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Salzachbrücke

Von Thailand bis Nepal

Eine Urlaubsreise in das kinderfreundliche Thailand stand als Erholungsaufenthalt vor einer anstrengenden und aufwändig geplanten Weiterreise in das buddhistische Nepal.

DI (FH) Stefan Spindler

Ein Freijahr von meinem Beruf als Lehrer und fleißiges Sparen vor Urlaubsantritt ermöglichte es mir und meiner Familie, rund zwei Monate lang Eindrücke aus einer Welt – besonders in Nepal – zu sammeln, die auch für unsere buddhistische Weltanschauung wichtig waren.
Als wir mit unseren beiden Kindern (11 und 2 Jahre) am 13. Dezember Richtung Bangkok abflogen, wussten wir noch nicht, welch spannende und schöne Reise uns erwarten würde.
Die Insel Koh Phayam, zwei Flugstunden südwestlich von der Hauptstadt Thailands, war unser erstes Ziel. Da wir mit dem Taxi mehr als zehn Stunden unterwegs gewesen wären, buchten wir gleich von zu Hause einen „Happy Air“-Flug nach Ranong.
Die „Happy Air“ ist eine Propellermaschine für max. 33 Personen. Der Flug war schon sehr abenteuerlich, vom Komfort moderner Linienmaschen weit entfernt. Jede Turbulenz wird zu 100% spürbar. In Ranong nahmen wir ein Speedboot, das uns in einer Stunde auf unsere Urlaubsinsel brachte. Dort warteten bereits Mopedtaxis am Pier, denn Autos gibt es auf dieser Insel nicht. Und schon ging es mit Sack und Pack, Frau und Kinder Richtung Quartier weiter.
Wir tauchten ein in eine andere Welt. Aus der stark bewaldeten Insel (Dschungel) drang ein intensiver, angenehmer Latexgeruch, der sich mit vielen anderen mir unbekannten Gerüchen von Blumen mischte. Latexgewinnung ist auf dieser Insel neben dem ­Cashew-Nuss Anbau eine wichtige Einnahmequelle, natürlich auch der Tourismus. Der Bungalow, den wir über das Internet und auf Empfehlung einer lieben Freundin gebucht hatten, hielt das, was er versprach: Eine einfache Unterkunft, aber reizend und vor allem direkt am Strand. Auch die Kundenbewertungen im Web sind hilfreich bei der Suche nach seinem Domizil.

Erholung an traumhaften Stränden
Unsere lokale Bucht „Buffalo Bay“ ließ keine Wünsche offen und da diese Insel touristisch noch nicht so stark erschlossen ist, verbrachten wir eine dementsprechend ruhige und erholsame Zeit. Den Tag vertrieben wir uns mit Schwimmen und Schnorcheln, leider sind die Riffe durch die Tsunami-Katastrophe stark mitgenommen. Zu den Mahlzeiten genossen wir die frische Kokosnussmilch aus lokalen Palmen und das (oft sehr scharfe) Essen, das aber leicht und bekömmlich, äußerst lecker und auch sehr gesund ist.
Wenige Tage nach unserer Ankunft gab es eine Begegnung der besonderen Art: Eine ca. zwei Meter lange Königskobra kreuzte direkt vor uns den Motorradweg. Wir erfuhren, dass es auf dieser Insel ca. 150 verschiedene Schlangenarten gibt, unter anderem auch diese Kobras, mit denen es aber laut den Einheimischen noch keine ernsten Zwischenfälle gab.
Auf dem Weg zum Long Beach trifft man auf „Charmain Winter’s“ Restaurant. Hier gibt es Teespezialitäten und frischgepresstes Chlorophyll-Wasser. Charmain sagt darüber, es „coolt down“, reguliert die Verdauung und reinigt das Blut. Charmain ist auch eine tolle Yogalehrerin, sie bietet für sehr günstige 300 Bath ganze drei Stunden intensives Yoga am Strand an. Und natürlich auch Thai-Massagen mit Öl, was wir angesichts der eingeschränkten Shoppingmöglichkeiten auf unserer Insel auch gerne annahmen.
Sehr empfehlenswert!

