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Salzachbrücke

vom Vrbas zur Neredva

Bei einer Reise durch Bosnien-Herzegowina erinnert einiges an die Kriegstage vergangener Jahre. Dennoch überrascht das Land mit herrlicher Landschaft und gastfreundlichen Menschen.

Es ist heiß, sehr heiß! Die Luft flimmert bei 35° im Schatten, als wir den Grenzübergang Gradiška passieren. Bis zur Ausfahrt nach Okucani sind wir dank gut ausgebauter Autobahn in gut 6 Stunden gefahren. Die strenge Grenzkontrolle war für uns ungewohnt, sogar die Grüne Versicherungskarte muss vorgezeigt werden und die restlichen 60 Kilometer bis Banja Luka müssen wir dann nach Gefühl fahren, denn alle Orts und Hinweisschilder sind in cyrillischer Schrift angegeben, mit der wir nun wirklich nichts anfangen können.



Durch den Balkan-Krieg kam die Wirtschaft in Bosnien zum Erliegen, doch langsam erholt sich der Markt im ganzen Land wieder. In den Städten findet man immer wieder Spuren dieses traurigen Kapitels, die Renovierungen benötigen Zeit, schreiten aber voran. Banja Luka ist eine schöne, sehr grüne Stadt. Angeblich gibt es hier doppelt so viele Bäume wie Menschen (220.000 Einwohner), was ihr den Beinamen „Grüne Stadt“ eingebracht hat. Von den Menschen, die hier wohnen, sind die meisten übrigens weiblich. 7 zu 1 beträgt das Verhältnis Frauen zu Männer und noch dazu sind die Frauen hier sehr hübsch. Ein Paradies für ledige Jungs!

Banja Luka ist – mit Ausnahme vom Norden – von Bergen umrahmt und liegt an beiden Ufern des Vrbas. Ein Fluss, vergleichbar mit unserer Saalach, der südlich der Stadt durch tiefe Schluchten fließt und Richtung Norden in die Pannonische Tiefebene zur Save mündet. Unser Abendessen nehmen wir in der Anlage des Hotel-Restaurants „Jesevac“ ein. Trotz des riesigen Ausmaßes des Lokals – sicher 1000 Sitzplätze – werden wir rasch und freundlich bedient. Der servierte Lammbraten vom Holzkohlengrill lässt keine Wüsche offen, auch die Beilagen bis hin zum Brot und den warmen Käsebällchen schmecken köstlich.



Die Route Richtung Süden führt dann über mehrere Stunden durch herrliche Schluchten und Täler. Dabei folgen wir dem Vrbas stromaufwärts, der zunehmend an Mächtigkeit verliert. Entlang der sehr wenig befahrenen Strecke finden sich immer wieder Badeplätze mit glasklarem Wasser. Nach ca. 4 Stunden Fahrt durch wilde Landschaft auf teilweise schmalen Straßen kommen wir in Sarajevo an. Wenigsten können wir ab hier wieder die Orts- und Hinweisschilder lesen, die jetzt auch in lateinischer Schrift angebracht sind. Parkplätze sind äußerst rar in den engen Straßen dieser 300.000 Einwohner zählenden Hauptstadt von Bosnien-Herzegowina. Die Parkgebühren auf den bewachten Parkplätzen der Innenstadt sind aber recht günstig. Das gilt übrigens auch für die Restaurantpreise, die etwa bei der Hälfte unseres gewohnten Niveaus liegen.



Sarajevo ist Sitz des Großmuftis der bosnisch-herzegowinischen Muslime und des Metropoliten der serbisch-orthodoxen Kirche. In der ganzen Stadt findet man Moscheen, Kirchen und Synagogen nicht weit voneinander entfernt. Deswegen wird die Stadt gelegentlich Klein-Jerusalem oder auch Europäisches Jerusalem genannt. Nachdem wir mühsamst eine Tourist-Info gefunden haben (nach einem ­Informations-“i“ sucht man vergeblich, man muss sich schon hinfragen) finden wir dank dem ausgehändigten Stadtplan auch den Eingang zur Altstadt. Die ist zwar klein, aber oho! Die Gässchen und Shops, Cevapcinicas und Cafe’s, Schmuck- und Silberläden und natürlich die überall präsenten Minarette erinnern uns aber eher an Nordgriechenland oder an die Türkei. Wir genehmigen uns in einem der zahllosen Lokale eine Portion der hier so berühmten Cevapcici, die für unsere Begriffe aber etwas zu spartanisch serviert werden. Nur mit Brot und Zwiebel wird die ganze (und sehr große) Portion doch etwas langweilig.

Die Nacht verbringen wir südlich der Stadt nahe des Naturschutzparks Vrela Bosne. Hier entspringt der Fluß Bosne aus einer riesigen Quelle, die direkt aus dem Berg herausfließt und hier eine große Parklandschaft mit kristallklaren Seen speist. Auch die Weiterfahrt Richtung Adria führt über Pässe, durch Täler und Schluchten mit Stauseen und zahlreichen Fischzuchten entlang der Neretva, die uns nun bis Mostar begleitet.



Die Altstadt von Mostar mit der weltberühmten Brücke „Stari Most“ (1556 erbaut und im November 1993 zerstört) wurde vorbildlich restauriert. Die Brücke und die Altstadt wurden am 15. Juli 2005 in die Welterbe-Liste der UNESCO aufgenommen. Hierher kommen Touristen aus der ganzen Welt, wenngleich sich der Rummel in Grenzen hält. Entlang der Gassen, die mit runden Bachsteinen ausgelegt sind, reiht sich ein Lokal und ein Souvenirladen nach dem anderen. Am höchsten Punkt der Brücke stehen Männer in Badehosen am Geländer und stürzen sich mutig die 25 Meter hinunter in den Fluss. Aber erst, nachdem die Schaulustigen genügend „Sprunggeld“ zusammengelegt haben...

Wenige Kilometer südlich von Mostar dreht sich der Fluß Neretva nach Osten und verläßt dieses ursprüngliche Land. Wir folgen ihr und reisen nach Kroatien ein. Dort wartet eine ganz andere Atmosphäre auf uns. Die mehrtägige Reise durch Bosnien-Herzegowina hat sich aber auf jeden Fall gelohnt.

 
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