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Salzachbrücke

Biologischer Pflanzenschutz ist Gärtnern ohne Gift

Je mehr heimische Pflanzen in einen Garten vorkommen, je mehr verborgene Winkel und Nischen vorhanden sind, desto mehr Tiere werden den Garten bewohnen oder besuchen, da heimische Tiere auch heimische Pflanzen als Nahrungsquelle brauchen. Marienkäfer und ihre Larven, Flor- und Schwebfliegenlarven ernähren sich hauptsächlich von Blattläusen. Igel und Laufkäfer verringern die Schneckenanzahl schon im Frühstadium, Singvögel fressen Blattläuse und Raupen. In einem Garten mit Wildpflanzen wird meistens kein Schädlingsbekämpfungsmittel gebraucht. Störungen gehen meist ohne großen Schaden vorüber. Die Vorbeugung ist hier wichtiger und wirksamer als die Reaktion auf Schäden.
Sollte wirklich einmal ein Eingriff notwendig sein, kann man auf verschiedene biologische und mechanische Maßnahmen zurückgreifen (z.B. Einsetzen von Nützlingen, Leimringe, Gemüsenetze, Gelbtafeln, Pflanzenbrühen und Jauchen, oder auch das Abklauben der Schädlinge).
Chemische Pflanzenschutzmittel richten im Garten meist mehr Schaden als Nutzen an. Teile des ausgebrachten Mittels werden durch die Luft woanders hin verfrachtet und beeinträchtigen Schädlinge und Nützlinge gleichermaßen.
Oft erholt sich die Schädlingspopulation schneller als die Nützlinge und der Befall ist nachher umso schlimmer. Außerdem kann man sich durch die Handhabung der chemischen Keule selber gefährden.
In der freien Natur stellt sich immer wieder ein biologisches Gleichgewicht ein. Wenn sich die Blattläuse stark vermehren, dann vermehren sich auch die Nützlinge – wenn auch etwas zeitverzögert – und dezimieren die Blattläuse auf ein erträgliches Maß. Wir sollen die Schädlinge ja nicht ausrotten, da sonst die Nützlinge nichts zum Überleben haben und stark dezimiert werden und bei Bedarf nicht vorhanden sind. Durch Eingriffe des Menschen wird dieses Gleichgewicht oft gestört. Die Entwicklung der Landwirtschaft und der Gartenbewirtschaftung in den letzten Jahrzehnten haben eher die Schädlinge gefördert. Nützlinge sind aber sehr wichtig zur natürlichen Kontrolle der Schädlingspopulation. Sie brauchen geeignete Lebensräume mit einem vielfältigen Angebot.
Die Natur reguliert sich selbst und lässt alle Lebewesen und Arten existieren. Das Prinzip lautet „Fressen und gefressen werden“. Man sollte auch verstehen, dass sich diese Tiere teilweise von Pflanzen ernähren, die wir als schützenswert betrachten. Ein durch Fraßschäden bedingter Verlust von bis zu 10% der Kulturpflanzen sollte toleriert werden. Sollten bestimmte Pflanzen immer wieder geschädigt werden, so soll man sie durch andere ersetzen, welche standortgerecht und widerstandsfähig sind.
Heute gibt es eine Unmenge an Gartenratgebern und Literatur, doch die Unsicherheit ist weithin sehr groß. Wer lernt, mit den Tieren im Garten zu leben und umzugehen und auf makellose Früchte, die mit viel Chemie und Bodenausbeutung produziert werden, zu verzichten, wird vielleicht ein besseres Gefühl für die Natur bekommen. Ein Ernteausfall bei einer bestimmten Obst- oder Gemüsesorte wird meist durch ein überreiches Ernteangebot anderer Arten wettgemacht.

Ich wünsche euch einen schönen und ertragreichen Sommer 2015, wo wir in Zusammenarbeit mit den Nützlingen viel gesundes Obst und Gemüse ernten können.

Baumwärter Josef Heinrich
 
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