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Salzachbrücke

Einmal Fischmarkt und zurück

Nach einem heißen Sommer und einem warmen, wanderbaren Herbst steht zum Konsum unseres Resturlaubes noch eine 4-tägige Städtereise nach Hamburg auf dem Programm. Günstige Flüge mit Air Berlin oder Fly Niki gibt es ab München, von wo man in einer Stunde in Hamburg ankommt. Wie immer bei Reisen in europäische Großstädte, führt unser erster Weg zum Informationsschalter am Flughafen, wo wir uns eine „Hamburg-Card“ für vier Tage besorgen. Diese Karte gibt es praktisch in jeder größeren Stadt und ermöglicht die kostenlose Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel, vergünstigte Eintritte in Museen usw.
Mit der U-Bahn bzw. S-Bahn erreichen wir rasch unser kleines, zentral gelegenes Mittelklasse-Hotel. Nach kurzem Frischmachen geht es zu einem ersten Rundgang zum Hamburger Hafen.

Gigantische Hafendimensionen
Natürlich ist eine Besichtigung des größten Seehafen Deutschlands nicht zu Fuß machbar. Eine geführte Hafenrundfahrt mit einem der zahlreichen Anbieter ist sinnvoll und so fahren wir schaukelnd die wichtigsten Passagen ab. Wir haben Glück, just an diesem Wochenende liegt die Queen Mary 2 im Hafen vor Anker und direkt dahinter die aus der „Traumschiff“-Reihe bekannte MS Deutschland.
Die RMS Queen Mary 2 gehört zu den berühmtesten Schiffen der Gegenwart (148.500 BRZ), mehr als 3.000 Passagiere und 1.250 Besatzungsmitglieder finden auf ihr Platz. Mit einer Länge von 345 Meter und einer Höhe von 72 Meter ist sie zwar nicht das größte Passagierschiff der Welt, doch im Vergleich zu ihr wirkt die dahinter liegende MS Deutschland (22.496 BRZ) trotz ihrer 175 Meter Länge fast wie ein Beiboot.
Die Hafenrundfahrt führt schließlich durch die „Speicherstadt“, weiter zu den Werften für Luxusjachten und vorbei an den gigantischen Docks, wo Container vollautomatisch auf die riesigen Frachtschiffe verladen werden. Obwohl wir nur einen kleinen Teil der Hafenanlagen besichtigten, verließen wir nach ca. 2 Stunden tief beeindruckt unser Rundfahrtsschiff.

Reiches Kulturangebot
Ein Theaterbesuch – wir hatten Karten für „König der Löwen“ vorgebucht – schloss den ersten Tag unseres Aufenthaltes ab. Die Stadt Hamburg verfügt über ein sehr reiches Angebot an Kultur. In zahlreichen Theatern werden Vorstellungen ersten Ranges aufgeführt. Eines unserer nächsten Highlights war jedoch ein Besuch des Planetariums am Folgetag. Die in einem ehemaligen Wasserturm untergebrachte High-Tech Anlage zeigt unterschiedliche Programme u. a. eine beeindruckende Reise in die Tiefen des Weltalls, welche wir besuchten (Derzeit ist das Planetarium wegen Umbauarbeiten bis Ende 2016 geschlossen). Eines der Wahrzeichen der Stadt ist die Kirche St. Michaelis, weithin als der „Michel“ bekannt. Von seinem Hauptturm hat man einen großartigen Rundblick, den wir uns natürlich nicht entgehen ließen. Der Blick reicht über die ganze Stadt und auch über die Hafenanlagen, wo wir noch einmal die Dimensionen der Queen Mary 2 erkennen konnten.
        