Weihnachten in der Hippie-Bar
Die „Hippie-Bar“, ein aus Strandgut gezimmertes Schiff, ließ uns Weihnachten bei klarem Sternenhimmel und 25°C einmal ganz anders erleben: Die Jungs von der „Hippie-Bar“ verwandelten das Schiff mit Schneeflocken und Schneemännern aus Watte in eine Winterlandschaft. Mit exotischen Cocktails, Reggaemusik und entspannten Menschen aus verschiedenen Ländern feierten wir so das Weihnachtsfest auf gänzlich andere Art. Internet hat’s möglich gemacht, unsere Lieben zu Hause per Skype zu kontaktieren. Mit einem weinenden und einem lächelnden Auge prosteten wir uns zu und wünschten uns schöne Weihnacht!

Zurück nach Bangkok
Nach 16 schönen und erholsamen Tagen, in denen wir auch die spannende Tier- und Unterwasserwelt der Koh-Surin-Inseln in der Andamansee kennen lernten, ging es dann mit „Happy Air“ wieder zurück nach Bangkok, wo wir im 2-Tages Schnelldurchgang noch einige Sehenswürdigkeiten besuchten, unter anderem den großartigen „Wat Phra Kaeo“ mit dem Königspalast und wunderschönen Wandmalereien sowie den „Wat Po“ mit einer gigantischen liegenden Buddhastatue aus Gold.
Bangkok ist natürlich eine Touristen-Hochburg und als unerfahrener Besucher zahlt man oft zu viel für Attraktionen. Diese Erfahrung machten wir bei der Bootstour durch die Klongs. Nachdem wir keine 5000 Baht zahlen wollten und auch keine 3000 Baht, ließ uns die „taffe Lady“ für 2000 Baht pro Familie fahren. Auch bei den Taxis sollte man auf einen „Taxometer“ achten.

Erfahrungsaustausch mit Gleichgesinnten
Der Unterschied zu unseren bisherigen Urlauben machte auch die Erfahrung aus, hier viele Reisende zu treffen, die sehr lange unterwegs sind und ihre Erfahrungen gerne teilen. Unsere veganen Bungalow-Nachbarn beispielsweise machten sich sechs Monate auf den Weg durch Asien. Besonders beliebt als Reiseziel ist auch das angrenzende Burma. Da es in Deutschland „Elternzeit“ gibt, trifft man auch oft auf junge Eltern mit Kindern, die zwischen einem und fünf Jahren alt sind! Solche sind hier übrigens gut aufgehoben – in kaum einem anderen Land ist die einheimische Bevölkerung so kinderfreundlich wie in Thailand.

Weiterreise nach Nepal
Wir verlassen dieses Urlaubsparadies und fliegen von Bangkok zu unserem nächsten Ziel: Nepal!
Wer sich unter Kathmandu eine ruhige Bergstadt vorstellt, wird dort von einem ordentlichen „Kulturschock“ eingeholt, denn uns erwartete eine sehr schmutzige Stadt, verkehrstechnisch weitgehend ungeregelt und vom Solarstrom abhängig. Beim Essen und Trinken sollte man sehr vorsichtig sein, von Wasser aus der Leitung und vom Verzehr von Fleisch ist gänzlich abzuraten, insbesondere, wenn man mit Kindern reist. Während unseres gesamten Aufenthaltes waren wir diesbezüglich extrem aufmerksam und bekamen auch keine gesundheitlichen Probleme.
Kathmandu ist bekannt als Ausgangspunkt vieler Himalaya-Trekkingtouren, wir waren aber aus einem anderen Grund hier. Als bekennende Buddhisten interessierten uns insbesondere die heiligen buddhistischen Stellen in und rund um diese Riesenstadt, über die ich nach mehreren Befragungen von Einheimischen bezüglich der Einwohnerzahlen jeweils andere Angaben erhielt.
Saubere Quartiere sind rar, doch glücklicherweise hatten wir eine Anlaufstelle in einem Gästehaus im Stadtteil „Swayambhu“, das von einer deutschen Freundin geführt wurde. Hier waren wir wohntechnisch gut aufgehoben, denn „Swayambhunath“ ist eine der ältesten buddhistischen Tempelanlagen/ Stupas der Welt und UNESCO Welterbe.

