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Salzachbrücke

Keine Rosen ohne Dornen - doch Piekser nimmt man gerne in Kauf!

Manch sentimentale Erinnerung hängt an getrockneten, angestaubten Rosensträußen, verstreute Rosenblätter zieren die festliche Tafel, Rosen schwimmen abends im Pool bei Fackelschein ... Und manches Dornröschen wartet noch auf den Prinzen, während andere längst schon ihre Rosenkriege ausfechten und die Romantik verduftet ist ...

LEIDENSCHAFT UND GESCHÄFT
Es gibt etwa 4.000 Rosensorten und täglich werden es mehr. Liebhaber und leidenschaftliche Rosenzüchter, Prüfungskommissionen und Auszeichnungen widmen sich mit Hingabe und Spürsinn fürs Geschäft diesen Gehölzen. Rosengärten von historischer Bedeutung werden von Heerscharen von Rosenfreunden alljährlich besucht, man staunt und fachsimpelt.

KAPRIZIÖSER LUXUS?
Die Rose ist kein Luxus mehr, wie sie es zu Minnesängers Zeiten war. Heute können wir Rosen im Kübel auf den kleinsten Balkon oder auf die Terrasse stellen oder im Garten anwurzeln lassen.
Doch manche Leute haben eine Scheu vor der Rose, sie sei gar zu kapriziös. „Stimmt nicht“, sagt Michaela Theis, die Garten-Künstlerin aus Teisendorf, die mehr als 100 Rosensorten in ihrem Garten vergesellschaftet hat. Hier entfalten sich einmal blühende, duftende alte Sorten in üppiger Blütenfülle und Prachtrosen, die mehrmals im Sommer erblühen.

KEINE ANGST VOR ROSEN
Also keine Angst vor Rosen? Mit den Tipps der Expertin ist weder die Gartenarbeit generell eine Sisyphus-Arbeit noch die Pflege der Rosen ein mühevoller Aufwand: „Wer einige Grundregeln befolgt, hat nicht viel Arbeit.“
Michaela Theis liebt einfache Rosen, bevorzugt aus Erfahrung Containerpflanzen, die jederzeit gesetzt werden können und zieht „Steckerl“ alter Rosen zu neuen Pflanzen heran.
„Die meisten Käufer gehen nach dem Erscheinungsbild, doch auch andere Kriterien sind zu beachten“, erklärt sie im Gespräch. Es geht um: 1. Robustheit und gute Winterhärte, 2. Blattgesundheit, deklariert mit ADR – Allgemeine Deutsche Rosenprüfung vom deutschen Arbeitskreis von Rosenzüchtern. Derart ausgezeichnete Rosen sind nicht anfällig für Rußtau und Mehltau. 3. Farbe, Form und Duft.

ROSENKAUF UND -PFLEGE
Rosenpflanzen, die schon einige Jahre alt und gut angewurzelt sind, können in den Garten gesetzt werden: Mindestens 40 cm tiefes Pflanzloch ausheben, rundherum auflockern, gute Muttererde dazu (Spezialerde ist nicht erforderlich), etwas Kompost beimischen und mit dem Bodenhilfsmittel Urgesteinsmehl anreichern, das liefert die wichtigen Mineralien. Vier Wochen später mit Stickstoff nachdüngen.
Und dann: Im Auge behalten, pflegen aber nicht verhätscheln! Bis die Wurzeln richtig entwickelt sind und bis zu einem Meter in die Tiefe reichen, brauchen Rosen viel Wasser – bei wenig Regen auch mal zehn Liter auf einen Schwall.
Rosen lieben luftige, windige Standorte, damit die Blätter und Stängel rasch abtrocknen, womit dem Pilzbefall vorgebeugt wird.

FARBEN UND SORTEN
Michaela Theis gibt einige Sortentipps, bezogen auf ihre Farben: Weiße Rosen gelten als empfindlichste Rosen. Eine Ausnahme ist die prämierte „Weltrose“ namens „Winchester Cathedral“. Die gelb blühende Kletterrose „Frühlingsgold“ betört durch Couleur und Duft. Blühfreudig und widerstandsfähig ist die orange „Westerland“, „Rosanna“ klettert Pink in die Höhe, „Laguna“ in Purpur. Die alten Klettersorten „Fritz Nobis“ und „Fantine Latour“ zeigen sich in Rosa, während „Hansaland“ als historische Strauchrose Purpur blüht und stark duftet. „Veilchenblau“ wird auch als Märchenrose bezeichnet. Diese üppig blühende, 100 Jahre alte Sorte zählt zu den Rambler-Rosen: weichtriebig kletternde Rosen, die alte Bäume oder ganze Hütten überwachsen.
Michaela Theis erwähnt auch die englischen, gefüllten Austin-Rosen: Neuere Züchtungen sind robust und lassen ihre schweren Blütenköpfe nicht mehr hängen.

