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Salzachbrücke

Tagebuch aus Tanzania

Ob die archaischen Landschaften, die wilden Tiere und nicht zuletzt die besonders freundlichen und liebenswerten Menschen – ich bin vom Virus erfasst! Ich will dieses Virus auch gar nicht mehr loswerden. Im Gegenteil, ich organisiere Rundfahrten und begleite Safaris in Tanzania, damit ich so oft wie möglich Gelegenheit habe, mich dort aufzuhalten.
Eine meiner Rundreisen beginnt in der Stadt Arusha. Wir, das sind meine Gäste Susi und Joseph sowie unser Fahrer Said und ich. Arusha wird als das Tor zu den Nationalparks wie Serengeti und Ngorongoro Krater bezeichnet. Die Stadt liegt auf einer Seehöhe von 1.400 m und daher ist es tagsüber nie heiß und die Nächte sind angenehm kühl. Direkt über Arusha befindet sich der Mount Meru. Mit 4.565 Metern der zweithöchste Berg Tanzanias. Ein Vulkan, der 1910 zum letzten Mal ausgebrochen ist.
Erst spät am Morgen verlassen wir die Stadt. Die Strecke von Arusha zum Tarangire Nationalpark beansprucht zwei Stunden. Links und rechts der Straße befindet sich Massai Land. Unterwegs begegnen wir den hochgewachsenen Hirten und ihren Herden. In einem kleinen, noch namenlosen Marktflecken, halten wir an, weil uns die Fruchttürme faszinieren. Drei Meter hohe Pyramiden aus Ananas und Mangos türmen sich auf und ein endloses Meer aus Bananenstauden breitet sich aus. Wir kaufen gegrillte Maiskolben, ein paar frische Mangos, Papayas und Schleimfrüchte, auf Kisuaheli Tope Tope. Letztere halten, was ihr Name verspricht. Bricht man die raue, dunkle Schale auf, quillt einem cremefarbener Schleim entgegen. Dieser allerdings ist süß, verströmt einen angenehmen Duft und schmeckt vorzüglich. Die mittelgroßen Kerne im Schleim spuckt man besser gleich aus. Mit kindlicher Begeisterung feilschen wir um den Preis.
Besuch der BAUMLÖWEN
Die Straße verlässt nach 50 km die Hochebene und führt eine langgestreckte Senke hinab. In einer Entfernung von 10 km kann man bereits den Lake Manyara erkennen. Einen See, der je nach Jahreszeit und Regenmengen entweder eine einzige geschlossene Wasseroberfläche zeigt oder auch zweigeteilt ist. An seinem Westufer, in enger Nachbarschaft zum Ostafrikanischen Grabenbruch, befindet sich der gleichnamige Nationalpark. Bekannt ist dieser für seine Löwen, die auf Bäumen leben. Nicht, dass es sich dabei um eine besondere Spezies gehandelt hätte. Die Löwen schlafen nur deshalb auf Bäumen, weil am Boden zahlreiche lästige Treiberameisen-Völker leben.
Kurz bevor wir die Weggabelung beim Dorf Makuyuni erreichen, glauben wir unseren Augen nicht zu trauen. Said bremst scharf ab und zeigt nach rechts in die Büsche. Dort steht, den Hals gestreckt, eine Giraffe und gafft uns an. Im Grunde weiß keiner von uns, wer wen beobachtet. Gelangweilt kaut sie Blätter und setzt sich dann mit ihrem typischen Zeitlupengang in Bewegung. Said meint, dass sie sich verirrt haben müsse. Wahrscheinlich stamme sie aus dem Lake Manyara Nationalpark, der sich unweit von hier befindet.

Auf der Piste zum Nationalpark
Wenige Kilometer nach Makuyuni zweigt von der Hauptstraße eine Piste zum Tarangire Nationalpark ab. An der Kreuzung entsteht gerade ein neues Dorf. Die Menschen dort wollen auch an den Touristen mitverdienen. Auffällig sind Schilder, die auf Frauenkommunen hinweisen. Die Mitglieder malen, flechten Körbe und Matten oder widmen sich dem Kunsthandwerk.
Wer weiß, wie ein Waschbrett aussieht, der erahnt auch, in welchem Zustand sich die Piste nach Tarangire befindet. Nachdem wir sieben lange Kilometer durchgeschüttelt wurden, erreichen wir endlich den Eingang zum Nationalpark. Faszinierend sind die unterschiedlichen Eintrittsgebühren. Ein Staatsbürger Tanzanias bezahlt einen Euro fünfzig, ein Ausländer 30 Euro.
Said darf als geprüfter Tour Guide den Geländewagen im Nationalpark fahren. Erreicht man das Gelände, fallen einem als ­Ers­tes die weite Grassteppe und der Baumbewuchs auf. Markant allerdings sind die riesigen Baobab Bäume. Durchmesser von mehr als sechs Metern sind keine Seltenheit. Sämtliche Bäume zeigen jedoch erhebliche Schäden. Während der Trockenzeit fressen die unzähligen Elefanten des Parks die Rinde der Bäume, um ihren Durst zu stillen. Den Bäumen, so versichert Said, mache das allerdings nicht viel aus – sie gedeihen weiter. Der Tarangire Park ist für seine riesigen ­Ele­fantenherden berühmt und dies ist auch der Hauptgrund, warum wir ihn als Erstes besuchen.

Bitte nicht aussteigen
Nach einer Viertelstunde stoppt Said den Wagen, weil unser Gast Joseph sich unbedingt in das riesige Loch eines Baobab Baumes stellen möchte.  Wir beschließen, ihm zu folgen. Said soll uns fotografieren. Susi, Joseph, Saids Freundin Arana und ich betreten den Baum und Said schießt einige Fotos. Man merkt ihm an, dass er nervös wird. Es ist verboten, das Fahrzeug zu verlassen. Said gestikuliert und ruft, sofort wieder einzusteigen. Gemächlich kehren wir zum Fahrzeug zurück.
Langsam setzen wir die Fahrt fort und umrunden den mächtigen Baobab Baum. Susi stößt als Erste einen entsetzten Schrei aus. Auf der gegenüberliegenden Seite des Baumes, wahrscheinlich nur einige Meter vom Fotopunkt entfernt, döst eine Löwin seelenruhig im Schatten des Baumes. Leichtsinn lasse einen schnell zur Mahlzeit werden, dachte ich. Essen auf Rädern für die Löwen!

 
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