Im „Tempel der Affen“
Aufgrund der großen, dort lebenden Affenpopulation, die man lieber nicht füttern sollte, wird er auch „Tempel der Affen“ genannt. Lästiger wie diese Affen sind übrigens die zahlreichen Bettler und Straßenverkäufer, von denen wir auf allen drei Stiegen bedrängt wurden. Ein buddhistischer Lama, der uns nach langem Drängen und Dank unserer Neugierde dann doch aus der Hand lesen durfte, wusste unverhältnismäßig viel über unsere Vergangenheit und möglicherweise auch über unsere Zukunft, wie sich herausstellen wird.
Eine sehr spannende Erfahrung war ungefähr drei Autostunden von Kathmandu entfernt ein historischer Platz namens „Namobuddha“. Hier hat sich eine Inkarnation von Buddha Shakyamuni einer Tigermutter geopfert. Diese wunderschöne Stelle ermöglichte uns einen Ausblick auf den Mount Everest, der, obwohl eine Flugstunde von dort entfernt, an diesem Tag sichtbar war.
Nepal ist vorwiegend ein hinduistisches Land und daher gibt es auch sehr viele dahingehende Tempel und Heiligtümer, die insbesondere auf dem „Durbar Square“ zu finden sind.

Abenteuer im Chitwan-Nationalpark
Ungefähr eine Bus-Tagesreise von Kathmandu entfernt, an der Grenze zu Indien, liegt der Chitwan-Nationalpark, der auf jeden Fall eine Reise wert ist. In diesem Nationalpark kann man mit etwas Glück sogar Tiger in freier Wildbahn beobachten.
Ein Ritt auf einem Elefanten wurde für uns dort zu einem nicht ungefährlichen Erlebnis: Nachdem es in diesem Nationalpark auch wilde und sehr gefährliche Elefantenbullen gibt, hatte unser offensichtlich noch unerfahrenes Tier eine Fährte aufgenommen. Nach einem lauten Trompeten setzte es zu einem Sprint an, samt uns auf seinem Rücken. Wir konnten uns nur mit Mühe halten und sahen uns schon abgeworfen und totgetrampelt…
Nach einigen Querelen konnte der Ele­fantenführer die Situation entspannen, indem er durch Heranholen der gesamten Ele­fantengruppe unser Tier schließlich beruhigte.
Unser Führer vor Ort erzählte uns dann seelenruhig, dass es in den letzten Wochen einige Todesfälle in Zusammenhang mit wilden Elefanten gegeben hat. Es gab keine Absperrung zwischen den Menschen und den wilden Elefanten. Mit zitternden Knien setzten wir unseren Ausflug fort.
Abschließend war eine Bootsfahrt auf einem Krokodil-Fluss inkludiert. Der Bootsrand stand keine fünf cm über dem Wasserspiegel und der Reiseführer warnte mehrmals davor, nicht die Hand in das Wasser zu strecken. Wenn man die dortigen Sicherheitsvorkehrungen aus europäischer Sicht betrachtet, so wäre so etwas bei uns wohl nicht möglich, aber gerade deshalb war es eben ein unvergessliches Abenteuer!
Der Urlaub und unsere buddhistische Erkundungsreise neigte sich dem Ende zu. Nach rund einem Monat Aufenthalt flog ich mit meiner Familie zurück in die Heimat, um nach einer kurzen Woche der Vorbereitung alleine Richtung St. Petersburg/Russland weiterzureisen. Darüber berichte ich euch in der nächsten Ausgabe der SALZACHbrücke!    ©
 
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