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Salzachbrücke

Albanien

Albanien liegt zwischen Montenegro und Griechenland und teilt im Inland die Grenzen mit Kosovo und Mazedonien. Obwohl es ein sehr kleiner Staat ist (Bayern ist z. B. doppelt so groß), bietet das Land eine Vielfalt an Landschaften und kulturellen Sehenswürdigkeiten. Aufgrund der sogenannten „Landflucht“ der letzten 20 Jahre, lebt der Großteil der drei Millionen Albaner in den Städten.
Wir waren durchaus überrascht, wie freundlich und vor allem unaufdringlich sich die Nachfahren der Illyrer den Fremden gegenüber präsentieren. Es ist auch bewundernswert, wie schnell sie sich nach der 45-jährigen Dunkelheit der kommunistischen Abschottung unter dem Diktator Enver Hoxha erholt und weiterentwickelt haben. Erst im Jahr 1990 war es erlaubt, ein Auto zu besitzen! Inzwischen ist der Kampf gegen das chronische Analphabetentum relativ erfolgreich, aber die Nachwirkungen der diktatorischen Paranoia von 1945–1990 sind wirtschaftlich und sogar noch landschaftlich sichtbar, z. B. die tausenden Bunker, die wie Betonpilze im ganzen Land verstreut sind.

Tirana und Umgebung
Wir flogen Mitte Oktober nach Tirana, dem einzigen internationalen Flughafen, und starteten dort unsere Rundreise. Schon am ersten Tag müssen wir feststellen, dass viele Europäer ein falsches Bild von Land und Leute haben. Der mit Spannung erwartete erste Spaziergang zeigt uns ein modernes, schön gestaltetes Stadtzentrum. Überall in den Städten herrscht Aufbruchstimmung. Es wird sehr viel neu gebaut und umgestaltet, und allmählich wird das Grau der kommunistischen Wohnsilos am Stadtrand mit bunten Farben übermalt. Vom hochgelegenen Heldenfriedhof hat man einen wunderschönen Ausblick auf die Stadt und das Dajti Gebirge im Osten.
Von Tirana fahren wir nordöstlich ins Gebirge in die malerische Kleinstadt Kruje – ein Pflichtbesuch für alle Albanienreisenden. Hier befindet sich das Skanderbeg Museum, das man gewissermaßen als Nationalheiligtum Albaniens bezeichnen könnte. Diese Gegend wurde schon im 3. Jahrhundert vor Christus von den Illyrern besiedelt und gehörte im 12. Jahrhundert zu Byzanz (Istanbul). Im 15. Jahrhundert verteidigte Skanderbeg, Albaniens berühmtester Kämpfer, die Stadt vier Mal erfolgreich gegen die Osmanen. Hier kann man durch die engen Gassen wandern und am Markt die handwerklichen Künste der Albaner bewundern und Souvenirs kaufen. Das schön angelegte Museum wurde auf dem ehemaligen Festungsgelände übersichtlich gebaut. Eine Besichtigung für 100 Leke (ca. 0,75 Euro) lohnt sich für jeden Besucher.
Auf der Suche nach der Stadt der tausend Fenster
Unsere Reiseroute geht weiter Richtung Süden nach Dürres, eine Küstenstadt mit ca. 100.000 Einwohnern, die sich als Übernachtungsmöglichkeit gut eignet. Direkt am langen Sandstrand sind Hotels in allen Preiskategorien und Restaurants bzw. Bars, um gut und preiswert zu essen. In einem guten Restaurant bekommen wir Suppe, Hauptspeise und ein Getränk für 500 Leke (ca. 4 Euro).
Am nächsten Tag stehen zwei Höhepunkte auf dem Programm. Zuerst besichtigen wir die Ausgrabungsstätte Apollonia, 12 km westlich von der Kleinstadt Fier, einst eine florierende Hafenstadt mit einer Kapazität von 120 Schiffen. Sie war auch ein Zentrum für Philosophie und Architektur-Studien. Apollonia hatte schon im 2. Jahrhundert eine Bevölkerung von 60.000. Die imposante Tempelfassade und die Ruinen geben bei einem Rundgang viel Einblick ins damalige tägliche Geschehen.
Eine Stunde Fahrt östlich von Apollonia stößt man auf ein richtiges Juwel inmitten der faszinierenden Landschaft mit einer zerklüfteten Bergkette. Die Stadt Berat wird „Stadt der tausend Fenster“ genannt und ist ein Prachtexemplar osmanischer Bautraditionen. Die atemberaubende Aussicht von der Festung auf die Stadt tief unten im Tal ist genau so beeindruckend, wie die Eindrücke unten am Fluss.
Islamische Moscheen stehen hier neben orthodoxen und christlichen Kirchen und alle Religionen leben friedlich miteinander. Mit Stolz erzählen uns die albanischen Einwohner, dass sie bezüglich Glaubenstoleranz auf der ganzen Welt musterhaft sind.

Die albanische Riviera ruft
Nach Berat geht es wieder zurück zur Küste nach Vlore, der zweitgrößten Hafenstadt nach Dürres. Vlore bietet viele gute Übernachtungsmöglichkeiten und im modernen, überraschend westlich wirkenden Teil der Stadt laden die breiten Boulevards mit ihren Palmen und Straßencafés zum Abendspaziergang ein. Jetzt kommt der mit Spannung erwartete Küstenabschnitt, aber zuerst muss man durch den Logara National Park und über den Logara Pass mit wunderschönen Panoramas und dann kommen wir nach Dhermi und Himare an der malerischen Küste am Ionischen Meer mit seinem kristallklaren Wasser. Wer genügend Zeit hat, könnte ohne weiteres hier noch einen Tag weilen, bevor es nach Sarande weitergeht.

Die Highlights von Südalbanien
Bevor die Reise wieder Richtung Tirana zurückgeht, sind noch zwei absolute Highlights auf dem Programm. Zuerst geht es nach Butrint, eine der umfangreichsten Ausgrabungsstätte in Europa. Butrint liegt auf einer Halbinsel und die ersten Funde stammen aus dem 8. Jahrhundert vor Christus. Der Ort ist einzigartig, nicht nur wegen der Ausdehnung oder einzelner Bauwerke, sondern auch wegen der fast paradiesischen Umgebung mit ihrer friedlichen Ruhe und idyllischen Landschaft. Hier sollte man mindestens einen halben Tag einplanen. Danach kommt als krönender Abschluss die Stadt Gjirokaster – die „Stadt der tausend Stufen“ –, in vielen Hinsichten der Inbegriff albanischer Städte. Unterhalb der Festung spazieren wir durch die steilen, engen Gassen mit Kopfsteinpflaster und bewundern die alten Häuser aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Im kleinen Café neben der Straße plaudern wir mittags mit der Besitzerin, die optimistisch in die Zukunft blickt und wir versichern ihr, dass wir Albanien wunderschön finden und bald wieder kommen werden!

Ideale Reisezeit: Mitte April bis Mitte Juni bzw. Mitte September bis Mitte Oktober. Flüge gibt es ab München (direkt) und auch ab Wien über Ljubljana. Reist man mit dem eigenen Auto an, bietet sich die Fähre von Triest nach Dürres an (50 km südlich von Tirana).
 
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