht bloß überhöht – vielfach könnten sie auch tatsächlich mit vertretbarem Aufwand deutlich abgesenkt werden. Natürlich beginnt dies im Alltag mit ganz schlichten Maßnahmen wie Stoßlüften, bedarfsorientiertem Heizungsmanagement und achtsamem Umgang mit Warmwasser. Auch die Abschwächung von Kältebrücken und -quellen (z.B. Türen und Fenster abdichten, Vorhänge vor großen Glasflächen, Türen zu Kalträumen und Keller schließen etc.) senkt den Heizaufwand merklich.

ERST INFORMIEREN – DANN SANIEREN
So manche dieser teils lästigen Vorkehrungen erübrigen sich freilich durch bauliche Maßnahmen im Bereich Wärmedämmung, durch die Sanierung von Fenstern oder den Austausch von Heizungsanlagen. Exakte Kenntnisse vom Energieverbrauch des eigenen Hauses, von Art und Wirksamkeit der Heizung und Warmwasseraufbereitung oder vom Wärmeverlust über Außenwände, Dach oder Fenster lassen Rückschlüsse auf Energiesparpotenziale zu. Ob bauliche Sanierungen oder die Erneuerung von Anlagen wirtschaftlich sinnvoll sind, lässt sich besser beurteilen, wenn der aktuelle Zustand und der Energiebedarf bzw. -verbrauch klar erfasst sind. Für diese Erfassung gibt es seit etwa zehn Jahren das Instrument des Energieausweises für Gebäude; es handelt sich dabei um ein standardisiertes Erhebungsformular mit mehreren Seiten, das anhand bestimmter Kennzahlen die Energieeffizienz eines Gebäudes ausweist. In Deutschland nennt es zusätzlich Modernisierungsmaßnahmen und schlägt auf Wunsch sogar Varianten von Sanierungskonzepten samt Wirtschaftlichkeitsprognose vor.
Im Jahr 2002 reagierte die EU mit ihrer Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden auf die Tatsache, dass vierzig Prozent des Energiebedarfs in der Union für Gebäude aufgewendet werden. Durch die EU-weite Erfassung des energierelevanten Ist-Zustandes von Gebäuden sollte eine Senkung des Energieverbrauchs – damit auch der Energieabhängigkeit Europas – und der Treibhausgasemissionen erreicht werden. Die 2010 neugefasste Richtlinie wurde in Deutschland vor allem durch die Energieeinsparverordnung (EnEV) und in Österreich durch das Energieausweis-Vorlage-Gesetz (EAVG) sowie durch Anpassungen in den jeweiligen Landes-Bauvorschriften umgesetzt.

NATIONALE UNTERSCHIEDE
Dabei wurden zwei unterschiedliche Wege beschritten: In der EnEV regelt der deutsche Bundesgesetzgeber unmittelbar und umfassend die energierelevanten Anforderungen getrennt nach Wohngebäuden und solchen mit anderer Nutzung, wobei offene Hallen und Zelte, Kirchen, unterirdische Bauten, selten genutzte Gebäude und bestimmte Betriebsstätten ausgenommen sind. Nach Abschnitt 5 über „Energieausweise und Empfehlungen für die Verbesserung der Energieeffizienz“ kann der Energieausweis entweder auf Grundlage des berechneten Energiebedarfs oder des erfassten Energieverbrauchs erstellt werden; die zweite – wesentlich einfachere, wenngleich nur bedingt aussagekräftige – Variante kommt nicht in Frage beim Neubau und in näher bestimmten Fällen bei älteren, kleineren Wohngebäuden. Die Energieausweis-Formulare liegen im Anhang zur EnEV jeweils für Wohn- bzw. für Nicht-Wohngebäude vor und bieten auf Seite 2 Raum für die ermittelten Energiebedarfs- bzw. auf
Seite 3 für die erfassten Verbrauchsdaten.
Das österreichische EAVG kennt demgegenüber keinen Energieverbrauchsausweis, der lediglich unter Heranziehung von Energierechnungen aus den vergangenen drei Jahren zustande kommt. Außerdem schreibt es keine „Empfehlungen zur kostengünstigen Modernisierung“ vor; ein entsprechendes Formblatt ist auf
Seite 4 des deutschen Energieausweises auch im Fall einer Nullmeldung auszufüllen.
Technische Details zum österreichischen Energieausweis finden sich in Richtlinie 6 „Energieeinsparung und Wärmeschutz“ des Österreichischen Instituts für Bautechnik (OIB), auf die – mit unterschiedlichen Abstrichen – auch die Bautechnik-Normen der Länder verweisen. Für den Laien kaum lesbar, zielen diese sehr detaillierten technischen Regelungen und Tabellen letztlich doch auf die Ermittlung einiger sehr aussagekräftiger Kennwerte ab.
So wird jeweils anhand einer Vielzahl von Parametern differenziert herausgearbeitet, welchen Wärmebedarf ein Gebäude hat (Heizwärmebedarf), was zu dessen Deckung für Herstellung und Transport der eingesetzten Energie(träger) an zusätzlicher Energie erforderlich ist (Primärenergiebedarf) und welche Klimarelevanz sich anhand zuzurechnender CO2-Emissionen aus Letzterem ergibt. Schließlich wird das geprüfte Objekt mit einem fiktiven baugleichen, aber im Sinne der zuvor genannten Richtlinie idealtypisch errichteten und ausgestatteten Gebäude verglichen; die Abweichung in der Gesamtenergieeffizienz lässt sich dann am gleichnamigen Faktor ablesen: Bleibt dieser unter „1“, wurden die Anforderungen der OIB-Richtlinie übererfüllt; ein höherer Wert deutet demgegenüber auf Einsparungspotenziale hin.

