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Salzachbrücke

Norwegens Südwesten – Rundreise durch das Land der Trolle

Wir haben uns gut vorbereitet für unsere Rundreise durch den Süden und Westen Norwegens und eine Route festgelegt, die uns von Kristiansand entlang der Süd- und Westküste bis nach Trondheim und durch das Inland über Lillehamer und Oslo wieder zurückbringen sollte. Exakt 6.900 km sind es schließlich geworden, die wir im Monat Juni dann zurückgelegt haben.

Von Hirtshals im Norden Dänemarks starten wir mit einem Fährschiff der Color Line, das uns in 3,5 Stunden nach Kristiansand bringt. Wir haben Glück, die Sonne scheint und es hat für dieses Land ungewöhnliche 25°C!

Die Grenzkontrolle – Norwegen ist ja kein EU-Land – gestaltet sich als Durchwinken und so sind wir rasch an der stark befahrenen E39 Richtung Stavanger, die wir bei der ersten Gelegenheit verlassen und auf weniger befahrenen Küstenstraßen weiterfahren. Hier kommt man dann zwar langsamer voran, aber die Ruhe und die traumhafte Landschaft ist den Hauptstraßen in jedem Fall vorzuziehen. Sehr schnell gewöhnt man sich an diese beschauliche Fahrweise, man hat Zeit zum Entspannen und Schauen. Über Mandal mit seinem traumhaften Sandstrand geht es vorerst auf schmalen und kurvigen Straßen an die südlichste Spitze Norwegens, dem Kap Lindesnes. Die Landschaft ist geprägt von Schären, kleinen Inseln und Granitfelsen, überall gespickt mit den typisch rot gestrichenen Holzhäuschen und Bootshütten. An vielen der vorgelagerten Inseln – Norwegen hat nicht weniger als 150.000 davon – befinden sich Leuchttürme, die meisten davon sind automatisiert, aber einige wenige auch noch bewohnt.

 

Freies Übernachten – aber nicht überall

Norwegen ist vor allem bei Campingtouristen sehr beliebt. Für Camper mit Zelt ist das Übernachten überall in der freien Natur erlaubt, sofern es auf Privatgrundstücken nicht dezitiert verboten wird. Für motorisierte Camper wie uns gilt dieses Jedermannsrecht zwar nicht, dennoch wird das Übernachten an geeigneten Plätzen überall geduldet. Doch auch wer Campingplätze vorzieht, wird angenehm überrascht sein, sind diese doch deutlich billiger wie in südlichen Urlaubsländern, bei gleichzeitig sehr hohem Standard.

Das ersparte Geld geht jedoch beim Einkauf im Supermarkt wieder drauf. Die Lebenserhaltungskosten sind wesentlich höher wie in Deutschland, Essen im Restaurant ist für unsere Begriffe purer Luxus, selbst eine Pizza schlägt mit rund 300 Kronen (33 Euro) zu Buche und unter 10 Euro ist kein Bier (0,4 l) zu bekommen.

Kurz vor Stavanger verlassen wir die herrliche Küste und setzen mit der Fähre zum Preikestolen über. Eine Felskanzel, die 600 Meter über dem Fjord überhängend hinausragt, ist das Ziel unserer heutigen 4-stündigen Wanderung, die wir übrigens erst um 18 Uhr starten. Spielt aber keine Rolle, denn hier wird es erst um 23 Uhr dämmrig und so richtig finster eigentlich gar nicht. Nach 2 Stunden über Felsstufen, Bächen und Granitplatten stehen wir dann auf dem berühmten Felsen und müssen uns tatsächlich für das obligate Gipfelfoto noch anstellen. Wir bleiben, bis die Sonne hinter den Bergen verschwindet. Als wir zwei Stunden später am Campingplatz einchecken, ist es immer noch taghell.

