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Salzachbrücke

Die Sonnenseite des Unterberges

Christian Schickmayr

Die Sonne steht extrem tief um diese Jahreszeit, die Schatten sind lang und man ist froh um jeden Sonnenstrahl. Selten haben wir so warme Temperaturen bis weit in den November hinein erlebt, wie in diesem – ohnehin extrem heißen – Jahr. Sobald im Tal auf schattigen Hängen der Raureif die Wiesen vereist, sind sonnige Südhänge bei Wanderern sehr gefragt. Heute stellen wir unseren Lesern eine solche vor.
Zwischen dem Grenzübergang Schellenberg und dem gleichnamigen Markt in Richtung Berchtesgaden fällt an der Saalach der große, meist überfüllte Parkplatz auf, wo hunderte Menschen Richtung Toni Lenz Hütte losgehen. Hier fahren wir vorbei, um wenige hundert Meter später bei einem Kreuz rechts Richtung Ettenberg hochzufahren. Schon die Anreise ist spektakulär – nach etlichen engen Kurven erreicht man die Almhöhe beim Stierlinggut, von der sich ein beeindruckender Blick auf die Südwände des Untersberges bietet. Nach wenigen Kilometern erreicht man unübersehbar den großen Wanderparkplatz Hinterrossboden, Ausgangspunkt zum Stöhrhaus bzw. zum sehr stark frequentierten Klettersteig auf den Berchtesgadener Hochthron.  
Der Weg führt durch den Ludlgraben entlang des kristallklaren Baches bis zu einer Kurve vor einer Holzbrücke, wo es links weitergeht. Anfangs durch lichtdurchfluteten Hochwald, später über sonnige Almwiesen erreicht man nach 1,5 Stunden den Scheibenkaser, eine unbewirtschaftete Hütte, dessen Sonnen­terrasse zur Rast einlädt (großes Foto).
Der gut ausgebaute Weiterweg, der Roßlandersteig, führt nun ohne nennenswerten Höhenunterschied weiter Richtung Westen, immer unter den Südhängen des Berchtesgadener Hochthrons. Nach etwa einer Stunde erreichen wir eine Weggabelung, rechts führt der Weg nun in einigen Serpentinen hinauf zum „Leiterl“, einer sonnigen Almwiese mit Blick ins Lattengebirge und von dort nach Nordosten zum Stöhrhaus, welches man nach weiteren 30 bis 40 Min. unschwierig erreicht. Von dort sind es nur mehr wenige Höhenmeter zum höchsten Gipfel des Untersberg-Massives, dem Berchtesgadener Hochthron mit 1.972 Metern.
Das Stöhrhaus bietet bis Mitte Oktober auch Übernachtungsmöglichkeiten,  danach hat es bei Schönwetter nur noch am Wochenende geöffnet. Gesamtgehzeit von Ettenberg bis hierher ca. 3,5 Std. (Infos: www.stoehrhaus.de)  

Abstiegsvariante als Rundweg
Wer nicht den gleichen Rückweg nehmen will, für den bietet sich der (schattige) Abstieg ab Leiterl über den Stöhrweg unter der Almbachwand bis Dürrlehen an. Von dort geht es hinunter durch die Theresienklause und die spektakuläre Almbachklamm und von dort auf schmalem und etwas ausgesetzten Steig wieder hinauf Richtung Ettenberg. Abstiegszeit ebenfalls 3 bis 3,5 Std.

Variante für Sportliche
Voll im Trend und durch die sonnige Lage bis spät ins Jahr begehbar bietet der Hochthron-Klettersteig feinstes Klettersteig­erlebnis. Der Steig ist mit 400 Meter Höhenunterschied und 600 Meter Kletterlänge nur etwas für konditionsstarke und ausdauerkräftige Klettersteigler. Kühn angelegt und sehr ausgesetzt führt er durch die Südostwand bis knapp neben den Gipfel.
Vom Scheibenkaser folgt man ca. 1/2 Stunde den Beschilderungen zum Einstieg, um dann in ca. 2 Stunden durch den Steig zu klettern, der durchgehend bestens mit Drahtseil versichert ist. Bei Schönwetter und speziell am Wochenende ist der Steig stark frequentiert, mit Stau vor den Schlüsselstellen ist zu rechnen! Vom Ausstieg erreicht man in 20 Minuten das Stöhrhaus und wandert über den vorhin beschriebenen Wegen wieder ins Tal. Über den Klettersteig darf keinesfalls abgestiegen werden!
Hinweis: Die Abstiegsvariante über eine Leiter durch das „Mittagsloch“, einer Höhle unterhalb des Stöhrhauses, zum Scheibenkaser ist steil, teilweise ausgesetzt, über weite Strecken unversichert und bringt keinerlei Zeitersparnis. Dieser Weg ist nach Ansicht des Autors gefährlich und zu meiden!
 
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