ZUM GLÜCK GEZWUNGEN?!
Angesichts der konkreten Auswirkungen auf die Höhe von Energiekosten und möglichen Förderungen sind solche Aussagen über ein Gebäude oder eine Wohnung sowohl für deren Eigentümer als auch für (potenzielle) Käufer oder Mieter von großem Interesse und Nutzen. Man möchte meinen, dass Energieausweise inzwischen flächendeckend ebenso selbstverständlich vorliegen würden, wie etwa Baupläne. Zeigen sie doch, ähnlich der Gesundenuntersuchung für den menschlichen Körper, rechtzeitig auf, wie fit ein Gebäude ist und welche Maßnahmen den Ist-Zustand absichern oder im Bedarfsfall verbessern können. Und doch brauchte es wieder eines gesetzlichen Gebotes, um einer als richtig erkannten Einrichtung zur wirksamen Umsetzung zu verhelfen.
Sowohl in Deutschland als auch in Österreich muss ein Energieausweis jedenfalls erstellt und den Einreichunterlagen beigelegt werden, wenn ein Gebäude neu errichtet (auch Um-, Zu- und Anbau) oder von Grund auf renoviert wird. Weiters ist bei Verkauf oder Vermietung von Gebäuden und Wohnungen schon vor Vertragsabschluss ein Energieausweis vorzulegen und danach umgehend auszuhändigen; selbst diesbezügliche Angebote (Inserate) müssen bestimmte Kennzahlen des Energieausweises enthalten, um den Interessenten eine Vorauswahl zu ermöglichen. Schließlich ist der Energieausweis in bestimmten Gebäuden mit Publikumsverkehr auszuhängen; im Detail weichen diese Vorschriften in Bayern, Oberösterreich und Salzburg etwas voneinander ab, wobei die Informationspflicht generell steigt, je größer das Gebäude ist bzw., wenn es sich um eine Behörde handelt.
Der Strafrahmen für Verstöße gegen die genannten Vorlage- und Aushangpflichten erstreckt sich zwischen 1.450 und 50.000 Euro; zumindest Grund genug für Haus- und Wohnungseigentümer, sich zu vergewissern, ob mit dem Energieausweis ordnungsgemäß verfahren wurde bzw. ob ein solcher allenfalls noch zu erstellen wäre. Die Gesetzgebung hat den Zugang zum Energieausweis sehr niederschwellig angelegt, indem zu dessen Ausstellung, grob gesagt, praktisch alle Gewerbetreibenden und Zivilingenieure zugelassen sind, die in irgendeinem technischen Bezug zu Hausbau und -ausstattung stehen. Am einfachsten findet man den passenden Anbieter über entsprechende Auflistungen der Interessenvertretungen bzw. über eines der zahlreichen Online-Verzeichnisse (z. B. energieausweise.net oder berechner.at bzw. die Energieeffizienz-Expertenliste oder die dena-Liste für Deutschland). Bei der Auswahl sollte man neben dem Nachweis der Berechtigung zur Ausstellung von Energieausweisen auch besonders auf Konditionen und Kosten achten.
Natürlich sinkt der Preis, je mehr Eigenleistung der Auftraggeber erbringt. Je vollständiger die Übermittlung von Daten und Unterlagen erfolgt, desto weniger Erhebungsaufwand entsteht für den Aussteller vor Ort. Solche unterstützende (Vor)Informationen können etwa sein: die Einreich- oder Baupläne des Gebäudes, Sondernutzungen (Werkstatt, Kühlraum etc.) sowie Angaben über Alter und Zustand der Fenster (allenfalls mit den verfügbaren technischen Werten), über erfolgte thermische Sanierungen (Jahr, Art und Stärke der Dämmstoffe etc.) oder über die Heizung (Art der Heizung bzw. des Brennstoffs, Alter und Type der Anlage). Fraglich ist allerdings die Sinnhaftigkeit eines zwar billigen Energieausweises, der aber komplett ohne Augenscheinsvornahme errechnet wurde.