 

Ein Tag in der Stadt der Musik

Um Kilometer zu sparen, haben wir bei der Anreise zum Preikestolen Stavanger ausgelassen. Diesen Besuch holen wir heute mit der Fähre nach, die von der Stadt Tau direkt ins Zentrum nach Stavanger fährt. Der Campingbus parkt billig im Abfahrtshafen, die Überfahrt dauert rund 30 Minuten und kostet nur wenige Euro. Wieder ist das Wetter herrlich sonnig und warm, gleich bei der Ankunft fällt uns die Musik auf, die man überall in der Stadt hören kann. Welch ein Glück! Heute ist „Musikk Fest“! 120 Gruppen, von jungen Rockbands bis zum Senioren-Gesangsverein, beleben die ganze Stadt mit Musik. Dementsprechend voll sind alle Lokale, dennoch ergattern wir an der Hafenpromenade einen Platz im „Fisketorget“, wo es überdies eine unbeschreiblich gute Fiskesuppe gibt. Diesen Genuss können wir uns hier und heute natürlich nicht entgehen lassen! Den ganzen Tag verbringen wir noch in der wunderschönen Stadt mit ihren Gassen, den restaurierten Häusern in der Altstadt und dem quirligen Treiben am Hafen (Titelfoto). Ähnliches erlebten wir übrigens auch in anderen Städten wie Ålesund, Trondheim und besonders in Oslo. Überall herrscht geselliges Treiben in den Lokalen, die sich an den Flaniermeilen über hunderte Meter aneinanderreihen.

 

Entlang von Fjorden, Wasserfällen und Gletschern

Die weitere Fahrt an der Westküste gestaltet sich zu einem Rausch der Sinne. Entlang der schmalen Fjorde mit ihren fast senkrechten Felswänden schießen überall die Wasserfälle von hoch oben ins Meer, bei der Fahrt über die Berge von einem Tal zum anderen ist man oft zwischen meterhohen Schneewänden unterwegs. Hier oben wird auch im Juni Langlauf und Tourenskilauf betrieben. An den Ostseiten der Berge reichen die Gletscherzungen fast bis ans Meer. Wir besuchen bei Odda am Sørfjord die größten Wasserfälle des Landes und stehen nur 300 Höhenmeter über dem Meer an den großen Gletscherzungen des Buerbreen.

Die Wanderung zur Trolltunga (Trollzunge) ist eine hohe Herausforderung an die Kondition. 9 bis 12 Stunden, je nach Wetter und Fitness, über steile Felsstufen, Schneefelder, Bäche und Brücken sind zu bewältigen, um sich auf dem berühmtesten Felsen Norwegens – welcher 700 Meter über Grund 12 Meter weit hinausragt – ablichten zu lassen. Die folgenden Tage schonen wir dann unsere Knie beim Angeln und Baden im 17°C kalten Wasser.

Mit der Fahrt durch den Nærøyfjord und dem Aurlandsfjord von Gudvangen nach Kaupanger kürzen wir mit 3 Stunden Schiffsfahrt viele Kilometer durch lange Tunnel ab. Die Fahrt durch den schmalsten Fjord Norwegens mit der betagten Fähre im Abendlicht bleibt ein unvergessliches Erlebnis. Auch die Fahrt durch den Geirangerfjord, dem angeblich schönsten Fjord der Welt möchten wir nicht missen. Wieder haben wir Glück und erleben das Schauspiel der herabstürzenden Wassermassen im Sonnenlicht.

 

Über Brücken und Stege entlang der Atlantik-Straße

Eine der spektakulärsten Streckenabschnitte wartet am Atlantik noch auf uns. Nachdem wir uns in Ålesund an den wunderschönen Jugendstilbauten satt gesehen haben, geht es entlang der immer rauher werdenden Küste über etliche kühn gebaute Brücken zur Atlantikstraße. Die Fahrt entlang dieser architektonischen Meisterleistung ist ein Erlebnis und so gut wie jeder Autohersteller hat diesen Streckenabschnitt bereits für Werbefilme genutzt. Entsprechend ist hier im Sommer natürlich viel Verkehr. Aber auch hier gilt: sobald man die Hauptstraße verlässt, ist man fast alleine. So gelangen wir an die äußersten Zipfel der Inseln Langøya und Honningsøya, wo auf hunderte Meter langen Holzgerüsten der bekannte Klippfisch zum Trocknen in der Sonne hängt. Mit Salz haltbar gemacht, wird er als „Bacalao“ dann das ganze Jahr über in guten Restaurants in verschiedenen Varianten angeboten. Wir haben diese Spezialität gemeinsam mit einer guten Flasche Weißwein genossen. Allein das ist ein Grund zum Wiederkommen nach Norwegen, wo es noch so vieles zu entdecken gibt.

 

Christian Schickmayr

 

 
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