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Salzachbrücke

Malta und Gozo

Die bunten Fischerboote von Marsaxlokk sind eines der beliebtesten Fotomotive von Malta.

 

Christian Schickmayr

 

Die 316 km2 große Inselgruppe liegt nur ca. 80 km südlich vor Siziliens Küste, gehört geologisch zwar zu Afrika, ist aber dennoch seit 1. Mai 2004 kleinstes Mitglied der EU. Seit 2008 gehört der Staat sogar zur Euro-Währungsunion. Die größere der beiden Hauptinseln ist Malta mit 246 km2, mit einer Einwohnerdichte von 1.346 Ew/km2 gehört sie zu den am dichtesten bevölkerten Regionen der Welt! Die Nachbarinsel Gozo (67 km2) ist weniger dicht besiedelt und wirkt insgesamt naturbelassener.

Obwohl wir bereits im April unseren einwöchigen Urlaub auf Malta antraten, wirkte die Insel trocken, steinig und staubig. Sand- oder Kiesstrände, wie wir sie von unseren Aufenthalten an der italienischen oder kroatischen Küste kennen, gibt es hier nur sehr wenige. Den schönsten Strand mit richtig herrlich goldfarbenem Sand fanden wir auf Gozos Nordküste bei Xaghra.

Wer einen Badeurlaub machen möchte, ist auf dieser Inselgruppe ohnehin fehlplatziert, das Wasser ist sehr kühl, auch im August kommt es kaum über 22°C. Hoher Wellengang und nicht selten starke Winde laden nicht unbedingt zum Baden im Meer ein. Für einen Urlaub mit Kindern ist die Insel nicht wirklich geeignet.

Doch Malta und Gozo haben anderes zu bieten. Auf engstem Raum gibt es vieles zu entdecken und zu bestaunen. Allem voran die Hauptstadt Valletta mit ihrer sehenswerten Festungsanlage. Das wollten wir auf unserem Weg vom Flugplatz zu unserem Hotel an der Nordküste natürlich nicht auslassen.

Also raus aus dem Terminal, rein ins Mietauto und los geht die Fahrt. Ahja – fast vergessen, Linksverkehr! Mit gebotener Vorsicht geht das dann doch und gottlob haben die Malteser in den letzten Jahren fast durchwegs auf Kreisverkehr umgebaut, was das Abbiegen an Kreuzungen wesentlich erleichtert.

Valletta,Hauptstadt der Republik Malta, wurde auf Grund ihres kulturellen Reichtums 1980 als Gesamtmonument in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes eingetragen. Sie liegt auf einer Halbinsel und konnte strategisch so die beiden Häfen an ihren Flanken bestens überwachen. Mit ihrem Ring aus Bastionen zählte Valletta im Mittelalter zu den am besten gesicherten Städten der Welt.

Tatsächlich wurde die Stadt auch nach der Kapitulation der Malteser vor Napoleons Flotte niemals beschossen, das besorgten dann deutsche und italienische Luftangriffe während des zweiten Weltkrieges. Die Festungsmauern hielten dem Bombardement allerdings stand.

 

Orientalischer Flair

Bei einem Spaziergang entlang bzw. oberhalb dieser Mauern hat man einen fantastischen Blick auf die umliegenden Hafenanlagen. Innerhalb der Mauern findet man eine quirlige Altstadt mit zahlreichen Cafés und Restaurants, Einkaufsstraßen und Geschäften. Die berühmten Balkone von Valletta an den Fassaden der Prunkbauten gehören zu den am meisten fotografierten Motiven der Stadt und geben dem Stadtbild einen orientalischen Flair. Nach einem ausgiebigen Rundgang und Besichtigung der wichtigsten Sehenswürdigkeiten machen wir uns auf den Weg zur Nordküste. Die dichte Bebauung und die rücksichtslose Fahrweise der Einheimischen inkl. der Busfahrer in ihren betagten Gefährten gebietet uns sehr defensive Fahrweise. Ich bereue es schon, ein Auto gemietet zu haben, anstatt auf das gut ausgebaute öffentliche Busnetz bzw. Taxis zu setzen. In unserem Hotel Ramla Bay nahe der Fähre zu Gozo sind wir schließlich gut angekommen und bestens untergebracht.

 

Bitte ohne Pfefferminz-Soße!

Malta war bis September 1964 britische Kolonie. Zahlreiche Briten hatten zumindest bis dahin auf der Insel Zweitwohnsitze. Obwohl Malta seit 1964 eigenständig ist, haben sich britische Gepflogenheiten auf der Insel bis heute gehalten, so wird zu jedem Fleischgericht die für unseren Gaumen sehr zweifelhafte Pfefferminzsoße serviert. Gott sei Dank wenigstens in einer eigenen Sauciere. Auch die typischen englischen roten Postkästen und Telefonzellen findet man noch hier und da. Kein Wunder, dass sich vor allem englische Touristen hier wohl fühlen.

Die Nähe zur Fähre nutzen wir gleich am nächsten Tag zur Überfahrt nach Gozo. Vorbei an der nur 3 km2 großen Insel Comino, auf der es außer zwei Hotels und einer Tauchstation nix gibt, kommen wir nach kurzer Überfahrt in Mgarr an. Unser erstes Ziel sind die Ggantija Tempelanlagen bei Xaghra, welche die älteste Kultstätte des maltesischen Archipels darstellt. Der gut erhaltene Tempelkomplex ist eine Kultanlage aus der Jungsteinzeit, bestehend aus riesigen, beeindruckenden Steinplatten.

Aber nicht nur diese Ausgrabungen führten uns hierher, auch der ganz in der Nähe liegende Ramla-Strand mit seinem goldfarbenen Sand ist einen Ausflug wert. Dieser Strand ist sicher der schönste der gesamten Inselgruppe. In Victoria, der größten Stadt von Gozo, kaufen wir noch köstlichen Schafskäse mit Kräutern in Öl, danach besuchen wir noch die Basilika da Pinu und die felsige Küstenlandschaft, anschließend begeben wir uns wieder ins Hotel zu Steak mit Pfefferminzsoße...

Nicht versäumen sollte man bei einem Aufenthalt in Malta Mdina, die Stadt der Stille. Enge Gassen und zahlreiche fotogene Eingangstüren sind Highlights für jeden Fotografen. In Mdina findet man auch schöne Utensilien aus Glas. Ähnlich wie in Murano hat man sich hier einen Namen in der Kunst der Glasbläserei gemacht, wenn auch in ganz anderem Stil. Flaschen, Aschenbecher, Vasen aus buntem, dick geblasenem Glas findet man in vielen Geschäften. Nicht fehlen darf auch der Besuch der Stadt Mosta mit der Rotunda Santa Marija Assunta. Die Maria-Himmelfahrts-Kirche, gemeinhin als Rotunde von Mosta bekannt, besitzt mit 39 Meter Durchmesser die viertgrößte Kirchenkuppel der Welt!

Ein weiterer Höhepunkt für Fotografen und Fischliebhaber ist der Fischerort Marsaxlokk. Die bunten Boote – Luzzi genannt – schmücken die Ansicht des ganzen Hafens, in mehreren Restaurants und kleinen Kneipen wird zudem frischer Fisch und natürlich auch Steak angeboten. Unbedingt probieren – aber bitte ohne Pfefferminz-Soße!

 
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