BESICHTIGUNG IST WICHTIG
Weiterführende Tipps, wie die Modernisierungsempfehlungen in Deutschland (auch bei bloßen Energieverbrauchsausweisen vorgeschrieben!), oder auch mündliche Anmerkungen sind seriöserweise bzw. auch praktisch nur bei tatsächlicher Besichtigung des Objekts möglich. Für den Preisvergleich ist es auch nicht unwesentlich, dass in Bayern nur ganze Gebäude befundet werden dürfen, während in Österreich Energieausweise auch für einzelne Wohnungen ausgestellt werden. Dementsprechend gibt es auf beiden Seiten Billigangebote (in Bayern für Verbrauchsausweise und in Salzburg und Oberösterreich für einzelne Wohnungen); wirklich aussagekräftige Energieausweise für Häuser sind da wie dort aber kaum unter einigen hundert Euro zu bekommen.
Der fertige Energieausweis ist vom Aussteller in einem eigenen Register einzutragen und gilt zehn Jahre. Für den Haftungsfall – etwa wegen eines fehlerhaft ausgestellten Ausweises – empfiehlt es sich, schon vorab die Nummer der Berufshaftpflichtversicherung des Ausstellers abzufragen. Eine Datenschutzerklärung für die zur Verfügung gestellten Daten wie auch für Berechnungsergebnissen sollte ebenfalls selbstverständlich zum Leistungspaket des Ausstellers gehören. Und – selbst auf die Gefahr einer Wiederholung hin – noch einmal: Auch wenn in Österreich Empfehlungen nicht zwingender Bestandteil des Energieausweises sind, sollte zumindest eine Besprechung des Ergebnisses, wenn nicht auch der eine oder andere hilfreiche Hinweis von einem seriösen und kundenfreundlichen Aussteller zu erwarten sein.
Während Kauf- und Mietinteressenten die Vergleichswerte aus dem Energieausweis ihrer Entscheidung zum Vertragsabschluss zugrunde legen, bietet der Ausweis dem Eigentümer mehrere Vorteile: Einerseits richtet sich der Marktwert eines Objekts in zunehmendem Maße auch nach dessen Energiebilanz. Andererseits ist eine strategische Planung für Erhaltung und Sanierung von Gebäuden wesentlich treffsicherer zu gestalten, wenn die Erfordernisse im Hinblick auf den Energieverbrauch klar auf dem Tisch liegen. Dazu kommt, dass auf politischer Ebene tendenziell eine fortschreitende Verschärfung der Rechtslage zu erkennen ist – manche bereits beschlossenen Grenzwerte treten erst in den kommenden Jahren stufenweise in Kraft. Auch die Vergabe von Förderungen wird zusehends an das Vorliegen eines solchen Ausweises bzw. sogar an das Erreichen bestimmter Werte geknüpft. Wenn auch der gesetzlich vorgeschriebene Energieausweis selbst kein konkretes Handlungsgebot enthält: Um als Hauseigentümer am Ball zu bleiben, sind dessen Kennzahlen und die im besten Fall daraus resultierenden Verbesserungsempfehlungen jedenfalls eine wirklich nützliche Handhabe.Seit bald zehn Jahren ist der Energieausweis für Gebäude und Wohnungen gesetzlich vorgeschrieben. Als zusätzliche bürokratische Hürde zunächst kaum angenommen, entwickelt er sich immer mehr zum hilfreichen Instrument im Immobilienbereich.

