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Salzachbrücke

Mehr als ein Hobby

„Einen leichten Vogel hat jeder bei uns“, schmunzelt Hermann Stegbuchner und spielt damit auf die Begeisterung und Leidenschaft der Kleintierzüchter an, die regional und überregional verbunden in regem Austausch stehen, „von der Südsteiermark bis in die neuen deutschen Bundesländer sind wir unterwegs und mit bayerischen Vereinen pflegen wir besonders intensive Kontakte.“

Für Eigenbedarf und Verkauf
Der Ostermiethinger Zuchtverein wurde 1958 gegründet, für Eigenbedarf und Verkauf. Zu Kaninchen, Vögeln, Wassergeflügel und Hühnern kamen mittlerweile exotische Vogelarten, seltene Wachteln, Ziertauben und Zierenten hinzu. Eine eigene Sparte bilden Erhaltungszuchten seltener Rassen wie Altsteirer und Sulmtaler Kaiserhühner, höchst begehrt in der gehobenen Gastronomie (ein Kilo Sulmtaler Kapaunfleisch soll Spitzenköchen um die 60 Euro wert sein – allerdings ist die Hahnkastration aus Tierschutzgründen in Österreich verboten). Diese wertvolle Rasse scheint in der Roten Liste der seltenen Nutztierrassen in Österreich auf.

„Bestrumpfte“ Hühner, zutraulich und kinderlieb
„Sundheimer“ Hühner seien wirklich zu empfehlen, meint der Experte. Diese „bestrumpften“ Hühner sehen nicht nur putzig aus, sie sind gesellig, zutraulich, neugierig, laufen dem Halter zu – besonders Kinder haben ihre Freude damit, wenn ihnen die Tiere wie ein Hunderl nachlaufen. Stegbuchner: „So lernen Kinder den natürlichen, ruhigen Umgang mit Tieren.“

Züchten und Selbstversorgung liegen im Trend der Zeit
„Wir haben relativ junge Züchter“, erklärt Stegbuchner und schätzt das Durchschnittsalter auf etwa 40 Jahre, denn Zucht für Hobby und Selbstversorgung liegt im Trend. Zwei Drittel der aktiven Mitglieder sind Frauen – nicht zuletzt unter der Devise: „Ich möchte wissen, was meine Familie auf den Tisch bekommt.“ Da wird die Arbeit rund ums Züchten gerne in Kauf genommen. Zu jeglicher Hilfestellung, Austausch und Information bieten sich das Vereinsleben und die überregional veranstalteten Treffen und Grillfeste an, wobei die Geselligkeit nicht zu kurz kommt, wie Stegbuchner betont.

Lebendige Geschöpfe, erfreuliche Ergebnisse
Stegbuchner ist begeistert von allen seinen Tieren, so charakterisiert er die Sulmtaler-Rasse als „schönes, schweres Huhn“, mit tollem Fleisch und hoher Legeleistung. Seine Tiere sind nun mal sein „Steckenpferd“ und selbst als gelernter Metzger kann er keines seiner Tiere töten – muss es doch einmal sein, dann entschuldigt er sich in alter Indianer-Philosophie bei dem Geschöpf.
In seiner Zucht befinden sich weniger Nutztiere als Tiere zum Bestaunen, wunderschöne Zierenten – etwa Mandarinenten, amerikanische Brautenten – sowie australische, indische und südamerikanische Ziertauben in Außenvolieren. Seine Züchtungserfolge haben sich über die Grenzen herumgesprochen, auch der österreichische Bundesobmann kam zur Besichtigung. Kleintierzucht hat auch mit Ästhetik zu tun.    

Tiere, Obst- und Gartenbau
„Diese Tiere sind einfach schön!“, ihre Zeichnungen, ihre Farbigkeit. Unter Stegbuchners Wachteln befinden sich auch Regenwachteln aus Madagaskar und chinesische Zwergwachteln, „die bringen Farbe in jede Ausstellung“, etwa im Vereinslokal Gasthof Brunner in Tarsdorf.
Einzigartig in Österreich ist die Verbindung mit Fisch- und Bienenzüchtern und Obst- und Gartenbauvereinen. Das liegt eigentlich auf der Hand: Wer Tiere liebt, sollte auch der Natur nahestehen. So werden auch Baumschnitt- und Pfelz-Veredelungskurse angeboten. Stegbuchner wehrt sich zum Wohle der Bienen gegen Round up, hingegen empfiehlt er blühende Hecken statt Thujen und Mauern, etwa mit Zierquitte (auch für Marmelade) oder Hibiskuszäune.
Kleinrassetierzüchter sind aktive Leute. Dazu ein Zitat von der Homepage des Rassegeflügel- und Vogelzuchtvereines Freilassing-Teisendorf: „Die Industrialisierung in der Tierzucht lässt nur mehr Platz für Hochleistungsrassen und das Erbgut alter Rassen wäre ohne die Arbeit der Rassegeflügelzüchter für immer verloren. Unser Bestreben ist es, den Menschen die Freude am Halten und Züchten von Rassegeflügel, Tauben und Vögeln in unserer hektischen Zeit nahezubringen. Vor allem den Kindern und der Jugend wollen wir zeigen, dass der Umgang mit lebendigen Geschöpfen, deren Pflege und Zucht eine interessante und sinnvolle Freizeitgestaltung bietet. Auch unsere Züchter von Ziergeflügel tragen zum Erhalt von in der Natur bedrohten Wildtieren wie verschiedenen Entenrassen, Wachteln, Rebhühnern und Fasanen bei.“
In diesem Sinne hat sich bei den Ostermiethinger Züchtern auch eine Gruppe junger Burschen auf die Zucht heimischer Fische verlegt – Störe, Karpfen und Waller.

Kleintierzuchtverein Ostermiething und Umgebung – Rassekleintierzucht
Obmann Hermann Stegbuchner, h.stegi@gmx.at
Ende November: Ausstellung des Kleintierzuchtverbandes Ostermiething im Gasthof Brunner Tarsdorf – Kleintiere, Obst- und Gartenbau
 
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