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Salzachbrücke

Rindenbrand an Obstgehölzen

Rindenbrand ist eine Sammelbezeichnung für krankhafte Rindenveränderungen an Obstgehölzen. Als Erreger können Pilze wie z.B. Monilia oder Bakterien der Gattung Pseudomonas in Frage kommen. Auch sind Mischinfektionen von Pilzen und Bakterien schon nachgewiesen worden. Pseudonomaden gehören zu den rindenbewohnenden Bakterien auf Gehölzen. Diese Bakterien sind flächendeckend auf der Rinde mit bis zu 50.000 pro cm. Diese Bakterienbesiedlung ist normal und für die Pflanze nicht grundsätzlich schädlich.
Gelangen diese Bakterien während der Vegetationszeit über Wunden in das Kambium oder in das Blattgewebe, hat das Gehölz eine ganze Reihe von Möglichkeiten, sich zur Wehr zu setzen. Beispielsweise können Blattpartien, in denen sich Bakterien befinden, abgetötet werden. In diesen nekrotisierten Stellen geht auch der Erreger zugrunde. Eine andere Möglichkeit der Pflanze ist die Bildung einer chemischen Barriere aus Phenolen im Holz, die für die Bakterien unüberwindbar ist. Mit einer ganzen Reihe von Maßnahmen kann sich die Pflanze in kürzester Zeit gegen diese Erreger zur Wehr setzen und sich vor einer Erkrankung schützen.
Ganz anders sieht es in der Vegetationsruhe aus. Dies ist die Zeit vom Blattfall bis zum Knospentreiben im Frühjahr. In dieser Zeit ruhen die aktiven Lebensvorgänge im Gehölz. Die Bakterien sind aber noch bei 1 Grad Celsius aktiv und vermehren sich. Gelangen sie in dieser Zeit in das Kambium (lateinisch cambium = Wechsel), so ist die Pflanze im Frühjahr schon sehr geschwächt, ohne dass äußerlich auf die Krankheit etwas hindeuten würde. Im Kambium werden die Versorgungsleitungen, die die Pflanze mit Assimilaten versorgen, geschädigt. Die Pflanze wird damit nicht mehr genug versorgt. In weiterer Folge verlieren die Blätter ihre grüne Farbe und werden gelb, das Triebwachstum kommt zum Erliegen. Im Laufe des Sommers erscheinen die kranken Teile als eingesunkene Stellen. Ist der Bakterienbefall stamm­umfassend, stirbt die Pflanze ab. Auch im Endstadium ist diese Krankheit schwer zu diagnostizieren. Direkte ­Ge­genmaßnahmen gibt es nicht, eine befallene Pflanze kann nicht mehr gerettet werden. Der Erreger ist ein Wundparasit, der die Pflanze nur in der Vegetationsruhe angreifen kann. Es sollte daher unbedingt vermieden werden, Jungpflanzen in der absoluten Winterruhe zu schneiden, weil über diese Wunden das Bakterium eine Eintrittspforte hat.
Auch Frostrisse oder Wildverbiss sind eine Gefahr für die Pflanze, weil dort das Kambium beschädigt ist. Um Frostrisse zu vermeiden, hat sich ein Weißanstrich sehr bewährt. Frostrisse entstehen, wenn bei Minustemperaturen eine hohe Sonneneinstrahlung besteht. Die Temperaturunterschiede zwischen der Südseite und der Nordseite sorgen für eine solche Spannung, dass die Rinde aufreißen kann. Durch das Weißeln wird die Sonne reflektiert und der Stamm bleibt kalt. Die Risse werden dadurch vermieden.
Der bakterielle Rindenbrand ist nicht leicht zu erkennen und fordert einiges an Erfahrung und Fachwissen für den Baumbesitzer. Mit der Verschiebung des Schnittzeitpunktes und dem Weißeln der Pflanzen stehen Maßnahmen zur Verfügung, die ein Erkranken der Pflanzen entgegenwirken.

Josef Heinrich
 
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