Mag. Thomas Haas

Wenn draußen der Winter sein eisiges Unwesen treibt, wissen wir eine wohlig warme Stube umso mehr zu schätzen. Oft freilich nicht ohne den bangen Wunsch, die Kälte möge sich in diesem Jahr doch bitteschön in Grenzen halten; hat doch der vergangene Januar mit vier Wochen Dauerfrost so manchem Haushaltsbudget ordentlich zugesetzt. Die Kosten für Heizung und Warmwasser erscheinen freilich in den meisten Fällen nicht bloß überhöht – vielfach könnten sie auch tatsächlich mit vertretbarem Aufwand deutlich abgesenkt werden. Natürlich beginnt dies im Alltag mit ganz schlichten Maßnahmen wie Stoßlüften, bedarfsorientiertem Heizungsmanagement und achtsamem Umgang mit Warmwasser. Auch die Abschwächung von Kältebrücken und -quellen (z.B. Türen und Fenster abdichten, Vorhänge vor großen Glasflächen, Türen zu Kalträumen und Keller schließen etc.) senkt den Heizaufwand merklich.

ERST INFORMIEREN – DANN SANIEREN
So manche dieser teils lästigen Vorkehrungen erübrigen sich freilich durch bauliche Maßnahmen im Bereich Wärmedämmung, durch die Sanierung von Fenstern oder den Austausch von Heizungsanlagen. Exakte Kenntnisse vom Energieverbrauch des eigenen Hauses, von Art und Wirksamkeit der Heizung und Warmwasseraufbereitung oder vom Wärmeverlust über Außenwände, Dach oder Fenster lassen Rückschlüsse auf Energiesparpotenziale zu. Ob bauliche Sanierungen oder die Erneuerung von Anlagen wirtschaftlich sinnvoll sind, lässt sich besser beurteilen, wenn der aktuelle Zustand und der Energiebedarf bzw. -verbrauch klar erfasst sind. Für diese Erfassung gibt es seit etwa zehn Jahren das Instrument des Energieausweises für Gebäude; es handelt sich dabei um ein standardisiertes Erhebungsformular mit mehreren Seiten, das anhand bestimmter Kennzahlen die Energieeffizienz eines Gebäudes ausweist. In Deutschland nennt es zusätzlich Modernisierungsmaßnahmen und schlägt auf Wunsch sogar Varianten von Sanierungskonzepten samt Wirtschaftlichkeitsprognose vor.
Im Jahr 2002 reagierte die EU mit ihrer Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden auf die Tatsache, dass vierzig Prozent des Energiebedarfs in der Union für Gebäude aufgewendet werden. Durch die EU-weite Erfassung des energierelevanten Ist-Zustandes von Gebäuden sollte eine Senkung des Energieverbrauchs – damit auch der Energieabhängigkeit Europas – und der Treibhausgasemissionen erreicht werden. Die 2010 neugefasste Richtlinie wurde in Deutschland vor allem durch die Energieeinsparverordnung (EnEV) und in Österreich durch das Energieausweis-Vorlage-Gesetz (EAVG) sowie durch Anpassungen in den jeweiligen Landes-Bauvorschriften umgesetzt.

