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Salzachbrücke

Rajasthan – Faszination zwischen Prunk und Armut

Zuerst ein Ratschlag an alle zukünftigen Indien-Besucher: Vergleichen Sie Indien nicht mit Europa, sonst laufen Sie Gefahr, das Land und all seine Schätze nicht genießen zu können! Indien ist ein riesiges Land voller Kontraste: inmitten der Armut und Not befinden sich wundervolle Tempelanlagen und prunkvolle Paläste. Die 1,3 Milliarden Einwohner stellen eine riesige Herausforderung dar, vor allem in den Bereichen Bildung, Trinkwasser und medizinischer Versorgung. Chronische Arbeitslosigkeit prägt das Straßenbild und Reisende müssen sich auf Bettler einstellen, aber trotz allem sind die Einheimischen kommunikativ und zugänglich. Die Reise durch Rajasthan ist wohl eine sehr positive, erlebnisreiche Erfahrung, welche die meisten Erwartungen übertrifft.  
Unsere zweiwöchige Rundfahrt von fast 3.000 km führt uns zu den schönsten und interessantesten Sehenswürdigkeiten des Staates Rajasthan, der Österreich flächenmäßig viermal übertrifft und fast zehnmal so viele Einwohner vorweist. Die Reise beginnt in der 19 Millionen Stadt Delhi, die wohl das ganze Jahr über mit Smog und extrem viel Verkehr und Staus zu kämpfen hat. An manchen Straßen rasen Autos, Fuhrwerke, Mopeds und Tuk-Tuks 20-spurig in eine Richtung. Die Fahrzeuge bahnen sich einen Weg um die heiligen Kühe, in einem Land wo es so gut wie keine Verkehrsregelungen gibt. So wird jede Fahrt zu einem motorisierten Roulette. Lassen Sie sich auf keinen Fall eine Fahrt durch die engen Gassen von Alt-Delhi entgehen! Tausende freihängende Stromkabel prägen das Straßenbild inmitten des Tumults. Auf der einen Seite sitzt der Friseur am Gehsteig mit einem am Baum befestigten Spiegel und auf der anderen Seite liegt eine kleine Decke am Boden, die das Zuhause für eine vierköpfige, obdachlose Familie darstellen soll.

Herzlicher Empfang
Zuerst fahren wir von Delhi nach Alsisar, einer Kleinstadt im Norden. Das einfache Krankenhaus und ein Kindergarten, wo die Kinder ohne Spielzeug auf dem harten Steinboden sitzen, sind herzzerreißend. Wie überall werden wir auch in der Volksschule herzlichst empfangen und von zwei am Boden sitzenden weiblichen Köchinnen in der auf der Veranda befindlichen Schulküche zu einem Naan Brot eingeladen, das am offenen Feuer zubereitet wird. Die Schüler empfangen uns in den spärlich eingerichteten Schulräumen mit Begeisterung. Wir trösten uns damit, dass sie wenigstens einmal am Tag etwas zu essen bekommen. Wir schlendern weiter an den Kühen und Kamelkarren vorbei und kommen zum Hauptbrunnen, wo junge Mädchen am Nachmittag das tägliche Wasser in den dafür vorgesehenen, am Kopf transportierten Behältern für die Familie holen.

Wunderschöne gepflegte Gärten
Die Einheimischen sind freundlich und offen – sie freuen sich sogar, wenn sie fotografiert werden. Abends kommen wir zu einem von vielen luxuriösen Hotels. Rajasthan weist viele sogenannte „Heritage Hotels“ auf, die früher entweder Paläste der Maharajas waren, oder Landsitze der reichsten Geschäftsleute,  sogenannte „Havelis“. So können Reisende in 300–400 Jahre alten, liebevoll restaurierten Gebäuden und wunderschön gepflegten Gärten mit Schwimmbädern wohnen. Sobald man die Einfahrt erreicht, eröffnet sich eine andere Welt, zu der die einheimische Bevölkerung keinen Zugang hat, was natürlich manchmal auch zu Gewissenskonflikten führen kann.
Nach Alsisar fahren wir nach Bikaner mit dem beindruckenden Fort Junagarh aus dem 17. Jh., wo man innerhalb der Mauern 37 Paläste findet. Die Forts in Rajasthan beheimaten oft mehrere Paläste. Weiter geht es dann nach Jodhpur, der blauen Stadt, wo wir das imposante Mehrangarh Fort besichtigen. Die aus rotem Sandstein von 100.000 Arbeitern in 10 Jahren gebaute Festung sitzt majestätisch auf einem Hügel. Ein Inder zeigt uns, wie man aus 8 m Stoff einen Turban bindet.

Opium-Zeremonie nur für Männer
Am nächsten Tag machen wir eine Jeepsafari zum friedvollen Stamm der Bishnoi. Sie leben nach strengen Gesetzen, sind Vegetarier, töten keine Tiere und fällen keine Bäume. Der Weg führt durch die Halbwüste und wir beobachten verschiedene Vogelarten an den Wasserstellen sowie Antilopen und Gazellen, bevor wir bei einer Bishnoi Familie Halt machen und an einer traditionellen, religiösen, ausnahmslos männlichen Opium-Zeremonie teilnehmen. Dabei wird eine Opium-Paste mit Wasser gemischt, durch einen speziell dafür angefertigten Filter aus Holz gelassen und schluckweise direkt aus der Hand getrunken.  
Ein paar Kilometer werden mit einer kleinen Schmalspurbahn zurückgelegt, was sehr erlebnisreich war. Die Fahrt geht quer durch das Aravalli Gebirge in einem veralteten, unbequemen Zug, aber voller neugieriger, bunt angezogener Händler und Reisende. Schnell kommt man mit den Reisenden ins Gespräch. Immer wieder bleibt die Bahn stehen und dadurch hat man die Möglichkeit, die wunderschöne Landschaft in Ruhe zu genießen und das bunte Treiben entlang der Gleise beobachten zu können. Affen laufen frech hin und her und Frauen in langen Saris zeigen Körbe mit Spezialitäten und preisen ihre Waren an. In der wohl saubersten und prunkvollsten Stadt Udaipur mit den vielen aus weißem Marmor gebauten Palästen und Gebäuden machen wir eine Bootsfahrt auf dem malerischen Picholasee zum Palast, wo die Filme „Octopussy (James Bond)“ und „Der Tiger von Eschnapur“ gedreht wurden. Der wundervolle Stadtpalast, der sich über 500 m Länge erstreckt, spiegelt wohl das Luxusleben der damaligen Herrscher beeindruckend wider.

Taj Mahal – Symbol der ewigen liebe
Jaipur, die „pink city“, ist die Hauptstadt von Rajasthan. Aufgrund des Besuchs von Edward VII. im Jahre 1876 ließ der Maharaja die Stadt rosa anmalen. Diese Tradition wird seitdem beibehalten. Der Palast der Winde und das mächtige Amber Fort, das mit Elefanten erreicht werden kann, sind zwei weitere Sehenswürdigkeiten, die jedem Besucher in Erinnerung bleiben, bevor es dann zum Schluss unserer Reise zum absoluten Highlight kommt: dem Taj Mahal!
Der Maharaja Shah Jahan ließ den Palast als Symbol der ewigen Liebe für seine verstorbene Frau Mumtaz Mahal zwischen 1630 und 1652 errichten. Der riesige Palast aus weiß-poliertem Marmor mit eingelegten Intarsien aus Edelsteinen glänzt inmitten bezaubernder Gartenanlagen und ist in der Tat eines der sieben Weltwunder der Neuzeit!♦
 
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