Leidgeprüfte Hansestadt
Obwohl es in der 1,7 Mio. Einwohner zählenden Hansestadt Hamburg ein kleines Altstadtviertel gibt, war es als solches für uns nicht erkennbar. Das Stadtbild ist geprägt von den großen Blocks der Speicherstadt und sehr vielen Neubauten zwischen Resten alter Häuser. Kennt man die Geschichte Hamburgs, wird auch klar, warum das so ist. Beim großen Brand, der vom 5. bis zum 8. Mai 1842 wütete, wurde mehr als ein Viertel des damaligen Stadtgebietes zerstört.  1.700 Häuser in 41 Straßen und 102 Speicher waren ebenso zerstört wie drei Kirchen (darunter die Hauptkirchen St. Nicolai und St. Petri), das Rathaus, die Bank, das Archiv und das Commercium mit der alten Börse. 100 Jahre danach – während des zweiten Weltkrieges – wurden durch schwerste Bombardements erneut etwa 80 % der Häuser zerstört. Die heute noch erhaltene Speicherstadt mit ihren zahlreichen Ausstellungen und Museen – besonders sehenswert das Eisenbahnmuseum – wurde 2015 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Für einen Spaziergang durch diesen Stadtteil sollte man sich schon ein paar Stunden Zeit nehmen. So trist die Häuser von außen erscheinen, es gibt tatsächlich fast an jedem Eingang Interessantes zu sehen!

Ausflüge in die Umgebung
Wer Zeit dazu hat, sollte auch die Umgebung Hamburgs für Ausflüge nutzen. Mit der Bahn fahren wir in nur 1,5 Std. nach Husum und mit dem Bus weiter nach Nordstrand ans Schleswig-Hol­stein’sche Wattenmeer. Regelmäßig fahren hier Boote auf mehrstündigen Rundfahrten durch die Nordsee, vorbei an der Hallig Südfall und etlichen Sandbänken, die von dutzenden Seerobben bevölkert werden. Die Landschaft hier ist eigentlich gar keine. Kein einziger Hügel, Ebene wohin das Auge reicht, nur Grasweiden und Wattenmeer. Dennoch hat auch das seinen Reiz. Auf unserem Rundfahrtschiff wird frischer Zander vom Rost angeboten, den wir natürlich probieren. Wie überall hier im hohen Norden Deutschlands schmeckt der Fisch immer frisch und köstlich!
Auch ein Ausflug nach Kiel bzw. Laboe an der Ostsee ist mit Bahn, Bus und Schiff  leicht an einem Tag machbar. Mit der Schleswig-Holstein-Bahnkarte fahren wir zu viert um wenige Euro zu diesen interessanten Ausflugsorten und besuchen das U-Boot Museum sowie das bekannte Seefahrerdenkmal in Laboe.

„...und noch"nen Aal!!!
Hamburg ohne Fischmarkt wäre nicht Hamburg. Wer also eine Städtereise hierher plant, sollte unbedingt darauf achten, einen Sonntag in die Reisezeit einzuplanen. Denn nur an diesem Tag findet der berühmte Fischmarkt in der Großen Elbstraße in Altona statt, der wesentlich mehr ist als eine Ansammlung von Verkaufsbuden für Fisch. Von 5.00 bis 9.30 Uhr werden unter freiem Himmel Waren aller Art – vorwiegend aber Obst, Gemüse und Fisch, aber auch Lebendvieh wie Hühner, Kaninchen und Brieftauben – lautstark angepriesen.
Der Markt gehört zu den wichtigsten Touristen­attraktionen Hamburgs und ist schon in frühen Stunden rammelvoll. Zu beobachten, wie die Marktschreier den Kunden kiloweise geräucherten Aal verkaufen, ist einfach eine Schau. Je näher der Zeitpunkt des Marktschlusses kommt – der über Lautsprecher angekündigt wird – desto billiger werden die Preise. Um die Waren nicht bis zum nächsten Sonntag lagern zu müssen, verkaufen die Händler eine ganze Kiste Obst oder Gemüse schließlich um wenige Cent. Anschließend wird in der benachbarten Auktionshalle beim Frühschoppen gezecht, getanzt und gelacht. Während man zu ebener Erde der imposanten Stahlgerüsthalle mit Matjesbrötchen und Frikadellen versorgt wird, kann man in den Galerien der oberen Etagen ein gepflegtes Kapitäns-Brunch bzw. gegenüber ein Fischmarkt-Brunch einnehmen. Das alles bei Livemusik, welche die ganze Halle zur Tanzfläche macht.
Obwohl wir viel gesehen haben in diesen vier Tagen, gäbe es noch etliches zu erkunden. Eines darf man sich hier auf keinen Fall entgehen lassen: die mit Sicherheit besten Matjesbrötchen der Welt!

Christian Schickmayr
 
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