NATIONALE UNTERSCHIEDE
Dabei wurden zwei unterschiedliche Wege beschritten: In der EnEV regelt der deutsche Bundesgesetzgeber unmittelbar und umfassend die energierelevanten Anforderungen getrennt nach Wohngebäuden und solchen mit anderer Nutzung, wobei offene Hallen und Zelte, Kirchen, unterirdische Bauten, selten genutzte Gebäude und bestimmte Betriebsstätten ausgenommen sind. Nach Abschnitt 5 über „Energieausweise und Empfehlungen für die Verbesserung der Energieeffizienz“ kann der Energieausweis entweder auf Grundlage des berechneten Energiebedarfs oder des erfassten Energieverbrauchs erstellt werden; die zweite – wesentlich einfachere, wenngleich nur bedingt aussagekräftige – Variante kommt nicht in Frage beim Neubau und in näher bestimmten Fällen bei älteren, kleineren Wohngebäuden. Die Energieausweis-Formulare liegen im Anhang zur EnEV jeweils für Wohn- bzw. für Nicht-Wohngebäude vor und bieten auf Seite 2 Raum für die ermittelten Energiebedarfs- bzw. auf
Seite 3 für die erfassten Verbrauchsdaten.
Das österreichische EAVG kennt demgegenüber keinen Energieverbrauchsausweis, der lediglich unter Heranziehung von Energierechnungen aus den vergangenen drei Jahren zustande kommt. Außerdem schreibt es keine „Empfehlungen zur kostengünstigen Modernisierung“ vor; ein entsprechendes Formblatt ist auf
Seite 4 des deutschen Energieausweises auch im Fall einer Nullmeldung auszufüllen.
Technische Details zum österreichischen Energieausweis finden sich in Richtlinie 6 „Energieeinsparung und Wärmeschutz“ des Österreichischen Instituts für Bautechnik (OIB), auf die – mit unterschiedlichen Abstrichen – auch die Bautechnik-Normen der Länder verweisen. Für den Laien kaum lesbar, zielen diese sehr detaillierten technischen Regelungen und Tabellen letztlich doch auf die Ermittlung einiger sehr aussagekräftiger Kennwerte ab.
So wird jeweils anhand einer Vielzahl von Parametern differenziert herausgearbeitet, welchen Wärmebedarf ein Gebäude hat (Heizwärmebedarf), was zu dessen Deckung für Herstellung und Transport der eingesetzten Energie(träger) an zusätzlicher Energie erforderlich ist (Primärenergiebedarf) und welche Klimarelevanz sich anhand zuzurechnender CO2-Emissionen aus Letzterem ergibt. Schließlich wird das geprüfte Objekt mit einem fiktiven baugleichen, aber im Sinne der zuvor genannten Richtlinie idealtypisch errichteten und ausgestatteten Gebäude verglichen; die Abweichung in der Gesamtenergieeffizienz lässt sich dann am gleichnamigen Faktor ablesen: Bleibt dieser unter „1“, wurden die Anforderungen der OIB-Richtlinie übererfüllt; ein höherer Wert deutet demgegenüber auf Einsparungspotenziale hin.

ZUM GLÜCK GEZWUNGEN?!
Angesichts der konkreten Auswirkungen auf die Höhe von Energiekosten und möglichen Förderungen sind solche Aussagen über ein Gebäude oder eine Wohnung sowohl für deren Eigentümer als auch für (potenzielle) Käufer oder Mieter von großem Interesse und Nutzen. Man möchte meinen, dass Energieausweise inzwischen flächendeckend ebenso selbstverständlich vorliegen würden, wie etwa Baupläne. Zeigen sie doch, ähnlich der Gesundenuntersuchung für den menschlichen Körper, rechtzeitig auf, wie fit ein Gebäude ist und welche Maßnahmen den Ist-Zustand absichern oder im Bedarfsfall verbessern können. Und doch brauchte es wieder eines gesetzlichen Gebotes, um einer als richtig erkannten Einrichtung zur wirksamen Umsetzung zu verhelfen.
Sowohl in Deutschland als auch in Österreich muss ein Energieausweis jedenfalls erstellt und den Einreichunterlagen beigelegt werden, wenn ein Gebäude neu errichtet (auch Um-, Zu- und Anbau) oder von Grund auf renoviert wird. Weiters ist bei Verkauf oder Vermietung von Gebäuden und Wohnungen schon vor Vertragsabschluss ein Energieausweis vorzulegen und danach umgehend auszuhändigen; selbst diesbezügliche Angebote (Inserate) müssen bestimmte Kennzahlen des Energieausweises enthalten, um den Interessenten eine Vorauswahl zu ermöglichen. Schließlich ist der Energieausweis in bestimmten Gebäuden mit Publikumsverkehr auszuhängen; im Detail weichen diese Vorschriften in Bayern, Oberösterreich und Salzburg etwas voneinander ab, wobei die Informationspflicht generell steigt, je größer das Gebäude ist bzw., wenn es sich um eine Behörde handelt.
Der Strafrahmen für Verstöße gegen die genannten Vorlage- und Aushangpflichten erstreckt sich zwischen 1.450 und 50.000 Euro; zumindest Grund genug für Haus- und Wohnungseigentümer, sich zu vergewissern, ob mit dem Energieausweis ordnungsgemäß verfahren wurde bzw. ob ein solcher allenfalls noch zu erstellen wäre. Die Gesetzgebung hat den Zugang zum Energieausweis sehr niederschwellig angelegt, indem zu dessen Ausstellung, grob gesagt, praktisch alle Gewerbetreibenden und Zivilingenieure zugelassen sind, die in irgendeinem technischen Bezug zu Hausbau und -ausstattung stehen. Am einfachsten findet man den passenden Anbieter über entsprechende Auflistungen der Interessenvertretungen bzw. über eines der zahlreichen Online-Verzeichnisse (z. B. energieausweise.net oder berechner.at bzw. die Energieeffizienz-Expertenliste oder die dena-Liste für Deutschland). Bei der Auswahl sollte man neben dem Nachweis der Berechtigung zur Ausstellung von Energieausweisen auch besonders auf Konditionen und Kosten achten.
Natürlich sinkt der Preis, je mehr Eigenleistung der Auftraggeber erbringt. Je vollständiger die Übermittlung von Daten und Unterlagen erfolgt, desto weniger Erhebungsaufwand entsteht für den Aussteller vor Ort. Solche unterstützende (Vor)Informationen können etwa sein: die Einreich- oder Baupläne des Gebäudes, Sondernutzungen (Werkstatt, Kühlraum etc.) sowie Angaben über Alter und Zustand der Fenster (allenfalls mit den verfügbaren technischen Werten), über erfolgte thermische Sanierungen (Jahr, Art und Stärke der Dämmstoffe etc.) oder über die Heizung (Art der Heizung bzw. des Brennstoffs, Alter und Type der Anlage). Fraglich ist allerdings die Sinnhaftigkeit eines zwar billigen Energieausweises, der aber komplett ohne Augenscheinsvornahme errechnet wurde.

