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Salzachbrücke

Die Mistel, ein Schmarotzer auf Bäumen

Die Gattung Viscum ist weißbeerig und ist in Europa sehr stark verbreitet. Die Mistel konnte schon vor 1,8 Millionen Jahren nachgewiesen werden. Sie kommt vor allem in Regionen mit hoher Luftfeuchtigkeit und milden Wintern vor. In Nordeuropa ist sie allerdings sehr selten, da diese Pflanze mit Temperaturen von minus 20 Grad Celsius sehr leidet. Daher kommt sie bei uns nur bis zu einer Seehöhe von ca. 1.200 Meter vor. In südlicheren Ländern trifft man sie etwas seltener an, da sie auch mit Trockenheit Probleme hat. Die Mistel wächst auf ca. 40 Baumarten, bevorzugt aber Weichholzsorten wie Pappel und Linde. Auch das im frischen Zustand sehr weiche Apfelholz wird gerne besiedelt – aber getrocknet gehört Apfelholz zu den härtesten Gehölzen.
Da man annahm, dass die Mistel nur Mineralstoffe und Wasser aus der Wirtspflanze entnimmt, aber durch die eigene Blattmasse Photosynthese betreibt, galt sie früher als Halbschmarotzer. Heute wird sie als Schmarotzer bezeichnet, da sie auch Senker in die abstrebende Saftbahn im Kambium treibt und dort vermutlich Assimilate entnimmt und die Pflanze zusätzlich schädigt.
Misteln blühen und fruchten im Winter. Die Blüte setzt Ende Februar ein und dauert bis Mitte März. Die Mistel ist zweihäusig, das heißt, männliche und weibliche Blüten kommen auf getrennten Pflanzen vor. Manchmal scheint es, dass es sich nur um eine Pflanze handelt, aber dann stehen männliche und weibliche sehr eng nebeneinander. Die weiblichen Blüten sind kaum größer als 1 Millimeter, die männlichen Blüten sind größer und haben mehrere Staubbeutel. Die Mistel blüht frühestens im Alter von fünf bis sieben Jahren. Die Blütenstände sondern einen nach Orangen duftenden Nektar ab, der verschiedene Insekten und Bienen anlockt. Ab Ende Juni entwickeln sich die weißen Beeren, die botanisch Scheinbeeren sind. Diese Beeren reifen dann Anfang Dezember. Damit die darin befindlichen Samen auskeimen können, muss ein Vogel die ledrige Beerenhaut, die als Barriere wirkt, durchbrechen. Die Mistel dient verschiedenen Vogelarten als Winterfutter, vor allem den Drosseln. Diese Vögel fressen die Mistelfrucht im Ganzen, scheiden aber den Samen unverdaut mit dem Kot wieder aus. Durch diese Ausscheidungen wird der Samen sehr weit verbreitet. Andere Vögel putzen sich nach dem Verzehr der Frucht den Schnabel von der klebrigen Fruchtfleischmasse am Geäst des Baumes ab und sorgen so für die Verbreitung der Mistel. Die allgemeine Meinung, dass Mistelsamen erst mit dem Durchlauf durch den Vogelmagen keimfähig ist, stimmt nicht.
Es taucht immer wieder die Frage auf, ob die Frucht der Mistel giftig ist. In der Literatur werden sie als leicht giftig angegeben, aber eine Vergiftung kann nur durch den Verzehr von großen Mengen erreicht werden. Mistelsamen sind äußerst robust und können den ganzen Winter über in ihrer schleimigen Hülle auf einem Ast liegen, um dann im April auszukeimen. Beim Keimen schiebt sich ein dünner Stängel vor, der sich auf der Rinde festhält. Aus der Haftscheibe entsteht dann ein Saugorgan, das sich durch die Rinde bis ins Kambium schiebt und dort einen Senker bildet, damit der Keimling Wasser und Nährstoffe aufnehmen kann. Durch das extrem langsame Wachstum der Mistel wird dieser Schmarotzer oft erst recht spät auf Bäumen entdeckt. Die Bekämpfung kann nur durch großzügige Schnittmaßnahmen erfolgen, sollte aber auf jeden Fall gemacht werden, weil die Bäume durch diesen Schmarotzer sehr geschwächt werden.
 
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