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Salzachbrücke

Toskana

Toskana – schon das Wort zergeht auf der Zunge wie zarter Pecorino, handgeschnittene Salami und Vernacchia di San Gimignano. Wer nicht unbedingt zur Hauptreisezeit im August die Region besucht, findet neben angenehmen Temperaturen auch entspannte Atmosphäre und eine hervorragende Cucina Italiana  in atemberaubender Landschaft vor.

Christian Schickmayr

Für die rund 700 km lange Anreise bis Florenz sollte man mit Pausen schon einen Tag einplanen. Die Strecke lässt sich aber angenehm aufteilen, z. B. lässt sich um die Mittagszeit ein Zwischenstopp am Gardasee vornehmen. Auf der Terrasse des Ristorante Lido Paina in Malcesine – mit Blick auf die Scaligerburg am Felsen über dem See – holen wir uns einen ersten italienisches Geschmackseindruck – Caprese mit Büffelmozzarella, Penne al arrabiata und als Hauptgericht eine Gardasee-Forelle vom Grill. Eine Spezialität, die man sich nicht entgehen lassen sollte, wenn man am Gardasee Halt macht. Die Weiterfahrt über Bologna ist wegen des extrem starken LKW-Verkehrs auf der italienischen A1 anstrengend, doch dank destruktiver Fahrweise erreichen wir sicher und einigermaßen erleichtert unser Hotel etwas außerhalb von Florenz.
Mit dem Zug fahren wir am nächsten Morgen vom Hotel ins Zentrum von Florenz. Für die Besichtigung der geschichtsträchtigen Stadt haben wir einen ganzen Tag eingeplant. Obwohl wir außerhalb der Hochsaison unterwegs sind, ist die Stadt rammelvoll. Wie muss es hier erst zur Haupturlaubszeit aussehen. Die schönsten Plätze der Stadt sind durchwegs zu Fuß zu erreichen, Campanile di Giotto, Palast der Republik, Palazzo Vecchio, Uffizien, Ponte Vecchio und vieles mehr liegen im Zentrum nahe zusammen. Auf der Ponte Vecchio, der berühmtesten Brücke von Florenz mit seinen zahlreichen Schmuckgeschäften, überschreiten wir den Arno, um auf der gegenüberliegenden Flußseite den Palazzo Pitti zu besichtigen.
Der Palazzo Pitti war ursprünglich seit dem 16. Jahrhundert Residenz der Herzöge von Toskana. Seit 1919 gehört er dem italienischen Staat, in seinen Gemäuern sind mehrere Museen und öffentliche Ausstellungen zu besichtigen. Wertvolle Gemälde u. a. von Tizian, Giorgione, Raffael und Rubens sind zu sehen, ebenso die Galleria d‘arte moderna mit Werken vom Klassizismus bis zum Beginn des italienischen Futurismus an der Jahrhundertwende des 20. Jahrhunderts. 
Hinter dem Palast erstreckt sich einer der schönsten Gartenanlagen des Landes, am südlichen Hügel ist ein sehenswertes Porzellanmuseum untergebracht, welches frei zugänglich ist.
Florenz zu beschreiben, ist in diesem Reisebericht natürlich nicht möglich. Einschlägige Literatur im Reisebuchhandel und im Internet geben ausführliche Informationen für einen Besuch dieser Stadt.
Unser Weg führt uns am nächsten Morgen durch herrliche Landschaft Richtung Süden in die ca. 100 km entfernte Stadt Siena, eine der schönsten Städte der Toskana bzw. ganz Italiens. Weingärten, Getreide- und Sonnenblumenfelder, zypressenbewachsene Hügel reihen sich auf der Hinfahrt aneinander. Eile ist jetzt nicht geboten, immer wieder halten wir an und saugen die Bilder regelrecht in uns auf. Vom Turm der Basilika im Zentrum von Siena haben wir einen eindrucksvollen Rundblick über die Stadt. Hauptanziehungspunkt ist natürlich der Piazza del Campo, wo jährlich der berühmte „Palio di Siena“ ausgetragen wird, eines der härtesten Pferderennen der Welt. Im James Bond-Film „Ein Quantum Trost“ umrahmte diese Veranstaltung eine beeindruckende Verfolgungsjagd. Bei dem Rennen, das seit dem Mittelalter eine sehr große Bedeutung für Siena hat, treten zweimal im Jahr jeweils zehn der 17 Bezirke (Contrade) der Stadt gegeneinander an. Durch die Enge der Rennbahn und die Brutalität der Reiter ist das Rennen auch sehr umstritten. Im Schnitt verendet jedes Jahr ein Pferd während der drei Runden um den Campo.
Ruhiger und landschaftlich genauso reizvoll geht es durch unsere nächste Etappe. Auf der Nebenstraße 101 fahren wir wieder Richtung Norden nach San Gimignano, der Stadt der Türme. Sie ist neben Siena und Florenz eine der meistbesuchten Städte und unser heutiger Zwischenstopp für die Übernachtung.
Die 8.000-Einwohner-Stadt thront auf einem Hügel und besticht durch mehrere Türme, die ihr den Beinamen „Mittelalterliches Manhattan“ eingebracht haben. In den engen Gassen mit zahlreichen Trattorias, Weinlokalen und Spezialitätengeschäften lässt es sich gut aushalten. Bei herrlicher Pasta, Saltimbocca alla Romana und Vernacchia di San Gimignano lassen wir das Erlebte des Tages Revue passieren.
Unsere Reise geht weiter nach Volterra, welches etwas verstreut, aber sehr reizvoll auf mehreren bewaldeten Hügeln liegt.
Übrigens: Wer Florenz und Siena gesehen hat, kann eigentlich auf Pisa, das sich auf der Heimreise anbietet, verzichten, es sei denn, man will sich unbedingt bei einer Besichtigung des „Schiefen Turms“ neppen lassen. Die hügelige und herrlich grüne Landschaft zwischen Volterra und San Miniato ist die wesentlich bessere Wahl für toskanisches Flair, bevor es wieder über Florenz und Bologna nach Hause geht!
 
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