BESICHTIGUNG IST WICHTIG
Weiterführende Tipps, wie die Modernisierungsempfehlungen in Deutschland (auch bei bloßen Energieverbrauchsausweisen vorgeschrieben!), oder auch mündliche Anmerkungen sind seriöserweise bzw. auch praktisch nur bei tatsächlicher Besichtigung des Objekts möglich. Für den Preisvergleich ist es auch nicht unwesentlich, dass in Bayern nur ganze Gebäude befundet werden dürfen, während in Österreich Energieausweise auch für einzelne Wohnungen ausgestellt werden. Dementsprechend gibt es auf beiden Seiten Billigangebote (in Bayern für Verbrauchsausweise und in Salzburg und Oberösterreich für einzelne Wohnungen); wirklich aussagekräftige Energieausweise für Häuser sind da wie dort aber kaum unter einigen hundert Euro zu bekommen.
Der fertige Energieausweis ist vom Aussteller in einem eigenen Register einzutragen und gilt zehn Jahre. Für den Haftungsfall – etwa wegen eines fehlerhaft ausgestellten Ausweises – empfiehlt es sich, schon vorab die Nummer der Berufshaftpflichtversicherung des Ausstellers abzufragen. Eine Datenschutzerklärung für die zur Verfügung gestellten Daten wie auch für Berechnungsergebnissen sollte ebenfalls selbstverständlich zum Leistungspaket des Ausstellers gehören. Und – selbst auf die Gefahr einer Wiederholung hin – noch einmal: Auch wenn in Österreich Empfehlungen nicht zwingender Bestandteil des Energieausweises sind, sollte zumindest eine Besprechung des Ergebnisses, wenn nicht auch der eine oder andere hilfreiche Hinweis von einem seriösen und kundenfreundlichen Aussteller zu erwarten sein.
Während Kauf- und Mietinteressenten die Vergleichswerte aus dem Energieausweis ihrer Entscheidung zum Vertragsabschluss zugrunde legen, bietet der Ausweis dem Eigentümer mehrere Vorteile: Einerseits richtet sich der Marktwert eines Objekts in zunehmendem Maße auch nach dessen Energiebilanz. Andererseits ist eine strategische Planung für Erhaltung und Sanierung von Gebäuden wesentlich treffsicherer zu gestalten, wenn die Erfordernisse im Hinblick auf den Energieverbrauch klar auf dem Tisch liegen. Dazu kommt, dass auf politischer Ebene tendenziell eine fortschreitende Verschärfung der Rechtslage zu erkennen ist – manche bereits beschlossenen Grenzwerte treten erst in den kommenden Jahren stufenweise in Kraft. Auch die Vergabe von Förderungen wird zusehends an das Vorliegen eines solchen Ausweises bzw. sogar an das Erreichen bestimmter Werte geknüpft. Wenn auch der gesetzlich vorgeschriebene Energieausweis selbst kein konkretes Handlungsgebot enthält: Um als Hauseigentümer am Ball zu bleiben, sind dessen Kennzahlen und die im besten Fall daraus resultierenden Verbesserungsempfehlungen jedenfalls eine wirklich nützliche Handhabe.
 
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