AKTUELLER TIPP
Dazu ein Tipp, aktuell für die Jahreszeit: Der Bodenhilfsstoff Patentkali härtet Stämme und Geäst, sodass schwere Blüten stramm stehen. Bis spätestens Mitte August einen Joghurtbecher Patentkali zu jeder Rose streuen, das macht sie obendrein winterhärter.
Michaela Theis stärkt auf diese Weise alle ihre Sträucher und Stauden.

BEGLEITPFLANZEN
Lavendel und Rose? Eine Mär. Lavendel liebt Kalk, Rosen hassen Kalk. Eine der beiden Pflanzen kommt zu kurz. Michaela Theis empfiehlt als Rosenbegleiter Ziersalbei, der bis zu drei Mal blüht, Glocken- und Flockenblumen, Bartnelken, Schmuckkörbchen, Storchschnabel, Frauenmantel, einjährige Gräser ... Besonders effektvoll sind Rosen zusammen mit Clematis, die sich ineinander schlingen und zu gleicher Zeit den Schnitt verlangen. Vorsicht vor Hybriden, hingegen sind Sorten der Viticella- oder Alpinagruppe resistent gegen die gefürchtete Clematis-Welke.

SCHNITT: MUTIG UND BEHERZT
Der Rosenschnitt soll „mutig und beherzt“ erfolgen, das treibt zur Blüte an – „jeder gute Gärtner hat immer eine Schere zur Hand.“
Und was macht man bloß gegen die Schädlinge? „Ich habe alles probiert“, gesteht Michaela Theis, „und bin zu folgendem Schluss gekommen: robuste Sortenwahl, luftiger Standort, ausschneiden, damit viel Luft an die Pflanze kommt, präventiv spritzen.“
Gute systemische Mittel, die über die Blatt-aufnahme sogar heilend auf die ganze Pflanze wirken, sind sparsam in der Anwendung und wohl unerlässlich. Ende April, wenn alle Blätter heraußen sind, beginnen und vierwöchentlich wiederholen. Tipp: Zwei bis drei Mittel abwechseln, damit keine Gewöhnung eintritt.

PFERDEMIST UND RINDENMULCH
Der ideale Dünger ist Pferdemist – leichter als Kuhmist und nicht zu scharf. Im Dezember, es kann schon geschneit haben, sollte mit Pferdemist sechs bis acht cm hoch um die Rosenpflanzen aufgetragen werden. Im Frühjahr die Mistreste auseinander ziehen, und wer den Mist nicht sehen will, schichtet Rindenmulch darüber.
Apropos Rindenmulch: Ihm wird nachgesagt, dass er den Boden sauer macht. Das wird durch die winterliche Mistdüngung verhindert, so dass sich ein optimaler Vorgang ergibt (gilt nicht nur bei Rosen): „Ich erwische vier Fliegen auf einen Schlag: Ich baue Humus auf, brauche die Rosen nur einmal im Jahr zu düngen, brauche we-
gen des entstehenden, wasserspeichernden Humus nicht so viel zu gießen und unterdrücke Unkraut.“

UNKRAUT UND SCHNECKEN
Ist ja toll! Und was macht die Gartenkünstlerin sonst noch gegen infames Unkraut?
Sie bleibt entspannt: „Ich kämpfe nicht gegen Giersch & Ackerwinde, sie ließen sich nicht besiegen. Ich schneide sie oberflächlich weg“, und das hat seinen Grund: jedes in der Erde verbleibende Wurzelstückchen würde neu austreiben und noch mehr zum Ärgernis auswachsen.
Aber es gibt doch auch Schnecken. Oja, Michaela Theis bezeichnet sie als „Nachlässigkeit“. Man ist diesen Biestern nicht hilflos ausgeliefert, wenn man den Tipp befolgt: Von Saisonbeginn bis Ende Oktober kontinuierlich mit Schneckenkorn dahinter sein – keine Häufchen auftürmen, sondern die Körnchen über den ganzen Garten breitflächig verteilen, auf dem Rasen, in den Beeten, im Komposthaufen, dort wo die „Kinderstuben“ der glitschigen Schnecken eingerichtet sind. Der beste Zeitpunkt: Abends vor einem Regen. Der Lockstoff sollte einige Stunden wirken, damit auch wirklich alle angekrochen kommen ...

ROSEN IM WINTER
„Ich decke meine Rosen im Winter nicht ab, nur meine drei Edelrosen“, überrascht die Kunstgärtnerin, „die Pflanzen in meinen hohen Ton-Rosentöpfen werden ostseitig an die Wand gerückt, die Töpfe mit Noppenfolie und Jute oder Leinen umwickelt, Pferdemist auf die Erde, an frostfreien Tagen mit etwa zwei Litern pro Rose gießen.“ Die Gartenrosen sind frosthart. Wegen der umständlichen Überwinterung gibt es im Theis’schen Garten keine Rosenbäumchen. Große Pracht bei relativ wenig Arbeit ...

 

Sylvia Nachtmann

 
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