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Salzachbrücke

Winterruhe für Samen

Keimruhe bei Pflanzen
Die Keimruhe, auch Samenruhe genannt, wird mit einem Fachbegriff als Dormanz bezeichnet. Sie verhindert, dass Pflanzen zu Zeiten, die für das Wachstum ungünstig sind, keimen und dann mit hohem Risiko zugrunde gehen. Keimruhe ist bei Pflanzen des gemäßigten Klimas die Regel. Auf diese Weise können sie in unserer Region den Winter, andernorts allenfalls anhaltende Trockenperioden im Sommer, gut überstehen und anschließend bei optimaleren Wachstumschancen keimen, wachsen und sich wieder fortpflanzen. Die Zeitdauer der Samenruhe kann bei verschiedenen Pflanzenarten recht unterschiedlich sein, aber auch die Faktoren, die schließlich wieder zur Auflösung der Keimruhe führen, sind vielfältig: Temperaturschwankungen, Lichtverhältnisse, Feuchtigkeit, Bodenbeschaffenheit/Nährstoffe spielen dabei eine entscheidende Rolle.

Samenentwicklung
Samen entstehen, indem eine in den Samenanlagen enthaltene Eizelle durch ein Pollenkorn befruchtet wird. Aus der befruchteten Eizelle entsteht durch Zellteilungen ein pflanzlicher Embryo. Dieser wächst aber nicht kontinuierlich weiter, sondern wird – durch teilweise Austrocknung – in eine Art Wartestellung versetzt, die Samenruhe. Je nachdem, ob der Same schließlich frei (also nicht von einer Fruchtwand umschlossen) an der Pflanze gebildet wird, wie etwa bei den Samen in den Fichtenzapfen, spricht man von „Nacktsamern“, hingegen handelt es sich um „Bedecktsamer“, wenn der Same von einer Fruchtwand umschlossen ist, wie das beispielsweise bei den Samen (Kernen) eines Apfels oder einer Kirsche der Fall ist.

Samenverbreitung
Ein Same oder Samen – gärtnerisch auch Saat oder Saatgut – dient letztlich der Ausbreitung der Samenpflanzen. Er ist außen von einer Samenschale umgeben und enthält den Embryo (Keimling) und häufig noch ein Nährgewebe. Damit ausgestattet ist der Same befähigt, zu einer neuen Pflanze heranzuwachsen. Die Samenausbreitung ist vielfältig, bei den meisten Pflanzen fallen die reifen Samen bzw. Früchte einfach zu Boden, einige Arten haben aktive Ausbreitungsmechanismen entwickelt, so wie das Springkraut, das die Samen aus seinen berührungsempfindlichen Explosionskapseln weithin ausschleudern kann. Wieder andere Arten setzen auf die Verbreitung der Samen durch den Wind (z. B. die geflügelten Samen des Ahorns, die Löwenzahnsamen mit ihren Flughaaren). Weitere Möglichkeiten der Samenverbreitung bestehen durch das Wasser (z.B. Wassernuss), durch Tiere (z.B. Kletten, Vogelbeeren) oder den Menschen, der sich Pflanzen nutzbar macht und sie gezielt ansät.

Keimruhe auch bei manchen Tieren
Zurück zur Keimruhe. Eine solche hat sich nicht nur bei Pflanzen entwickelt und bewährt, sondern auch bei etlichen Tierarten. So erfolgt beim Reh die Befruchtung bereits ab Ende Juli. Die befruchtete Eizelle entwickelt sich aber nicht kontinuierlich, sondern legt zuerst einmal bis zum Dezember eine Ruhephase (die Eiruhe) ein. Erst danach setzt die Entwicklung des Embryos ein und das Rehkitz kommt schließlich im vegetationsreichen Frühling (Mai/Juni) zur Welt. Bei Mardern, Fischottern, Dachsen und Bären ist Keimruhe ebenfalls nachgewiesen.

Auch Einzeller machen mal Pause
Es ist durchaus keine alleinige Erfindung der Pflanzen, dass sie ungünstige Bedingungen zu überdauern trachten. Schon Einzeller sind auf die „Idee“ gekommen, sich bei widrigen äußeren Umgebungsverhältnissen einfach abzukapseln, also so genannte Dauerzysten zu bilden. In dieser Form können sie lange Zeit – unter Umständen sogar Jahrzehnte – überdauern und bei für sie geeigneten Verhältnissen wieder zum aktiven Leben erwachen.
 
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