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Salzachbrücke

Hoch hinauf im Taygetos

Auch wenn Griechenland derzeit anderweitig Schlagzeilen macht, das Land hat unbestritten wunderschöne Landschaft, herrliche Strände und gastfreundliche Bewohner. Und es hat über hundert Gipfel mit dem Namen Profitis Ilias. Warum so viele, erklären wir noch. Jedenfalls befindet sich einer davon im Taygetos Gebirge am Peloponnes und lockt mit einer spektakulären Wanderung in herrlicher Landschaft.
Im Zuge einer Rundreise mit dem Campingbus rund um den Peloponnes sind wir irgendwann im Lakonischen Golf angekommen. Zwischen kilometerlangen Orangenplantagen erreichten wir den menschenleeren Sandstrand zwischen Kokkinia und Trinisa, der vor Hitze flimmerte. Die einzige Strandtaverne war mangels anwesender Touristen noch geschlossen, sodass uns die Fahrt in die kühlen Berge nahe Sparta ganz gelegen kam.
Von der Küste erreichten wir in ca. 1 Stunde die Abzweigung kurz vor Sparta nach Palepanaghia und Toriza, nach weiteren 30 Minuten auf zahllosen Serpentinen kamen wir am Abend bei der Maganiari-Quelle auf 980 m Seehöhe an. Tagsüber zapfen die Einheimischen kanisterweise klares Wasser aus dieser Quelle, jetzt am Abend sind wir alleine und genießen die Ruhe und die Kühle hier auf diesem Rastplatz, wo wir übernachten.
Bereits um 5 Uhr früh machen wir uns am nächsten Morgen auf den Weg, schließlich sind mehr als 1.400 Höhenmeter und einiges an Strecke zu bewältigen. Auf schlecht markiertem Forstweg – wir gehen hier eher nach Gefühl – erreichen wir nach 1,5 Stunden das EOS Refugio auf 1.500 m, eine Selbstversorgerhütte, wo man gegen Anmeldung und Kaution auch nächtigen könnte. Zwei leere Zelte stehen hier vor der Hütte, die Bewohner sind offensichtlich auch schon unterwegs.  
Ab hier geht der mit Stangen markierte Weg in einen steinigen Pfad über, der rundherum mit zahllosen Bergblumen gesäumt ist, auch der bekannte und wohlschmeckende Bergtee wächst hier in großen Mengen. Der Weg windet sich auf schottrigem Gelände, vorbei an mächtigen Schwarzkiefern entlang der Ostflanke des Berges und geht schließlich in kahles baumloses Gelände über. Schon fast auf Gipfelhöhe wechselt man über den Grat auf die Westflanke des Berges, kühler, ja richtig kalter Wind zwingt uns zum Anziehen warmer Kleidung und Windjacken. Die Temperatur erreicht nur mehr 4°, als wir den Gipfel auf 2.404 Metern erreichen.
Gut vier Stunden reine Gehzeit haben wir hier herauf benötigt, der Rundblick entschädigt für den langen Aufstieg: Unter uns liegt der Golf von Githio, im Südwesten die Mani. Bei guter Fernsicht reicht der Blick bis nach Kreta, im Nordosten glitzert die Stadt Sparta herauf.
Ein Gipfelkreuz suchen wir vergebens, dafür stehen wir in den Resten einer Wallfahrtskirche, die ein Mal jährlich von vielen Gläubigen besucht wird.
Jedes Jahr am 20. Juli finden zahllose Menschen den Weg hier herauf, die im Rahmen einer mehrtägigen Wallfahrt von Githio zu Fuß oder auf Eseln zum Gebet hier zusammenkommen. Das Kirchlein, in dem wir unsere Brotzeit einnehmen, ist genauso karg wie die Umgebung am Gipfel. Nichts gibt es darin, lediglich ein paar Steintafeln mit Bildern von Heiligen, die am Boden aufgestellt wurden. Heute sind wir ganz alleine hier am Gipfel, die kahlen Mauern schützen uns vor dem kalten Wind, doch am 20. Juli wird die Kapelle von den Popen und seinen Helfern kirchlich geschmückt auf die Wallfahrer warten.
Bei Einbrechen der Dunkelheit werden sie mitgebrachtes Weihrauchgewächs unter Psalmengesang entzünden. Diese Feuerchen werden selbst von den entfernten Dörfern Lakoniens aus wahrgenommen und die entfernten Beobachter bekreuzigen sich bei ihrem Anblick.
Leider lassen die Wallfahrer auch viel Müll auf dem Gipfel zurück, eine Unart, die in Griechenland noch allzu häufig vorkommt. Wir nehmen unseren Abfall jedenfalls wieder mit und machen uns auf den Rückweg. Beim Abstieg wird noch etwas vom eingangs erwähnten – in seinem Aussehen an Salbei erinnernden – Bergtee gepflückt, natürlich nur in kleiner Menge für den persönlichen Gebrauch, die Pflanze ist geschützt, das Sammeln deshalb verboten. Aber was kümmern die Griechen schon Verbote – und so halten wir es heute auch!
Der Abstieg bringt uns Meter um Meter in wärmere Luft und bei unserem Fahrzeug angekommen, freuen wir uns auf das erfrischende Wasser aus der Maganiari-Quelle. Bei unserer Tour waren wir fast gänzlich alleine, nur zwei Wanderer aus Prag haben wir unterwegs getroffen.
In Sparta angekommen, hat es bereits wieder 30° und mehr. Wir blicken nochmals zurück auf die fünf Gipfel des Bergkammes und „unseren“ Profitis Ilias. Eine der Überlieferungen lautet, dass der Prophet Ilias nach einem Schiffsunglück, das er knapp überlebt hat, auf der Suche nach einem Ort war, wo die Menschen keinen Bezug zum Meer haben. Dabei musste er bis ins Gebirge wandern, um Hirten zu finden, die nicht wussten, was ein Ruder ist. Dort baute er ein Haus. Dort – und auf jeder höchsten Erhebung fast aller griechischen Inseln gibt es heute ein Haus des Propheten und einen Gipfel mit dem Namen Profitis Ilias.
Alle Infos und Kartenmaterial zu dieser Tour finden Sie auch auf dem Alpintouren-Portal www.alpintouren.com!

Christian Schickmayr
 
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